Widerspruch

Dieser scheiss Widerspruch: Ich nehme mir, aber erhebe Besitzansprüche auf meine Frau. Nein, ich verbiete nicht, das nicht, aber ich spüre rege Gefühlswallungen bei der Vorstellung, Frau Notos geht eigene Wege.

Ich nehme den Zustand zur Kenntnis und bin deswegen schrecklich aufgeregt. Offene Beziehung? Pah. Was für ein Quatsch, da ich selbst diesen Anspruch nicht erfüllen kann.

Noch nicht? Ist das ein Lernprozess? Bestimmt. Alle diese panikartigen Ängste fühlen sich sehr alt an, sehr tief drin und als ein Teil von mir.

Ist Liebe immer auch Besitzanspruch und besitzen wollen? Uneingeschränkt ja. Aber auch: Ich will, das Frau Notos glücklich ist, aber ich möchte nicht unendlich dafür leiden.

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7 Antworten zu “Widerspruch

  1. Ich finde, Dein letzter Satz beschreibt genau die Basis (in) einer gesunden Beziehung.
    Und ich denke, ich würde das, was Du da der Liebe zuordnest, nicht „Besitzanspruch“ nennen. „Besitzenwollen“ beinhaltet in meinen Augen keinen Wunsch danach, glücklich zu machen, sondern hat nur das eigene Glück (den Status/das Image/…) im Sinn, quasi ohne Rücksicht. Darum finde ich auch nicht, dass Liebe und Besitzanspruch zusammengehören.

    Ich kann bei Dir auch nicht herauslesen, dass Du einen Anspruch erhebst, Deine Frau besitzen zu wollen. Eher scheint es eine Angst vor Beziehungsveränderung zu sein, die Dich im Gefühl veranlasst, Deine Frau gerade festhalten zu wollen? (Und nein, jemanden halten zu wollen ist nicht dasselbe, wie ihn besitzen zu wollen.) Ist es vielleicht so ein bisschen wir bei Kindern, die sich an die Beine ihrer Eltern hängen und sagen: „Geh nicht!“? (Machen sie damit etwa einen Besitzanspruch geltend? Oder drücken sie nicht vielmehr einfach eine Gefühlsregung aus, die ganz natürlich und letztlich normalerweise auch beruhigbar ist?) Deine „Geh nicht!“-Regung (kann man das so nennen?) basiert ja – nehm ich an – nicht darauf, dass Du Deine Frau lieber eingesperrt hättest, sondern darauf, dass der Zustand, dass sie eigene Wege geht, Dich gerade verunsichert. (Sorry, ich hab dieses Deiner Blogs bisher nur ganz sporadisch verfolgt und gerade auch nur die letzten beiden Artikel von Dir gelesen und interpretier jetzt einfach mal…) Vielleicht, weil das etwas Neues ist? Vielleicht, weil Du von hier aus nicht sehen kannst, wohin das führen wird? Ich finde das weder bedenklich noch widersprüchlich, da verunsichert zu sein und vielleicht nicht so gut gehen lassen zu können (gefühlsmäßig), wie man gerne würde. Ein stückweit gibt man ja wieder etwas aus der Hand, was man vorher vielleicht kontrollierbar fand. Selbst wenn vorher ein Austausch da war, der wohl mit einem übereinstimmenden „Versuchen wirs.“ endete, heißt das ja nicht automatisch, dass all die Gefühle oder (diffusen?) Ängste sich da sofort unterordnen.

    Ich will auf keinen Fall sagen, dass Du Deine Gefühle und Ängste nicht ernst nehmen sollst, nur weil ihr euch da vielleicht (versuchsweise?) auf eine neue Beziehungsform übereinstimmend geeinigt habt (?). Besprecht sie und vielleicht könnt ihr ja deren Ursachen finden. Wenn sie Namen haben, sind sie ja viel greifbarer und möglicherweise auch überwindbar. Das Ziel in einer Beziehung ist es ja nicht, dass sich einer für das Glück des anderen opfert, sondern dass beide einen gemeinsamen Weg für sich als Paar und sich als Individuen finden.

    Und: Sicherlich ist der Weg zur offenen Beziehung ein Lernprozess, wenn man ihn denn gehen will, wenn man ihn denn für einen möglichen Weg für diese Beziehung hält. Aber es ist nur ein guter Weg, wenn man ihn gemeinsam gehen kann.

    Liebe Grüße
    golden_delicious

    • Dein Kommentar berührt und beschreibt einen Zustand, der tatsächlich sehr präsent ist. Die Frage, was Beziehung ist, was sie bei uns ausmachte, und ausmachen soll. Das darüber offene Reden funktioniert nicht, weil sich ein jeder in eine Ecke verkriecht und taktiert, seine Spielchen spielt. Ich, mit meiner Freundin, um Frau Notos zu provozieren, Frau Notos mit ihrem Schweigen provoziert mich zum Bleiben, weil ich keine Antwort bekomme.
      Wir sind solange zusammen, in einer Art Symbiose, aus der kindlichen Traumawelt heraus fanden wir uns, halfen einander in die ERwachsenenwelt und nun knirschht es an allen Ecken und Kanten. Besitzanspruch passt hierbei nicht wirklich so gut, vielmehr schreibe ich dem Zustand den Begriff des unausweichlich Aneinanderangewiesenseins zu. Dieser Begriff macht gelegentlich sehr wütend, weil sie Eigenständig negiert. Kein Wunder, wie ich da Autonomiegelüste habe, sie aber nicht umsetze.

  2. Ah das kenn ich. Trick 1b. Der Mann nimmt sich eine Freundin, um die Frau dahingehend zu provozieren, dass sie den Schlussstrich zieht (und er das arme verlassene Opfer). Wer das macht? Männer, die Beziehungen nicht beenden können. Nur blöd, wenn die Frau das Spiel nicht mitspielt. Dann kann der Mann sogar die Lust an der Freundin bald verlieren.

    Frau dies, Frau das. Interessant, hier wird so viel über die Frau geschrieben. Oder wird hier am Ende doch nur über einen selbst geschrieben? Jedes „Frau Notos“ durch ein „ich“ ersetzen, und neue Sichtweisen und Antworten tun sich auf!

  3. Darum geht es doch auch in meinem Blog. Um das Beenden einer Beziehung und warum ich das nicht kann.
    Ob das so eine männerspezifische Frage ist, eine Beziehung nicht beenden zu können, weiss ich nicht. Mach frau nicht so klein, meine Frau ist mindestens so groß oder klein, wie ich.
    Außerdem, sie geht ihre Wege, nur ich komme nicht weiter. So what? Soll das jetzt eine dieser Arme-Frau-und-Opfer-Diskussionen werden? Ich glaube, das steht hier nicht zur Debatte.

  4. Oh, ich bin verblüfft, dass es tatsächlich genau um das hier geht (habe erst 2,3 postigs gelesen und hier kommentiert).
    … und gleich noch mehr „frau“ in deiner Antwort. Wenn schon, dann wird das eine „Armer-Mann-…“ Diskussion 😉

    Mir begegnen immer mehr Erzählungen von Bekannten, wo ein SMS oder ein Email zufällig entdeckt wurde, dass dann die Affaire aufdeckte.
    An diese Zufälle glaube ich nicht. Gelegte Fährten sind das.

    Ich bin mir soviel „beliefs“ erzogen worden, einer lautet „wenn du sagst „ich kann nicht“, dann meinst du „ich will nicht“.

    Alles Gute!

  5. Ich bin eine Wiener Frau. Viel mehr möchte ich (noch) nicht Preis geben, denn ich bin so persönliche Blogs gar nicht gewohnt. Dort wo ich sonst in der Blogosphäre unterwegs bin, geht es seichter zu. Mode, Ausflüge, Kochen, Fernsehserien. 🙂 Da zeigt man auch schon mal sein Gesicht her, weil man niemandem Munition liefert.

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