Ungeschützte Anonymität

Fast zwei Jahre lang diente mir der alte Blog zur Seelenhygiene, mehr noch, auch zur Freude, zur Selbstentdeckung und zur Entdeckung von Offenheit und Vertrauen auch gegenüber fremden, mir gänzlich unbekannten Menschen, die mir jedoch sehr ans Herz wuchsen.

Als ich feststellte, wie mein altes Thema nicht mehr in den Blog passte, er mir zu eng wurde und ich ihn nicht durch sachfremdes sinnentfremden wollte, wechselte ich hierher. Ich begann, sicheren Tritt zu fassen, Themen aufzugreifen, die ich ins Tagebuch schreiben kann, die jeder wohl ins Tagebuch schreiben würde, um sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich zu machen.

Gerade in einen guten Tritt kommend, kam ich durch ein fremdes Bein ins Stolpern, das meinen Schreibfluss unterbrach, zudem gänzlich ohne Zutrauen, hierher das Geheime hinzuvertrauen.

Wohin mit alldem, das mich so sehr beschäftigte? Ins Tagebuch, und auch zu dem Menschen, den es insbesondere angeht, der einzige sichere und sinnhafte Adressat. Zudem gewann ich Zufall Zutrauen, der mir zutraute, mich in seine Tiefen einzulassen, um Halt zu finden, möglicherweise sogar einen Rat zu bekommen, mit seiner erschreckten Seele umzugehen.

Natürlich, ich beschreibe die natürlichste Weise, mit Gedanken umzugehen, mit anderen Menschen zu reden, die es angeht. Dennoch verzichte ich nicht auf den Blog, der mir einstmals so viel Halt gab und mich auch zu vielen anderen Menschen führte, die mir lieb geworden sind.

Nur das konkrete Schreiben will sich noch nicht wieder einstellen.

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4 Antworten zu “Ungeschützte Anonymität

  1. Schön von dir zu lesen. Du gewöhnst dich ja nicht nur an andere. Sie sich auch an dich. Vielleicht kommst du ja irgendwann zu dem Ergebnis, dass dir die Beine anderer Leute egel sein können, solange du nur deinen Weg gehst. Ich wünsch es dir. LG

  2. Kommt Zeit, kommt Rat… und Inspiration. Vielleicht kannst Du das Erlebnis, das Dich ins Stolpern gebracht hat (und uns ins Grübeln…) ja in Deinem Blog „aufarbeiten“ und Deine treuen Leserinnen und Leser daran teilhaben lassen… Freue mich jedenfalls, dass Du weiterhin schreiben magst und werde Deinen neuen Blog gerne in meine Blogliste aufnehmen.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz,
    Rosalie

  3. ich danke Dir für Deinen Hinweis, wonach Du Max Frisch liest. Frisch ist für mich ein wichtiger Begleiter geworden. Irgend ein Büchlein von ihm habe ich stets in der Tasche, wenn ich unterwegs bin :-).

    Gantenbein, den Du zur Zeit liest, ist ein wunderbarer Roman. Hier ist Frisch noch radikaler als beim Stiller, die Brüche in der Identität werden noch pointierter beschrieben, die Suche nach dem eigenen Ich wird konsequent auf die Spitze getrieben. Gantenbein, der vermeintlich Blinde, der so viel über sich und seine Umwelt erfährt, indem er sich neu erfindet. Schreib doch, wenn Du magst, in Deinem Blog über Deine Eindrücke zu diesem Buch!
    Wünsche Dir gute Lektüre und einen schönen Sommer.

    • Gute Idee, Peter. Sehr weit bin ich nicht gekommen bislang. Mein Taschenbuch ist sehr klein gedruckt, zudem bereiten mir die häufigen Sprünge in den Zeiten und in den Personenbeschreibungen der einen Person so Probleme. Selbst in einem Satz beschreibt er sich als „er, der andere“ und „ich“. Schon aussergewöhnlich und anspruchsvoll. Er gefällt mir, der Max Frisch.
      Deine Idee, über daa Gelesene zu schreiben ist richtig gut.

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