Liebe?

Was ist Liebe, der für mich in der Menschheitsgeschichte neben anderen Begriffen wie Freiheit meist missbrauchte Begriff. Oft manipulativ und bekehrend verwendet, um eigene Interessen durchzusetzen, werden die Worte eingesetzt und missbraucht.

Aber was ist eigentlich Liebe? Nicht im theologischen Sinne, sondern im Zwischenmenschlichen?Liebe sollte selbstlos sein und ein Gefühl für einen Menschen bedeuten. Zu Ende definieren kann ich es nicht.  Klar, ich liebe meine Kinder, spüre das, vorbehaltlos oder zumindest ziemlich vorbehaltlos. Aber schon beim Partner geht es doch schon los, darf ich sagen, ich liebe ihn/sie, auch wenn ich gerade sauer oder gar entfremdet bin? Sage ich oder jeder andere doch auch, im Zweifel. Wer will schon behaupten, er oder sie liebt seinen Partner nicht, auch wenn es noch so floskelhaft oder formelhaft benutzt wird, dieses Wort.

Oder wird Liebe wie eine Drohung benutzt, um jemanden zu beherrschen? Wer ist nicht geschmeichelt, sofern ein anderer sagt, ich liebe dich?

Was aber ist zwischen Mann und Frau, die befreundet sind, keine Liebesbeziehung mit allen körperlichen und erotischen Aspekten haben, die sich nahe stehen, einander viel erzählen, „dürfen“ die einander beschwören, sich zu lieben? Geht das? Darf das sein, ohne wieder dieses „Wort“ zu missbrauchen? Sicherlich, man mag sich, man freut sich, den anderen zu sehen, mit ihm oder ihr zu sprechen, dabei ohne körperliches Verlangen, darf da von Liebe gesprochen werden?

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13 Antworten zu “Liebe?

  1. Du spürst Liebe, sonst würdest du dir keine Gedanken dazu machen, und hast Angst, sie so zu nennen. Fragst, ob man das darf. Wer soll es dir erlauben, wenn nicht du selbst?

  2. Weil es nicht in gesellschaftliche Konventionen passt. Liebe zu benennen, lässt gleichzeitig Bilder von Happy End und Hochzeitsglocken aufkommen, so wie in einem Hollywood-Schmalz-Film. Freundschaft. Passt dieses Wort nicht eher? Ich komme drauf, weil wir – sie und ich – darüber oft diskutieren und ich mich herausziehe und das Wort vermeide. Ich will keine Affäre, keine Beziehung im klassischen Sinne, einfach nur gute Gespräche und diese schöne Vertrautheit. Aber Liebe? Ich ziere mich.

  3. „gute Gespräche“, vielleicht tief und intensiv; „schöne Vertrautheit“, sich vertrauen, sich vertraut sein, nah sein, Nähe, mehr als Freundschaft, Liebe… die Grenzen sind fließend, in beide Richtungen. Oft lese ich, dass aus Liebe eine Form von Freundschaft wird. Kann aus Freundschaft dann auch Liebe werden? Ein bereicherndes „mehr“ ohne die Freundschaft zu verlieren? Danke für den Impuls. Ich werde auf meinen blog darüber schreiben, damit mein Kommentar nicht deine Seite sprengt. 🙂

  4. „Nächstenliebe ist Liebe zwischen Gleichen; Mutterliebe ist Liebe zum Hilflosen. Sie ist die bedingungslose Bejahung des Lebens und der Bedürfnisse des Kindes. So verschieden beide voneinander sind, ihnen ist doch gemein, daß sie sich ihrem Wesen nach nicht auf eine einzige Person beschränken. Im Gegensatz zu diesen beiden Arten von Liebe steht die erotische Liebe. Hier handelt es sich um das Verlangen nach vollkommener Vereinigung, nach der Einheit mit einer anderen Person. Eben aus diesem Grund ist die erotische Liebe exklusiv und nicht universal; aber aus diesem Grund ist sie vielleicht auch die trügerischste Form der Liebe.“
    Erich Fromm (Quelle: http://www.matthias-kaldenbach.de/dkdl.htm)
    Vielleicht haben Sie das Buch „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm gelesen, ein lesenswertes Buch mit interessanten Denkanstößen.

  5. Ich habe den link angelesen. Für mich wird die Liebe für einen anderen Menschen hier viel zu sehr mit Verantwortung, Verpflichtungen verbunden statt mit dem Gefühl, das man für diesen für sich besonderen Menschen in sich trägt.
    „Liebe sollte ein Akt des Willens, des Entschlusses sein, mein Leben völlig an das eines anderen Menschen zu binden.“, lese ich dort. Diese Fokusierung kann nur mit einer Begrenzung des Selbst verbunden sein. Eine Vorstellung, die ich beängstigend finde.

  6. Ist Liebe nicht einfach da? Fragt nicht. Muss nicht. Wir müssen sie nur zulassen. Liebe zu uns selbst, zum Leben, zur Natur, zu anderen Menschen, zu den Menschen, die einem besonders nahe stehen …
    Das andere, was du beschreibst ist vermengt mit Begriffen wie Partnerschaft, Freundschaft, Erotik, Verantwortung, Geborgenheit und so weiter.

  7. Die Liebe will nichts von dem anderen; sie will alles für den anderen…

    Von Dietrich Bonhoeffer
    Ich denke, das ist es.

  8. Ich mag die Freundin einfach, schätze sie, sie ist geistreich, ich vertraue ihr, bei mir gibt es keine Sehnsucht nach Erotik und körperlicher Nähe. Bei ihr hingegen schon. Diese Situation des Ungleichgewichts empfinde ich als schwer. Ich kenne das nicht, in meiner Vergangenheit war ich eher der Schmachtende. Aufpassen will ich, um ihr nicht weh zu tun, letztlich muss sie entscheiden, ob sie das will und kann. Bei mir ist es Liebe in Form von Freundschaft. Nicht mehr und nicht weniger.

  9. Vertrautheit, sich anvertrauen, sich fallen lassen, braucht auch körperliche Nähe, Umarmungen. Erotisch werden sie erst, wenn beide reagieren, wenn etwas fließt. Ihr redet über eure Freundschaft, Liebe, schreibst du. Dann hat sie ein Mehr. Und wenn deine Freundin für dich Liebe empfindet, dann lass es zu. Vielleicht nimmt es dir so die Schwere., auch die du herbstlich in dir trägst. Liebe fordert nicht. Sie wird dir um deinetwegen geschenkt. Die Schwere liegt in dir. Einen solchen Menschen zu haben ist etwas sehr Wertvolles. Du willst ihr nicht weh tun, und sie auch wohl nicht verlieren. Und du kannst sie risikolos entscheiden lassen, denn sie wird sich immer für dich und eure Freunschaft entscheiden.

  10. „Du kannst sie gefahrlos entscheiden lassen“, meinte ich provokant. Kommt vielleicht nich so rüber.

  11. Provokant, weil … Du kannst diese Beziehung an der Stelle mit Schwere besetzen, musst diese Schwere nicht zwangsläufig verändern, weil deine Freundin dir bleibt. Eine trügerische Sicherheit. Schwere verändern kannst du nur in dir selbst. Vielleicht spürt sie, dass auch bei dir etwas fließt und lässt darum nicht nach. Und du schützt dich aus deiner herbstlichen Erfahrung heraus, auch um nicht wieder der Schmachtende zu werden. Ja, dann ist da Schmerz, für beide. Freundschaft ist die gefühlt leichtere Variante. Und wenn sie doch aus dieser Freundschaft herausgeht? Was bedeutet sie dir? Ist sie dieses Gegenüber, das du brauchst. Du solltest es vorher für dich klären, bevor du sie großzügig entscheiden lässt. Alles Gute.

  12. Wir kennen uns lange Jahre, sind einander sehr vertraut, haben uns „gern“, ich schätze ihr Urteilsvermögen, sie als Person. Erotik ginge von mir aus nicht,auch wenn ich sie haben könnte, erstens möchte ich die Situation nicht ausnutzen, zweitens auch mich schützen, nach ja, und ich will keine Affäre in dem Sinne mit ihr. Ja, sie ist mir sehr wichtig.

  13. Dann solltest du den damit verbundenen Schmerz annehmen, aushalten; ihren Schmerz, deinen Schmerz. Sie in den Augenblicken in den Arm nehmen, festhalten und sie ihre Wichtigkeit spüren lassen, und dir selbst bewusst machen, wie schön es ist, geliebt zu werden und eine Freundin zu haben. Freundschaft und Liebe hält Schmerz aus. Nimm deinen Schmerz und deine Gefühle positiv wahr, damit dir Veränderungen in ihrer Intensität nicht entgehen.

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