Selbstfindung am Wochenende zu Hause

Das Wochenende barg unverhofft ein offenes Zeitfenster. Meine Frau besuchte vom Freitag bis Sonntag eine Freundin. Bereits am Montag stand der Termin fest, ich hatte Zeit, mich darauf einzulassen, mir Gestaltungsmöglichkeiten zu überlegen.

Was anfangen mit dieser Zeit? Feiern gehen, Freunde treffen, richtig ausgelassen sein oder dergleichen? Viel Sport? Oder ganz anders, endlich Dinge tun, die ich immer tun kann, nur nicht anfange, weil trotz aller Freiheiten ein Unterschied besteht, ob ich mit oder ohne Frau mit den Kindern zu Hause bin. Ohne Frau fühle ich mich freier.

Interessanterweise kündigte sich das Wochenende am Freitag mit sehr ambivalenten Gefühlen an. Und das, obwohl ich eigentlich sehr autonomiebestrebt bin, stellte ich eine zunehmende Verunsicherung fest. Es überkam mich zunehmend eine Welle von Angst, keine bewusste, aber doch deutliche Wellen von Verunsicherungen, die sich im Körper bemerkbar machten. Schon lange versuche ich Abhängigkeiten zu lösen, die ich auf meine Frau projiziere. Immerhin bin ich soweit, dies so sagen zu können und nicht zu schreiben, „Abhängigkeiten, die mit meiner Frau zusammenhängen.“

Früher wollte ich keine Autonomie. Nach so vielen Jahren fällt es schwer, wirkliche Autonomie zu bekommen, die von innen kommt. Das Wochenende zeigte, wie ich mich tatsächlich nicht daraus nicht wirklich gelöst habe.

Am Samstag verlief alles gut, meinen Tag gestaltete ich nach meinen Vorstellungen, kümmerte mich dabei um den Einkauf und die Kinder. Abends ging ich nicht feiern, sondern kam endlich dazu, mich um Adobe Lightroom zu kümmern und mein Fotodatenbanken einzulesen. Bis spät am Abend war ich damit beschäftigt und schaute mit meiner Tochter Fotos. Sehr angenehm.

Am Sonntag ab Mittag setzte eine leichte Unruhe ein. Woher kam die nur wieder? Diese Unruhe steigerte sich zum Abend hin, da ich nicht wusste, wann meine Frau zurückkommt. Wir vereinbarten stillschweigend, keine Anrufe zu tätigen und auch keine SMS zu schreiben. Jeder wollte mal sehen, wie es ohne den anderen geht. Am späteren Abend kam sie, völlig platt und müde. Ich ließ sie in Ruhe, stellte keine Fragen und ging zu Bett.

Das Wochenende gab Antworten, hinterließ aber auch Fragen.

Beeindruckt hat mich die Gefühls- und Gedankenvielfalt, durch die ich ging. Das Aufeinanderfixiertsein üblicherweise unterdrückt sie. Auch diese stille Symbiose und das Aufeinanderbezogensein hält mich von mir ab. Zweisamkeit ist schön, aber nicht immer und nur dann, wenn sie gesucht wird, fand ich heraus. Diese Erkenntnis ist nicht neu, für mich entdeckte ich sie voller Wucht wieder. Zwangszweisamkeiten oder besser Gewohnheitszweisamkeiten will ich nicht mehr.

Zumal, wenn sie in Verbindung mit diesen unangenehmen Gefühlen vor und nach dem Wochenende stehen. Diese unangenehmen Entzugssymptome dürfte es doch nicht geben. Ich stelle fest, ich will ein anderes Leben. Die Kinder sind fast groß. Inhaltsleere und gesprächsloses Beisammensein ist schlimmer, als allein zu sein, zumal ich mir überlegen kann, ob ich wirklich allein bin. Nur, ich kann entscheiden.

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3 Antworten zu “Selbstfindung am Wochenende zu Hause

  1. Mir gefällt, wie Du Deine Gedanken und Gefühle aufschreibst.
    Einiges kommt mir auch bekannt vor.

    Grüßle
    SK

  2. Vielen Dank für das Feedback, sweetkoffie. Bei dem Artikel war mir nicht ganz wohl. Ich schreibe einfach so runter, redigiere nicht. Mir war nicht klar, ob die Aussage stimmt, ich mich verhaspele und ich nicht zu offen bin. Vor allen Dingen.

  3. Mir kommt das alles sehr bekannt vor. Besonders das hier: „Inhaltsleere und gesprächsloses Beisammensein ist schlimmer, als allein zu sein….“
    In meiner letzten Beziehung hat mich das am Ende aggressiv gemacht… ich wollte nur noch allein sein, weil allein besser war als das…

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