Tagesarchiv: 28. März 2012

Schmerzhafte Offenbarung

Gestern Abend redete mich Frau Notos um Kopf und Kragen.

Wir sprachen über unser Thema, meine Affäre, ihre Wünsche und Träume, was gewesen wäre, wenn und so weiter. Eigentlich begann es mit meiner Feststellung, alles wäre nicht so gekommen, hätte sie nicht an meinem Handy herumgespielt. Sie konterte, wie ich mir das vorstelle, sie würde dann weiter als das Dummchen herumlaufen. Nein. Nun wolle auch sie leben und ausleben.

Dabei interessierte mich die Frage, ob sie denn nun mit ihrem „Freund“ geschlafen habe oder nicht. Sie druckste rum, hin und her, vor und zurück, bis sie schlussendlich zugab, ja, habe ich, zweimal sogar, an einem Abend.

Daran hatte ich ordentlich zu kauen. Mich durchliefen Schauerwellen voller Wut und Trauer, es brannte innen im Bauch, in der Brust. Sie beteuerte mir, alles sei nur ein Spaß gewesen, ohne Liebe. Bei meiner Frau bezweifelte ich das, mir kam das vorgeschoben vor, ein spaßhafter Seitensprung mag in ihren Augen vertretbar sein, aber keiner mit Gefühlen.

Auf die Aussage, sie wolle ihn gern wiedersehen, kam dann doch endlich ein entschiedenes Nein. „Wenn du das tust, dann gehe ich. Den Zustand will ich nicht aushalten. Ich ertrage es nicht.“

Den gesamten Abend und die Nacht schwoll und schwappte die Vorstellung durch meinen Kopf, was da zwischen den beiden gewesen sein könnte. Ich versuchte, es mir bildlich vorzustellen, mir gelang es nur nicht so recht. Ist das ein Trauma?

Frau Notos fand alles sehr spaßig und meinte, ich solle mich nicht so anstellen, schließlich sei ich ihr Mann, sie wolle mit mir leben und sie brauche in ihrem Alter ein bisschen Spaß, zumal ich es mir ebenfalls herausgenommen habe. Unser Sex könne davon nur profitieren.

Irgendwie verlief das alles sehr merkwürdig, ich weiss bis jetzt nicht, ob ich ihr glauben soll oder nicht. Eine erneute Frage, einfach mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten, kam eine Antwort, die besagte, wann es denn hätte sein sollen. Streitet sie es wieder ab? Aufgrund meiner Reaktion?

Meinen Zustand vermag ich nicht wirklich zu beschreiben, am ehesten passt traumatisiert und geschockt, wobei ich schon eine gewisse Vorahnung hatte. Die gesamte Unterhaltung oder die gesamte Auseinandersetzung verlief im Grunde sehr emotional, wir schrien uns nicht an, aber es die Stimmung war sehr angespannt, wir belauerten uns förmlich, ich beobachtete sie sehr genau, weil ich meine Frau selten so geöffnet erlebte. Entweder beflügelt durch eine Fantasie oder aufgeputscht durch das Beichten eines Geheimnisses.

Für mich ist es ein Unterschied, im Geheimen mit einer anderen Frau zu schlafen, als im umgekehrten Fall mit Ansage und quasi mit einer Legitimation durch mein Verhalten das Gleiche zu tun, aufgrund einer Schuld ein Zugeständnis abgerungen zu bekommen, wie Auge um Auge, Zahn um Zahn. Im Grunde fügt es immensen Schmerz zu, es verletzt und rührt Dinge auf, von denen ich heute noch nicht weiss, wohin sie führen.

Wie sollten wir uns trennen? Haus und Hof ist aus bestimmten Gründen fast unverkäuflich, zumal wir dort gerade Sanierungen durchführen wollen. Sollte ich mich oder sie sich trennen, sind wir doch beide wirtschaftlich ruiniert.

Als Alternative wäre tatsächlich eine offene Beziehung denkbar. Sie fährt zu ihrem Freund, ich zu Frau B. Das Modell, was ich anfangs als lebbar darstellte, was sich mir aber völlig überraschend doch als riesengroße, emotionale Hürde auftürmte.

Tatsächlich beruhigte mich ihre Beichte, weil ich mich in meiner Befürchtung bestätigt fühlte (oder war es eine selbsterfüllende Prophezeiung?). Schon vor Jahren bohrte in mir die Annahme, sie könne im Grunde etwas ganz anderes wollen, als sie hat. Ich mache mich ihr gegenüber klein. Zwischendurch spielte mir mein Selbstvertrauen oder besser mein mangelndes Selbstvertrauen diesen Streich.

Habe ich das Recht, mich zu beklagen? Ich betrüge meine Frau, weil ich denke, es ist eh aus bzw. nach so vielen Jahren bleiben Dinge auf der Strecke, die ich woanders nur leben kann und nun präsentiert mir meine Frau die Quittung und ich bin schockiert. Erschrocken bin ich zudem über meine scheinbar sehr restriktiv und vorsichtig ageierenden Schutzmechanismen. Selbst wenn alles von ihr nur inszeniert war, ich hätte doch sofort aufstehen müssen und gehen. Was tat ich? Ich blieb sitzen und redete weiter.

„Du wolltest doch immer eine lebendigere Beziehung. Jetzt hast du sie.“

Na klar bin ich eifersüchtig, rachgierig, will mich schützen. Mir kommt in den Sinn zu sagen, dann treffe ich Frau B. wieder. Sie zurück: „mach doch, habe ich dir ja nicht verboten.“ Ich äußere halbherzige Bedenken. Unverhofft kommen von ihr doch Bedenken, Frau B. zu sehen. Ich widerspreche und behaupte, sie stimme nur zu, weil sie selbst daraus eine Legitimation zieht, ihren Freund wiederzusehen. In der Nacht dann das Dementi. Keine Ahnung, was richtig ist, alles ist durcheinander. Heillos.

Sie will dies, ich erwarte das, keiner scheint dem anderen das zu geben, was er braucht, wenn das überhaupt richtig ausgedrückt ist. Nichts läuft leicht, alles verquer. Wären wir nicht über alle Maßen ver-heiratet, dann zögen wir doch einen Schlussstrich. Warum ist das alles so verdammt schwer? Oder wir bleiben verheiratet, jeder lässt den anderen ziehen und tun und machen, was er will? Warum ist alles so verdammt schwer? Diese Besitzansprüche, diese Angst, diese belastenden Bewertungen.

Eigentlich will ich keine Schwere, sondern Leichtigkeit, nur nehmen kann ich sie mir nicht, weil ich befürchte, sie steht mir nicht zu. Nun zwingt mich das Schicksal, zu lernen. Ginge ich zu Frau B. und wüsste, Frau Notos führe zu einem anderen, was ginge bei mir ab? Ich weiss ganz sicher, ich würde nicht zu Hause leiden und auf die Rückkehr von Frau Notos  warten. Die Schwere allein zu Haus hielte ich nicht aus. Nur, ob Frau B. das Spiel mitspielt, bliebe noch abzuwarten.

Gewiss bin ich mir nur, all das ganze Theater wird mich Frau Notos nicht näher bringen. Oder doch? Immerhin sprachen wir nie so offen über unsere Wünsche und Hoffnungen, wie in der letzten Zeit. Nur leider verlaufen die Auseinandersetzungen nicht harmonisch. Aber müssen sie harmonisch verlaufen? Was ist, wenn tatsächlich ein anderer Mann mit meiner Frau geschlafen hat, von dem sie sagt, ich solle ihn mal kennenlernen, dann wüsste ich, dass er sie mir nicht wegnehmen wolle.

Alles in allem Gründe genug, damit es mir richtig Scheisse gehen müsste. Tut es aber nicht. Warum? Ich sehe das Glas immer noch eher halbvoll, als halbleer. Optimistischer und lebendiger war es selten, wenn auch oft sehr schmerzhaft.

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