Keine souveräne Freiheit

Mal wieder bin ich volles Risiko ohne Absicherung gefahren. Kein Schutzschild, kein Plan-B. Einfach meine Frau und mich dem Risiko des freien Aufpralls ausgesetzt. Die Offenbarung knallte rein, wie eine Bombe.

Im Grunde hatte ich mich an den Status Quo gewöhnt, mich darin wie in einer Komfortinsel eingerichtet, eine Haupt- und eine Nebenbeziehung geführt, kein Doppelleben, aber doch auch nicht weit davon entfernt.

Hin- und Hergerissen zwischen Weitermachen und Offenbarungsgelüsten spielte mein Unterbewusstsein oder der Zufall Schicksal.

Es war raus.

Wer, wie und wo war schnell klar. Der große Knall blieb aus. Wohl auch, weil meine Frau mich versteht, weil auch sie ähnliche ungelebte Sehnsüchte hat. Weiterverheimlichen hätte sie nicht gut befunden. Dann hätte sie stillgestanden. Sie will auch.

Soweit, so gut, die Geschichte könnte neu anfangen, ein neues Kapitel in unserem Leben, spannend, erfrischend, gefährlich. Wenn da nicht die inneren Grenzen wären. Meine Eifersucht auf ihr Eigenleben. Ist das nicht schizophren? Den Zustand hätte ich mir nicht zu erträumen gewagt. Doch erträumt schon, aber nicht für möglich gehalten. Überraschenderweise finde ich die Begrenzungen nicht bei meiner Frau, sondern bei mir. Doch keine so große Souveränität in Liebesdingen bei mir?

Diese Erkenntnis ist so groß, ich muss darüber schreiben. So weit erstmal.

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4 Antworten zu “Keine souveräne Freiheit

  1. Wow! Habe ich das richtig verstanden? Du hast eine Nebenbeziehung geführt, Deine Frau hat es herausgefunden, Du hast es ihr „gebeichtet“ und sie hat besonnen und vernünftig darauf reagiert? Das ist doch toll! Oder ist Dein männlicher Stolz jetzt verletzt, weil sie nicht mit Eifersucht und Drama reagiert hat und Dich exklusiv für sich haben will?

    Sie ist offensichtlich eine starke Frau mit einem gesunden Selbstwertgefühl. Nun gilt es, über Deinen Schatten zu springen! Wenn Dir etwas am Fortbestand der Ehe liegt, musst Du ihr wohl oder übel ebenfalls das „Recht“ auf eine Affäre einräumen…

    Ja – in der Realität ist das viel schwieriger umzusetzen, als man es sich in der Phantasie ausgemalt hat… Und es besteht immer das Risiko, dass sich einer der beiden Ehepartner Hals über Kopf in seine Affäre verliebt und die Ehe beenden will. Aber so ist das Leben. Die totale Sicherheit gibt es nicht – und das Ausleben der Sehnsucht hat seinen Preis.

    • Ja, Rosalie, im Grunde stimmt das alles. Mein männlicher Stolz ist nicht verletzt, nur muss ich vielmehr lernen, damit umzugehen, wie und dass sie nun „ihr Recht einfordert“. Na gut, daran muss, will und werde ich wachsen.

  2. Hallo Notos,
    irgendwie habe ich Dich bisher überlesensehen.

    Ich stehe im Prinzip vor der bewussten Entscheidung, ob ich meiner Frau „es“ erzähle oder eben (vorerst) nicht.
    Darüber, dass sie dann die gleichen Freiheiten haben muss, habe ich mir bereits Gedanken gemacht und es für mich auch selbstverständlich akzeptiert, bzw. ich gehe einfach davon aus.
    Hast Du Dir darüber keine Gedanken gemacht und bist jetzt überrascht über Dein Gefühl von Eifersucht?
    Ich glaube im Übrigen, das der Wille eine „offene Beziehung“ zu führen und das Gefühl „Eifersucht“ durchaus keine Gegensätze sein müssen und auch in einer (oder gerade) in einer offenen Beziehung besprochen werden müssen. Die Partner sollten einfühlsam darüber reden. Klar ist, dass Du aber der Auslöser dieser eigenen Gefühle bist und letztendlich lernen musst damit umzugehen.

    Liebe Grüße
    Nouniouce

  3. Pingback: Offene Beziehung, Treue, Kapitalismus, Freiheit | Nouniouce

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