Schule und Liebe

Ein scheinbar sehr widersprüchlicher Artikel. Sinn macht er nach einer kleinen Einführung.

Am Wochenende schrieb ich über die Physiknachhilfe für meine Tochter. Sie geht in die 5. Klasse eines Gymnasiums, hat eine Empfehlung ihrer Grundschule erhalten und freute sich sehr darauf. Mein Gefühl, seit sie auf dieser Schule ist, auf der auch ich war und eine gewisse unleidliche Zeit verlebte, war sehr zwiegespalten bis angstvoll.

Nun bekommt sie die ersten Probleme beim Lernen, schreibt schlechtere Arbeiten und meine Sorge scheint sich zu bestätigen, wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich liebe meine Tochter sehr, umso mehr möchte ich ihr die leidvollen Erfahrungen in der Schule ersparen, was natürlich nicht geht.

Offenbar verliert sie mehr und mehr Lust und Zutrauen, je mehr ich mich sorge und auf sie einrede. Ihre Mitarbeit in der Schule und nach der Schule könnte besser sein, noch ist nichts verloren, auch der Anschluss nicht, nur sie braucht Erfolgserlebnisse, zu deren Erreichen sie allerdings mitarbeiten muss, sich anstrengen muss. Die Bereitschaft ist da, nur sie vollzog noch nicht so richtig den Übergang von der 4. in die 5. Klasse. Keine Hausaufgaben auf, bedeutet nicht, nichts tun zu müssen. Obwohl ich finde, dass das Abitur nach 8 Jahren die Kinder, Eltern und Lehrer völlig überfordert, hilft es nun nichts. Sie muss Motivation aufbauen, um voranzukommen.

Nur, wie bekomme ich das hin? Ich bin nicht sie, ihr Vater, okay, ich kann sie unterstützen, abfragen, ermuntern, nicht einschüchtern, nicht unter Druck setzen. Vorgenommen heisst noch nicht umgesetzt, gerade nicht bei diesem sensiblen Thema, in das meine Vergangenheit so knallhart reinhaut.

Meine Angst und meine Sorge hilft nicht, meine Liebe darf sich nicht auf Ermahnungen beschränken, ich muss über meinen Schatten springen, eine enorme Anstrengung. Was bleibt mir mehr, als aufzumuntern und zu unterstützen? Selbst Nachhilfe zu geben ist schwierig, abfragen ja, aber nicht Unterricht nachholen, das muss doch Schule leisten.

Meine anderen beiden Kinder sind schon älter, auch da klappte die Schule, nie reibungslos und leicht und selbstverständlich, sie gehen heute ihren Weg. Jetzt ist meine „Kleine“ an der Reihe, nur es fühlt sich wie beim ersten Mal an. Schule und Liebe und Loslassen, kein leichtes Thema für mich.

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5 Antworten zu “Schule und Liebe

  1. „Schule und Liebe und Loslassen, kein leichtes Thema für mich.“

    Da bist Du ganz bestimmt nicht allein. Das ist bei mir genauso. Das rechte Maß zu finden, ist die Herausforderung.

  2. Ne, da bist du nun wirklich nicht allein.-)

  3. Den Eintrag hätte meine Mutter schreiben können.

    Ich bin nach der 4. Klasse auch aufs Gynmasium gegangen. In der Grundschule war ich gut. Ich hatte gute Noten, ohne je etwas dafür tun zu müssen (Hausaufgaben habe ich aber immer gemacht). Und am Gymnasium habe ich direkt den Anschluss verpasst und schlechte Noten geschrieben.
    Ich habe mich bis zur 8. Klasse durchgeschlängelt. Sogar die Nachprüfung in der 7. habe ich bestanden. Aber danach bin ich hängen geblieben. Das hat meinen Schalter umgelegt, ich habe den Stoff aufgearbeitet und den Spaß am Lernen entdeckt.

    Und genau das ist es, was das Lernen leicht macht: Spaß daran zu haben. Gerade beim Turbo-Abi ist es vor allem notwendig, sich zuhause hinzusetzen. Man hat die Zeit um ein Jahr verkürzt, der Stoff wird aber stetig mehr! Die Lehrer und die Schule achten nicht mehr darauf, wer auf der Strecke bleibt, sie müssen ihren Stoff durchziehen. Dieses Bildungssystem ist so enorm reformbedürftig!

    Ich glaube, wichtig ist, dass dein Kind den Spaß an der Schule nicht verliert und ich hoffe, dass es bald ein Erfolgserlebnis gibt. Erfolge waren nämlich immer das, was mich angespornt hat! Ein Ansporn, gute Noten zu halten. Schlechte Noten haben mich runtergezogen. Die Umkehrpsychologie funktioniert bei den Wenigsten.

    Ich weiß, dass das allgemein nicht immer als die beste Erziehungsmethode angesehen wird, aber vielleicht ist in dem Fall eine Belohnung für gute Noten noch ein kleiner Ansporn?

  4. „Offenbar verliert sie mehr und mehr Lust und Zutrauen, je mehr ich mich sorge und auf sie einrede.“ – In der Sorge, die du dir machst und die sie ja spürt, steckt immer auch, dass du ihr etwas nicht zutraust. Ich weiß wovon ich rede. Meine Mutter ist die wandelnde Sorge. Das tat und tut sie aus Liebe. Schrecklich ist es trotzdem, vor allem für das Selbstwertgefühl.
    gedankenfest beschreibt es: „Aber danach bin ich hängen geblieben. Das hat meinen Schalter umgelegt, ich habe den Stoff aufgearbeitet und den Spaß am Lernen entdeckt.“ Offenbar musstest du, liebe/r gedankenfest einmal auf die Nase fallen. Danach fluppte es.
    Ich glaube, für Eltern heute ist es die große Lernleistung, ihren Kindern zu erlauben, auf die Nase zu fallen, Fehler zu machen. Von schlechten Noten geht die Welt nicht unter. Und wenn wir eine schwere Zeit durchgestanden haben und uns jemand zur Seite stand und mit Liebe und Geduld mit uns diese schwere Zeit durchlebt hat, lernen wir viel mehr und gehen viel stärker daraus hervor, als wenn diese schweren Zeiten mit allen Mitteln verhindert und uns alles abgenommen wurde.
    Auf die Nase fallen zu können, um wieder aufzustehen, daraus zu lernen und besser weiterzumachen ist eine der wichtigsten Lebenskompetenzen überhaupt. Viel wichtiger als Mathe Deutsch oder Physik.
    „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
    Antoine de Saint-Exupery
    Herr P. geht ja noch zur Grundschule. Bin gespannt was da noch auf mich zukommt 😉

  5. Gedankenfest ist eine sie 😉
    Es fluppte immer, nachdem ich mal auf die Nase geflogen bin 😉
    Die Zeit war für meine Mutter auch nicht leicht. Ich war ein Sorgenkind. Und gerade bei der Schule sind Eltern relativ hilflos und machtlos, obwohl es so enorm wichtig ist. Ich kann gut verstehen, dass man da auch nicht tatenlos zusehen möchte, aber das Eingreifen ist schwierig.
    Man darf dem Kind ja auch nicht das Gefühl geben, dass es schlecht ist. Aber man kann es auch schlecht in den Himmel loben, wenn es nicht gerechtfertigt ist. Allerdings denke ich, dass ein Lob ganz enorm wichtig ist, wenn was gut ist. Sei es ein Sieg im Sportverein, ein gemaltes Bild oder vielleicht ein guter Vokabeltest. Das macht Mut, tut gut und spornt an.

    Mittlerweile studiere ich. Ich erzähle meiner Mutter heute noch, welche Noten ich in den Klausuren in der Uni schreibe (ich fühle mich dazu zwar auch verpflichtet, da sie mein Studium bezahlt, aber ich erzähle es ihr sehr gerne). Und jedes Mal danach lobt sie mich sehr. Sie freut sich für mich und sie freut sich auch so über diese Note. Sie ist noch heute sehr stolz auf mich und gibt mir die Anerkennung, die mir gut tut, die ich irgendwo auch für die Leistung verdiene. Von der Fünfenschreiberin bin ich über ein Zweierabi zurzeit in einem Einserschnitt bei meinem Studium. Die Hoffnung ist nie verloren. Und in den Jahren kann sich noch einiges tun. Wird es auch.

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