Die offene Beziehung leben?

Die offene Beziehung, ja, wer will das nicht. Wer möchte es nicht können. Nach Jahren der Ehe, einer guten Ehe, aber doch eine lange Zeit der Einseitigkeit und Eingefahrenheit, allerdings auch der Sicherheit und Vertrautheit, der Liebe, aber nicht immer der Verliebtheit.

Dieses unscheinbare Büchlein „Lob der offenen Beziehung“ von Oliver Schott las ich zur Selbstbestätigung, um zu erkennen, wie und ob es gehen könnte, dass ich nicht völlig neben der Spur bin. Meine Moral und meine Erziehung erlaubt es mir nicht, das Über-Ich steht gegen meine Gefühle, ein Kampf sondergleichen tobt in mir.

Mein Frau weiss darum. Sie geht sehr erwachsen und toll damit um, möchte gleiche Verhältnisse, gleiche Rechte. Wumms, und dann? Dann erkenne ich meine Begrenzungen, ich gönne es ihr, aber meine Gefühle gehen mit mir durch, Leben kommt in die Bude, wo lange tote Hose war. Die Offenbarung selbst war recht verhalten, die Folgen in Form von Forderungen überfordern mich. Wer hätte das gedacht. All die Leserei in schlauen Büchern, wie in dem oben zitierten Buch, helfen mir nicht.

Aber was soll ich tun? Zurückschrauben, oder abwarten und schauen, was es mit uns, mit mir macht?

Schott sagt, eine Haupt- und eine Nebenbeziehung sei keine Frage von „entweder“ und  „oder“, sondern die Frage von Liebe. Eine Freundschaft wird auch nicht seriell geteilt, sondern nebenher gelebt. Problematisch kommt es nur vor, weil Sex im Spiel ist? Dann doch Besitzansprüche? Was hat das mit Liebe zu tun? Scheiss Konditionierung.

Ich werde abwarten, wie ich dafür Worte finde, mir fällt es schwer.

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9 Antworten zu “Die offene Beziehung leben?

  1. Zu diesem Thema kann ich dir auch das Buch:
    „Die offene Ehe“ v. Nena und George O’Neil empfehlen,
    es ist aus 70ger Jahren und immer noch aktuell.

    Lg
    SK

  2. Du findest doch sehr gut die Worte. Freundschaft mit Liebe muss man vielleicht erst in sich selbst zulassen, laufen lassen und nachspüren, wie es sich anfühlt. Es zu vereinbaren, wenn es sich gut anfühlt, ist der zweite Schritt. Er findet sich vielleicht, in welche Richtung auch immer, wenn man weiß, wieviel es einem Wert ist.
    Eine offene Beziehung zu leben, stelle ich mir sehr schwierig vor. Sie bedarf einem Selbstverständnis und viel Gespür. Mit formulierten Forderungen, Ansprüchen und Aufrechnungen ist sie wohl von Beginn an zum Scheitern verurteilt.
    Ich denke, die offene Beziehung ist eine Lebens- und Beziehungsform, für die man sich sehr bewusst entscheidet und kein Mittel, eine Ehe zu beleben. Die Seele ist dafür aufgestellt oder nicht. Es ihr überzustülpen, wie eine medizin, geht nicht. Ich denke, dass hat wenig mit Moral und Erziehung zu tun, sondern mit dem Selbst… und irgendwann, Ohne Rücksicht auf dein Über-Ich, werden deine Gefühle machen was sie wirklich wollen. Ja, vielleicht solltest du auf sie vertrauen und schauen, was sie mit dir machen.

  3. Eine offene Beziehung kann man sicher nur „erfolgreich“ leben, wenn die bestehende Beziehung glücklich ist.

  4. Du kannst das leben, was du in gleichen Rechten deiner Frau auch gewähren kannst und sie einverstanden ist. Wo die Grenze liegt, entscheidet ihr mit euren Gefühlen.
    So wie es klingt, willst du für dich zwar die eine oder andere Nebengeschichte in Anspruch nehmen, hast aber erhebliche Schwierigkeiten, abzugeben bzw. deiner Frau ebenfalls Affairen und Affairchen zu gönnen. Das ist in der Tat schwierig.

  5. Ich denke, dass man in erster Linie ein gesundes Selbstwertgefühl benötigt, damit man seine Liebe auf mehrere Personen verteilen kann. Wer ein gutes Selbstwertgefühl hat, liebt sich selbst und zweifelt nicht daran, ob er es wert ist, geliebt zu werden. Diese Selbstliebe ist wohl die Voraussetzung, um Nebenbeziehungen offen leben zu können und dem Partner die selben Rechte einzuräumen, ohne eifersüchtig zu sein oder Angst vor dem Verlust des Partners zu haben.

  6. Ich finde, dass eine offene Beziehung die meisten Leute überfordert. Und was mit jenen los ist, die nicht überfordert sind, da kann ich nur spekulieren. Ich denke, dass sie Nähe nicht wirklich zulassen. Aber wie gesagt, das ist nur eine Vermutung.

    Rosalie, du schreibst, dass es ein gutes Selbstwertgefühl brauche, wenn man Liebe auf mehrere Personen verteilen will. Wohlgemerkt: Wir sprechen von der erotischen Liebe, der Lebenspartnerschaft (oder dem Projekt Lebenspartnerschaft), nicht der Liebe der Eltern zu ihren Kindern oder andere Formen der Liebe.

    Nun, wenn man etwas auf mehrere verteilt, dann erhalten mehrere weniger von etwas. Das ist bei einem Kuchen so, das ist bei einem Apfel so, das wissen wir aus dem Mathematikunterricht der Primarschule (=Grundschule, deutsche Freundinnen und Freunde). Doch ist das bei der Liebe auch so?

    Wir stellen uns gerne vor, dass Liebe im Unterschied zu einer Schwarzwäldertorte aus unerschöpflichen Quellen schöpft und dass wir soviel davon verteilen können, wie wir nur wollen. Doch das stimmt meiner Ansicht nach nicht.

    Denn Liebe kommt nicht einfach so. Liebe (nicht Verliebtheit) erfordert Zeit, und zwar Zeit, die man mit der geliebten Person verbringt. Natürlich kann es auch hier einmal des Guten zuviel sein. Doch wir wissen alle, dass wir Zeit nicht unbeschränkt zur Verfügung haben. Wenn wir die erotische Liebe auf zwei Personen verteilen wollen, und wenn auch beide Partner das machen, geht Zeit verloren.

    Und nicht nur Zeit. Wer liebt, beschäftigt sich in Gedanken mit der geliebten Person. Und ist denn dieser Platz in unseren Hirnen, die Zeit, in welcher wir uns diese Gedanken machen, auch unerschöpflich? Oder teilbar, zumindest auf zwei Personen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Liebe nicht teilbar ist. Leider. Es ist eine schöne Vorstellung. Eine Utopie. Aber wie alle Utopien will sie uns glücklich machen, bewirkt aber das Gegenteil.

    • Nein, nein. Es ist okay, wenn Du von Dir redest, dass Du die Liebe nicht teilen willst, aber andere können das.
      Richtig ist, das eine Beziehung aufzubauen und lebendig zu halten Zeit erfordert. Und Zeit ist nur begrenzt vorhanden.
      Es gibt Menschen die können ihr Herz weit machen, Liebe herschenken und immer mehr Liebe empfangen. Liebe ist tatsächlich unerschöpflich, wenn man es zulässt. … und ich rede von Liebe und nicht von Verliebtheit …

  7. Ich kenne das Buch „Lob der offenen Beziehung“ auch. Es ist gut. Wenn Du bzw. wenn ihr Du und Deine Frau Euch mit dem Thema auseinandersetzt möchte ich (mal wieder) das Buch „Treue ist auch keine Lösung“ empfehlen. Es ist umfassender und setzt sich stärker mit Gefühlen auseinander. Das Buch plädiert im übrigen für Treue und Liebe und Verantwortung. Treue zu sich selbst, Liebe zu sich selbst und Verantwortung für das eigene Handeln.

  8. Tatsache ist, dass man sich neben der Ehe durchaus auch in jemand anders verlieben kann. Ist es gut diesem Gefühl nachzugehen oder sollte man sich das aus Loyalität dem Ehepartner gegenüber verkneifen?

    Ich meine jetzt nicht die Lust auf einen Seitesprung, auf eine Sexaffaire, das halte ich für unspektakulär, dann springt man eben, ist diskret und hat möglicherwiese einen neuen Energischub für die eigene Ehe, an der man festhalten möchte. Ich finde, der Partner muß davon keine Kenntnis haben, denn das fällt für mein Empfinden unter „Privatsache“ und würde nur zu unnötigen Verltzungen führen.

    Anders verhält es sich allerdings, wenn Gefühle ins Spiel kommen.
    Da ist es mit der Loyalität vorbei und man kommt über kurz oder lang in einen Gewissenskonflikt.
    Ich finde, wir haben nur das eine Leben und wenn man sich verliebt, will diese Liebe auch Erfüllung finden.
    Allerdings glaube ich nicht, dass ein Ehepartner das so einfach hinnimmt, denn da kommen Verlustängste, Existenzängste … einmal das volle Programm.

    Wie du an anderer Stelle schreibst, will deine Frau nun ihrerseits mal ihren Marktwert testen.
    Das kann ich gut verstehen, denn auch sie möchte begehrt werden.
    Ob sie aber dann tatsächlich eine Affaire beginnt bleibt abzuwarten.

    Ich denke, du mußt ihr dass im Ernstfall auch zugestehen.
    letztlich gibt es doch nur 2 Möglichkeiten:
    entweder kommt ihr aus dieser Phase eurer Beziehung gut wieder heraus und nehmt euch das Positive mit in die gemeinsame Zukunft, oder es kommt zum Bruch. Dann ist es eben so.

    Die Fälle, die mir in meinem Umfeld bekannt sind, die so zweigleisig fahren, da ist keiner von den Beteiligten glücklich.
    Manchmal muß man konsequent sein … mit allen daraus resultierenden Folgen.

    LG
    SK

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