Von Liebe keine Ahnung

Freibad Letzigraben Pavillon 1947 Max Frisch

Image via Wikipedia

Max Frisch schreibt in Gantenbein: „Noch jede Frau, dachte er, jede, die er umarmt hatte, fühlte sich geliebt; jede aber, die er wirklich zu lieben begann, sagte ihm früher oder später, das er, wie alle Männer, von Liebe keine Ahnung habe…“

Ein fantastischer Satz, der mich sofort elektrisierte, der sich wohltuend aus dem Getümmel von Gedankendurcheinander hervortut. Er zeigt für mich das Geschlechterdilemma in bester Manier. Ich kann diesen Satz voll nachvollziehen, immer dann, sobald ich Vertrauen fasste, ging irgendwas schief mit der Frau, sobald ich mich drauf einließ, fühlte sie sich erdrückt, stehengelassen mit einem schlechten Gefühl, etwas nicht verstanden zu haben, nicht zu stimmen, spüren diesen Vertrauensverlust andere Frauen später.

Klar, die Frauen nervt möglicherweise die unerwachsene Liebe der Männer, die Männer kommen hingegen nicht klar mit dem Wunsch der Frauen, eine Art Vaterersatz zu bekommen. Der Mann soll stark sein, aber was heisst stark? Jedenfalls nicht gemeint sind Muskeln, eher schon manche Gemütsschwankung der Frau zu ertragen, sobald sie ein Mädchentrauma verfällt. Mann soll das aushalten, aber wie, weil er sich plötzlich vor der keiffenden Mutter erschrickt. Das Geschlechterdilemma kondensiert an Kindzuständen von Frau und Mann. Hilfe, wann werden Frauen und Männer erwachsen?

Wieviel Vertrauen vermag ich aufzubringen, zu Lieben zu beginnen?

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4 Antworten zu “Von Liebe keine Ahnung

  1. Hallo Notos,
    ich glaube dieses Thema ist sehr komplex und es gibt leine „Wahrheiten“, nur deine eigenen. Ich glaube ich habe es dir schon mal als Posting hinterlassen, erst wenn du selber mit dir im reinen bist, sprich dich lieben kannst, dann kannst du Lieben geben/verteilen. Das was du in obigen Text beschreibst würde ich als menschlichen Ego bezeichnen. Wahre liebe muss nichts ertragen, verlangt nichts, ist wertfrei, zeitlos, gegenstandslos.
    Aber meine Sichtweise ist sicherlich etwas komplex und doch furchtbar einfach.
    „Denn Liebe, die etwas anderes sucht als die Offenbarung des eigenen Mysteriums, ist nicht Liebe, sondern nur ein ausgeworfenes Netz: und nur das Nutzlose wird gefangen.
    Khalil Gibran, Der Prophet“
    Ich hab es dir auch schon einmal geschrieben: „you walk around in circles“

    • Hallo NixZen,
      danke für deine Analyse. Ganz sicher sind die Kreise gerade mein Weg und mein Weg fühlt sich gut an. Ich gebe zu, vielleicht besser, als er sich möglicherweise liest 🙂
      Gruß
      notos

  2. Ich glaube es ist oft so. Mit Geschlechterdilemma hat das nix zu tun. Zwischen Schwulen oder zwischen Lesben verlaufen Beziehung ja genauso. Habe genügend Homopärchen in meinem Leben kennenglernt. Liegt vielleicht eher daran, dass, wenn einem der andere mehr Flirt oder Liebschaft ist, dass man dann loslässt, locker lässt und wenn man emotional mehr drinhängt, dass man dann Gefahr läuft, anhänglich zu sein oder gar besitzergreifend. Und das löst beim anderen mitunter Fluchtimpulse aus.
    Mir kommt eine Stelle aus dem Song in den Kopf, den ich vor kurzem allen Krebsgeburtstagskindern gepostet habe:“und dast woast, das ma di brauchn, aber dast uns nia kehrst“ (deutsch: und dass du weißt, dass wir dich brauchen, aber dass du uns nicht gehörst).
    Peter hat hierzu auch ein paar interessante Gedanken gepostet. Ich erlaube mir, zu verlinken: http://peter-aus-meinem-leben.blogspot.com/2011/07/beim-wandern-notiert.html

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