Sprungturm

Kennt Ihr das Gefühl? Auf dem Sprungturm, das erste Mal? Auf dem Brett, ganz vorne stehend, den Blick ins Sprungbecken gerichtet? Drei Meter Luft zwischen dem Brett und der Wasseroberfläche, dazu die optischen fünf Meter Wassertiefe, insgesamt also acht Meter Tiefe, in die man schaut. Die einem so vorkommen, wie ein tiefer, unendlicher Schacht, Fall ohne Ende.

Vor sich die Angst, hinter sich die wartende und geifernde Springerschar. Was tun? Die Angst überwinden und springen oder die Angst überwinden, um die Treppe hinunterzusteigen?

Der Vergleich hinkt. Aber es beschreibt ein wenig die Unüberwindlichkeit, die mich so quält. Der Gedanke beschäftigte mich seit Tagen und Wochen. Trennen. Springen. Warum eigentlich diese Fixierung auf ein Ergebnis? Kann ich mich herausreden, abwarten, was kommt? Mich dem Gefühl hingeben, das entsteht bei den Gedanken an die vermeintlich bevorstehende Reise von Frau Notos? Ist das Mut oder Masochismus? Ich bin geneigt, es auszuprobieren.

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6 Antworten zu “Sprungturm

  1. Ja, das kenne ich. Hab mich auch lange nicht getraut zu springen, nur immer voller Sorge in den Abgrund geschaut, wo ich keinen Boden erkennen konnte.
    Dann, eines Tages war meine Schmerzgrenze erreicht, einfach so,
    da bin ich gesprungen. Ich fühle noch immer den „freien Fall“ in die Ungewissheit. Gleichzeitig mit dem Sprung bekam ich eine unglaubliche Energie und die Gewissheit: mir kann NICHTS mehr passieren, ich krieg mein leben in den Griff.
    Und genau so war es auch. Habs hinbekommen, bin sehr zufrieden und würde jederzeit wieder springen.

  2. Letztlich kannst nur du das entscheiden. Also ich das erste Mal vom Sprungbrett gesprungen bin (wirklich, nicht im übertragenen Sinne) hatte ich die Nase und die Atemwege voll Wasser und ich hab arg geprustet und geschluckt. Keine schöne Erfahrung.

  3. Lieber Notos, seit Langem bin ich stiller Leser Deines Blogs. Du hast viel gelesen, gefühlt, reflektiert und dabei über Dich und auch Frau Notos gelernt. Deine innere Unzufriedenheit hat Dich über M. zu Frau B geführt. Die Frage die Du Dir nun bewusst stellst wurde bereits bei Deiner Ehetherapie aufgeworfen. Warum habt ihr sie eigentlich nicht weitergeführt? Wäge für Dich ab womit Du Dich wahrscheinlich wohler fühlst. Gehen oder bleiben? Du weißt dass Du Deine Frau nicht ändern kannst, reicht Deine Liebe dafür?

    • Lieber better4life, die Ehetherapie endete in dem Moment, als der Therapeut in der 4. oder 5. Stunde entnervt reagierte und vorschlag, „wenn das hier alles nichts bringt, dann lassen Sie uns über eine Trennung nachdenken.“ Diese Reaktion war unangebracht, um eine Trennung ging es nicht, sondern, wie wir zum Reden kommen. Der Rat, doch mal zusammen ins Kino zu gehen, klang mir eher hausbacken, hilflos, darauf kamen wir selbst, dazu muss kein Ehetherapeut besucht werden. Mit ihm dann eine Auseinandersetzung über seinen Auftrag zu führen, das wollte ich nicht.
      Ja, reicht meine Liebe? Eine sehr gute Frage. Zuletzt nicht mehr. Mit Frau B. war es ebenfalls nicht leicht, nur auf eine andere Weise, weil wir in Auseinandersetzung mit uns waren, diese Kommunikation hatte eine andere Qualität in der Richtung eines Mitaneinanders, im Ringen um Worte, um Verständnis, nicht um das grundsätzliche Einforderung von Öffnen.

  4. Der Vergleich mit dem Sprungturm hinkt gar nicht!
    Du stehst schon oben, auf dem Turm. Dafür hast du Mühen auf dich genommen.Wer auf den Turm steigt, geht rauf um … richtig: zu springen!
    Was hier fehlt ist der richtige Coach, der dich trainiert. Wie machen es die Sporttrainer im Schwimmbad? Mit Handzeichen,Trillerpfeife oder Zuruf? Der Athlet steigt hinauf, kurzer Blickkontakt zum Coach, der einen bestätigt und dann Konzentration auf den Absprung. So geht das 🙂

    Wenn du gar nix mit der Fortführung deines Bildes anfangen kannst, stehst du vielleicht nicht am Turm?
    lg, daheim, eine vom-1-Meter-Brett-Kerze-Springerin. Vom Köpfeln keine Rede!

  5. Letztlich war ich im Sprung, hechtete zurück, als ich merkte, wie Frau Notos ebenselbst auf eine Leiter stieg, versuchte ich sie zurückzuhalten. Viel Zeit verbrachte ich damit, sie auf die Kommunikationsleiter zu bringen. Sie sollte so sein, wie ich mir eine Traumpartnerin vorstellte. Dann gab es auf, erlangte eine gewisse Autonomie, die plötzlich nichts mehr wert war, als Frau Notos anfing, über ihre Vorstellungen zu sprechen. Sie waren da, nur scheinbar würde es kein Tandemsprung mehr werden.
    Mein Mut ist erstmal dahin. So langsam dämmert es mir, ich muss loslassen. Soll sie ihren Sprung machen, die Bauchschmerzen muss ich aushalten.

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