Liebe in sich

Verliebe ich mich in einen Menschen, macht es mich im größten Maße glücklich, wenn denn das Gefühl erwidert wird. Im Gegensatz dazu macht es mich im höchsten Maße unglücklich, sofern das Gefühl nicht erwidert wird. Ungelebte Liebe frustriert auch sehr, ist aber nicht das, auf das ich hinaus will. Ich will wissen, woher die Liebe kommt. Von außen? Von einem tollen Menschen? Gutaussehend, anziehend, intelligent und all das, was jeder so für sich als anziehende Attribute versteht.

Da finde ich jemanden in allen Belangen toll, lerne diesen Menschen kennen, und da kommt etwas zurück von meinen Empfindungen. Der Wahnsinn.

Zeigt dies nicht, dass die Sache mit der Liebe in einem selbst angelegt ist? Trage ich keine Liebe in mir, wird das mit dem Verlieben nichts. Grundvoraussetzung ist das Gefühl in sich. Ohne dies würde ich doch nichts empfinden, auch wenn die Schönheit pur vor mir steht, da muss mehr sein, dieses Mehr muss aus mir kommen, wie ein Versprechen, das eingelöst wird, das Versprechen, das seine Entsprechung findet.

Andererseits kann es dumm laufen, wenn ich nicht merken und spüren will oder kann, sobald mir jemand gegenüber Gefühle zeigt und ausdrückt, ich die kleinen Zeichen nicht wahrnehme. Weil sie vielleicht wahrnehme, aber sie mir nicht zurechne, da ich mir selbst nicht zugestehe, jemand könnte mich toll finden. Dieser Mensch traute sich wahrscheinlich erst gar nicht, sich mir zu zeigen, aus Angst vor Zurückweisung. In den Bruchteilen von Sekunden, in denen das Schicksal zuschlägt, bekommt die Ratio diese Abläufe nicht mit, wundert sich nur. Und das, weil ein Mensch keine ordentliche und gesunde Selbstwahrnehmung hat? Und der macht dann unglücklichweise seine Umwelt verantwortlich dafür, sich ungeliebt zu fühlen.

Kompliziert wird es, wenn ein Mensch von einem anderen geliebt wird, diese Liebe aber definitiv nicht erwidern kann, die ganze Angelegenheit wie eine Einbahnstraße funktioniert. Wie lange geht das gut? Wie lange halten das beide aus, wie lange die Freundschaft, der kleinste gemeinsame Nenner?

Ich kann Liebe zeigen, wenn ich das Vertrauen in den anderen habe, es zeigen zu dürfen und es vielleicht sogar erwidert zu bekommen, was aber wieder voraussetzt, in mir Liebe zu haben und sie mir auch zuzugestehen.

Ein Versuch der Beschreibung, mal sehen, wieviel noch dazu kommen.

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3 Antworten zu “Liebe in sich

  1. Toll beschrieben. Zusammen mit deinem ersten post in diesem blog über Liebe und deinen Kommentaren bei mir, stellt sich doch die Frage, welches der größte gemeinsame Nenner ist. Vielleicht Liebe zeigen zu können, weil das Vertrauen in den anderen da ist, es zeigen zu dürfen und es sogar erwidert zu bekommen. Das würde bedeuten, das du Liebe in dir trägst, nicht daran zweifeln brauchst, sondern sie dir nur auch zuzugestehen musst. Das sollte doch ein schönes Gefühl sein. Bin gespannt auf deine weiteren Beschreibungen.

  2. Habe ein bisschen nachdenken müssen über deinen Post und weiß nicht, ob ich meine Gedanken klar formuliert kriege.
    Ich denke, die Liebe, die jeder in sich trägt und quasi „nur“ herauszulassen braucht, richtet sich nicht auf einen Menschen allein. Sie richtet sich auf mehrere Menschen, die Kinder, den Partner, Freunde, aber auch auf die Blumen am Wegesrand, das Meer, die Berge und alles, was uns umgibt.
    Und dann verlieben wir uns in Menschen. Dieses Verlieben ist ein bisschen anders. Denn beim Verlieben suchen wir vielleicht Dinge, die wir an uns vermissen oder wir ticken nach irgendwelchen Mustern, ob sie nun gesund oder ungesund für uns sind. Immer auf der Suche danach, ganz zu werden.
    Klar hängen diese Liebe und das Verlieben auch irgendwie zusammen. Habe mal gelesen, dass für kleine Kinder die Welt, die ihnen ihre Eltern bieten, das Paradies ist. Und wenn das Paradies die Hölle ist, werden sie immer nach der Hölle suchen (es sei denn, sie nehmen große Anstrengungen auf sich, um diese Muster zu verlassen).
    Das hängt wieder mit der Liebe in uns zusammen, die wir rauslassen können. Wenn wir darin gesunden, gesunden auch unsere Muster.

    • Dein Kommentar gefällt mir sehr gut. Liebe kann selbstlos sein, Verliebtheit hat was mit Erwartungen zu tun, finde ich, doch in gewisser Weise und in erster Linie erotischer Natur. Liebe muss nicht unbedingt etwas mit Sex zu tun haben.

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