Unfrei

Samstag-Abend. Was unternehmen? Kino wäre eine gute Sache, zumal ein Wunschfilm noch ungesehen im Kino angeboten wird. „Ziemlich beste Freunde“. Frau Notos maulte, der Filmbeginn war recht spät. Egal, ich ließ ihr Zieren nicht zu.

Der Film riss mich sehr mit. Die Handlung, ungewöhnlich, zeigte zwei sehr unterschiedliche Menschen, die zueinander fanden, zwei Charaktere, die jeder für sich eine große Last zu tragen hatten, sich aber in ihrer jeweiligen Einzigartigkeit unheimlich toll ergänzten. Durch Lebensfreude, Witz und Esprit schaffen sie sich eine neue Welt und neue Einsichten. Am Ende war ich sehr gerührt. Gerührt, weil ich die Figur des Driss so toll fand, er sah über seine Mängel hinweg, arbeitete daran und ließ sich nicht unterkriegen, auch wenn durchaus erkennbar war, dass er nicht nur ein tiefenloser, oberflächlicher Dauerlächler und Bespaßer ist.

Ein Film über eine ungewöhnliche Freundschaft, die unheimlich viel Lebensmut und -freude versprühte. Ich kann mir da sicher genug abgucken. Frau Notos war dann doch recht froh, nicht auf das Sofa gegangen zu sein.

Nachher gingen wir in eine obskure Kneipe. „Unser“ Thema kam natürlich auch zur Sprache. Mir fiel mal wieder diese offenbare Leichtigkeit von Frau Notos auf, die eine gewisse Nähe zur Lebensfreude von Driss hat, den sie gern mal „in Echt“ kennenlernen möchte. Ich bin da eher dieser „schwere“ Philippe, der zwar nicht körperliche, aber doch gewisse seelische Einschränkungen hat und gewissermaßen recht bewegungsunfähig ist.

Offenbar sieht sie meine Freundschaft zu einer anderen Frau nicht als ihr Problem. Das Problem dabei bin ich, der diese Freiheit nicht annehmen kann, sondern permanent erwartet, in Form von Verlassen werden bestraft zu werden. Die Frage ist nicht, ob ich eine Gelegenheit erhielte, meine Freundin zu besuchen oder zu sehen, sondern ob ich es aushalte, dieses umzusetzen.

Wie soll ich diesen Zustand beschreiben? Dafür fehlen mir die Worte. Unfreiheit? Parallel dazu schwindet zunehmend die Lust und die Sehnsucht, meine Freundin zu sehen, weil die Treffen sehr unter dieser Schwere, unter meiner Unfähigkeit, die eigene persönliche Freiheit in Anspruch zu nehmen, leiden.

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6 Antworten zu “Unfrei

  1. Fand den Film auch klasse. Habe lange nicht mehr so gelacht im Kino und Tiefgang hat er auch.

    • Lachen, durchaus aber auch sehr tief berührt war ich. Sich diese Situation vorzustellen, mit der Philippe leben muss… Mehr als beklemmend. Ich konnte nur zu gut verstehen, wie er raus musste in der Nacht, an die Pariser Luft.

  2. Kleiner Buchtipp: Ich lassen deines bei dir, von Susanne Hühn, vielleicht kannst du etwas damit anfangen

  3. Habe den Film auch gestern gesehen und war die ganze Zeit halb am Lachen halb am Weinen ….. Wunderschön.

  4. „Gebunden“ wurde ich es nennen, nicht unfrei. Du erfährst im Moment, dass du das, was du an Liebe zu geben hast, was du geben kannst, nicht aufteilen oder portionieren kannst. Oder besser: nicht willst. Ich kann dich gut verstehen.

    Lass dir nicht einreden, dass mit dir etwas nicht stimmt, nur weil du dich für eine – für deine – Frau entscheidest.

  5. Ich rede mir das selbst ein.

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