Monatsarchiv: April 2012

Der Irrtum der offenen Beziehung

Noch vor drei Monaten war die Vorstellung verlockend: eine offene Beziehung könnte alle Probleme lösen. Frau Notos macht ihr Ding, ich mache mein Ding, gemeinsam machen wir unser Ding, keine Trennung, kein Schmerz, nur, weil ein anderer Mensch jeweils für uns auch gewisse Reize hat. Weil kein Mensch jemals alles hat, um sich ganz zu fühlen.

Trennen ist altmodisch, wir machen einen auf modern. Nein, warum sollten wir uns trennen, wir überzeugt, das bringt nichts, weil nach einer gewissen Zeit wieder Grenzen erreicht werden, warum deshalb alles einreissen, damit scheitern. Die Krise als Chance sehen, Grenzen aufweichen, neue Eindrücke sammeln, mit einbringen, etwas Neues schaffen, das dem Alten eine neue Qualität gibt.

Frau Notos schien dem Ganzen gegenüber nicht abgeneigt, wir kokettierten viel damit. Mein Konzept übernahm sie, ich knickte ein, weil ich dafür zu schwach bin.

Wie schön und einfach hätte alles sein können, sie fährt die Tage weg, ich treffe mich mit Frau B., alle haben etwas davon und vorallem eine gute Zeit.

So ganz so einfach wurde es nicht. So ganz so offen ist auch meine Frau nicht. Sie machte sich schon Gedanken ob Frau B. Ich traf sie nicht, dass sei mal am Rande verraten. Ganz allein schon aus dem Grunde, weil ich vor mir gänzlich das Gesicht verlieren wollte und als Weichei dastehen. Die Frau verreist und der dreiste Herr vergnügt sich zum Trost mit „der anderen.“ Nein, keinesfalls. Und das war auch gut so.

Aber wie gesagt, offene Beziehung geht bei mir nicht. Die intimen Fantasien gehen über meine Belastungsgrenze, verletzen mich. Sowohl die sexuellen Gedanken, als auch das, was Kommunikation ist. Meine Frau und ich, wir sind einander verbunden, aber da ist soviel Luft und damit soviel Raum für schmerzende Fantasien, der Raum könnte durch einen anderen Menschen gefüllt werden und nicht durch einen selbst. Der Gedanke entwertet total. Das macht den Schmerz aus.

Da sind bei mir scheinbar noch zu viele Traumata, die berührt werden. So frei bin ich nicht. Überhaupt, Freiheit, ertrage ich so viel Freiheit?

Eine offene Beziehung widerspricht der menschlichen Natur, weil jeder Mensch nach Sicherheit und Liebe und Anerkennung strebt. Eine offene Beziehung ist das Gegenteil. Eine offene Beziehung ist das größte Maß an Unsicherheit, dass ich mir vorstellen kann, weil meine Exklusivitätswünsche in Frage gestellt werden, automatisch die Sorge vor Vergleichen angestellt werden. Offene Beziehung funktionieren nur bei Menschen, die so stabil und voller Selbstvertrauen sind, die sich von außen nie in ihrem Selbstverständnis verletzen lassen würde, dass ich denke, sind diese Menschen überhaupt beziehungsfähig.

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Gefühlschaos

Das verdammte Wochenende liegt endlich hinter mir.

Mir kam es vor, wie eine Mutprobe, wie ein Test, eingeschlossen in einer Folterkammer der Gefühle. Fakt war, Frau Notos besuchte einen Mann mit dem sie Sex hatte. Ich betrog sie vorher zweimal. Die Beweggründe sind bekannt, sollen nicht als ihre Entschuldigung, sondern als Erklärung dienen.

Sie beschwor mich, ihr zu glauben, dass da nichts sei. Sie habe Leute kennengelernt, auch in der WG, in der er derzeit lebt. Sie brauchte Abstand, wollte dorthin, mal eine andere Lebensweise kennenlernen, mehr nicht. Einfach nur Urlaub machen. Warum sie nicht woanders hingefahren ist, vielleicht wollte sie tatsächlich einfach nur zu Leuten, die sie kennt. Ich glaubte ihr. Der totale Einbruch kam, als ich zufällig erfuhr, dass sie schon mit dem Mann geschlafen hat. Sie fuhr deswegen dorthin, belog mich. Nun sollte ich ihr die Redlichkeit ihrer Reise abnehmen? Mir fiel es schwer, aber ich will nicht intolerant, altmodisch und tyrannisch dastehen. Einsperren wollte ich sie nicht, um Himmels willen, was für eine Vorstellung. Leichter fiel es mir dennoch nicht, sie fahren zu lassen. Des Besitzanspruchdenkens wollte ich mich nun bezichten lassen.

Trotzdem versuchte ich, sie von der Reise abzubringen. Sie drohte mir, wurde böse, panisch. Was sollte ich anderes daraus schließen, als dass er ihr etwas bedeutet.

Mit zunehmender Dauer des Alleinseins verpuffte die Wirkung der Beschwichtigung am Wochenende, meine Fantasie setzte ein, ich hinterfragte Aussagen, setzte alles neu zusammen. Mir erschien alles unlogisch, unglaubwürdig. Meine Bilder, meine Logik setzte sich durch und peinigte mich zusehends. Nicht nur eindeutige Bilder, sondern auch Verrat und bewusstes Hintergangen werden, dem Ausgeliefertsein, Erpresstsein quälten mich auf grausame Weise. Ich war nicht in der Lage, mich dem zu entziehen. Nirgendwo war ich sicher, tagsüber ging es, aber abends wurde die Situation unerträglich.

Gestern rief sie mich an und erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich wurde wieder ruhiger.

Mich sorgt, wie ich selbst nicht in der Lage war, mir zu helfen, wie ich scheinbar von dieser Frau abhängig bin. Sie muss doch verreisen können, ohne dass ich vor Eifersucht einen Zusammenbruch bekomme und nicht mehr Herr meiner Gefühle bin.

Natürlich ist der Anlass und das Ziel der Reise sehr ungewöhnlich, mehr noch, das ist rücksichtslos und berechnend. Trotzdem, sie könnte sich von mir trennen und sagen, sie liebt einen anderen. Da kann ich nichts machen. Schluss. Ende. Finito. Will ich dann sterben vor Liebeskummer und Trennungsschmerz?

Unsere Beziehung, unsere Ehe war für mich immer eine Selbstverständlichkeit. Sie war da. Nun ist sie nicht mehr automatisch da. Macht ihr eigenes Ding, lernt Leute kennen, lebt Dinge, die ich mir wünschte, mich aber nicht traute, oder wenn, dann nur als Geheimnis. Ich bin eifersüchtig auf diesen anderen Mann, aber auch auf ihre neue Unabhängigkeit.

Was, verdammt, ist das Ganze? Ich betrüge meine Frau, komme dann mit ihrer Reaktion nicht klar, erwarte noch Verständnis. Ist das mangelndes Vertrauen zu ihr oder doch zu mir? Sollten wir uns trennen, weil ich sie vermeintlich liebe, aber nicht mit ihr leben kann und zwischendrin Affäre brauche?

Wenn dieses Wochenende zu irgendetwas Nütze war, dann, dass ich mich kennenlernte, wie nie zuvor. Vor allem sah ich meine Bedürftigkeit. Ich kann nicht allein leben, ich kann zwar mit mir allein sein, aber ich will nicht allein leben. Aber wie soll das mit einer Partnerin funktionieren, die zwar eine Traumfrau ist, aber der ich nicht traue? Oder traue ich mir selbst nicht (Selbstvertrauen)? Ich habe das noch nicht entwirrt. Gefühlschaos eben.

Von Panik zu Wut

Meine Nacht war verdammt kurz, das Aufwachen heute Morgen wie ein harter Aufschlag. Müdigkeit und Anstrengung mischten sich und bewirkten ein noch intensiveres Gefühl, als gestern. Nicht nur Bauchgrummeln, sondern so:  Meine Beine sind weich, zittern, Bauchziehen, erhöhter Herzschlag, permanentes Grübeln, quälende Gedanken und Bilder, unablässig oder schwallartig. Panikgefühl. Ohnmacht. Wie Lebensgefahr. Liebesschmerz. Drang, etwas tun müssen, aber nicht können und wissen, was. Kann mich nicht abfinden mit dem Gedanken, die Beziehung könne zu Ende sein. Will es nicht wahrhaben. Ausgeliefertsein, Verzweiflung. Erpresst werden. Täte einem dies ein fremder Mensch an, würde ich über eine Anzeige wegen Körperverletzung nachdenken.

Ich war den ganzen nicht in der Lage, mich wieder einzukriegen. An einen derart hilflosen Zustand kann ich mich nicht erinnern, so mies drauf war ich noch nie, selbst in der letzten Woche nicht. Und da dachte ich, das sei der Tiefpunkt. Die Grenze zum Aufgeben (was auch immer das sein könnte) war irgendwie nah. Eine richtige Grenzerfahrung tat sich auf.

Ich erledigte meine Aufgaben, schließlich sind die Kinder auch noch da. Einkaufen, Putzen, Aufräumen. Das Kochen übernahmen die Kinder. Dann rief Frau Notos nachmittags an. Sie beruhigte mich, ich wurde ruhiger. Mein Zustand stabilisierte sich wieder, ein Bekannter besuchte mich, erzählte mir etwas ebenfalls Problematisches von sich, ich schwieg zu meiner Situation. Nach seinem Abschied ging es mir besser, ich mähte den Rasen, konnte klare Gedanken fassen und spürte, wie sich meine Einstellung änderte und ich endlich Wut und Ärger hochkommen sah. Endlich war ich weg von Selbstvorwürfen und Leiden. Ich fühle mich wieder im Leben.

Warum tut sie das? Ist das Rache, Verzweiflung oder Berechnung? Mich in Sicherheit wiegen, beruhigen, aber dennoch ein doppeltes Spiel spielen, trotz meiner Zweifel nicht ehrlich sein, das ist schlimmer, als Betrug im Verborgenen. Dies ist Vorsatz aus niederträchtigen Gründen. Berechnung und das Ausnutzen einer Schuld.

Trennen, ein sehr naheliegender Gedanke. Nur weg und ausziehen löst die Probleme nicht, weil ich immer noch so verstrickt bin mit ihr, und ihr so viel nachsehe und verzeihe. Eine Trennung würde mich noch mehr leiden lassen. In vielen Belangen, nicht nur materiell, sondern auch emotional. Ich bin noch nicht so weit. Eine kurzfristige Lösung wäre, ein Zimmer zu nehmen. Meine Frau ist emotional einfach nicht in der Lage, mich nachzuvollziehen, ihr fehlt die Empathie, nutzt meine Liebe oder was auch immer das ist, aus. Kein Wunder, dass sie sich trotz der Beziehung zu Frau B. bei mir sicher und geborgen fühlt, sich nicht trennen will.

Ich bin leidensfähig, halte die Situation aber dennoch nicht aus. Trotzdem tue ich nichts, weil ich noch immer ans Happy End glaube.

Diesen schrecklichen Tag, der jedoch sehr lehrreich war, habe ich überstanden. Nun kommt die Nacht. Ich werde Tanzen gehen. Allein. Das muss ich mir heute noch geben und gönnen. In der Stadt ist eine Ü30-Party in so einem Laden, in dem mir die Musik und die Leute gefallen.

Danach sehne ich mich nach Schlaf ohne Geister.

Uralte Ängste

Die letzten zwei Wochen überfluteten mich die Gefühle. Die Wahrnehmung derselben erfolgte im Bauch, in den Beinen, ganz tief drinnen. Klar geht es um meine Frau, was sie gerade tut. Aber warum trifft es mich so sehr, warum kommt da soviel hoch? Mich verwirrt die Intensität. Muss ich nicht autonomer sein? Denken hilft nicht, die Angst ist da, nicht nur vor Verlassenwerden, auch vor Bestraftwerden, Hintergangenwerden, Verratenwerden, allein gelassen werden. Kommen da Traumata aus der Kindheit hoch? Sie sind da, diese Geister. Sie dürfen da sein, ich will nicht sie nicht betäuben.

Sie ist weg

Heute Morgen ist sie gefahren.

Sie versicherte mir sehr glaubhaft, ich müsse mir keine Sorgen machen. Ich glaube ihr, habe trotzdem Angst und bin eifersüchtig. Mir brennt ein Feuer in der Brust. Frau Notos versteht meine Sorge aus meiner Sicht, ich müsse mir aber keine Gedanken machen.

Mir fällt es entsetzlich schwer, loszulassen, sie ihren Spaß haben zu lassen. Weil da eben schon was war, auch wenn es „nur“ aus Rache oder Panik war. Wir sprachen nun soviel über das Thema, dass es eigentlich für mich (im Kopf) okay ist, dass sie fährt. Festbinden kann und will ich sie nicht. Die Grenzezwischen ihr und mir ist die schmerzende Naht.

Ich bin einfach keinen guten Weg gegangen, mir war klar, irgendwann zahle ich dafür. Richtig wäre es gewesen, von Anfang klare Verhältnisse zu schaffen, meine Frau zu verlassen, um nicht mit Frau B. auch immer diese schlechten Gefühl zu haben.

Die Zeit über versuchte ich, es mir, den beiden Frauen recht zu machen. Dieses Unentschieden zerrte und zehrte. Dann kam die Offenbarung, ich verlor die Dinge aus der Hand, das, was ich nie wollte, trat ein. Nun muss ich wieder handlungsautonom werden.

Ich gehe durch die Angst. Spüre da drin nicht nur Verlustangst, sondern auch ein anderes Gefühl. Je länger ich es laufen lasse, desto deutlicher wird, ich habe eine Bedürftigkeit. Füllt meine Frau ein emotionales Loch? Ich will das nicht so negativ darstellen, jeder braucht einen Menschen, der dies Loch füllt. Bei Notos kommt es mir so vor, als ob sie das nicht nötig hat. Sie wirkt, als brauche sie niemanden, oder will sie niemaden brauchen?

Unabhängig davon, dass es wohl für keine Menschen eine tolle Vorstellung ist, den Partner in den Armen und beim Sex mit einem/einer anderen zu wissen, ist das nicht Liebe, sondern festhalten, Besitzanspruch. Die Angst, durch den Verlust des anderen zu „sterben“, die Nachhaltigkeit und Kraft des Gefühls geht sehr tief, ist langanhaltend und sehr schmerzhaft.

Ich will es nicht negativ beschreiben und sagen, dies ist der Preis, den ich zahle, obwohl es so ist, ich muss es nur umdrehen in der Wertung und deuten, die Erkenntnis kann auch positiv sein. Ich spüre mich.

Wo hat das Gefühl Grenzen? Wann funktioniert all das nicht mehr? Würde ich erfahren, da ist doch mehr, trotz aller Beteuerungen und Beruhigungen, dann ist definitiv für mich Schluss. Ich bin zwar damit angefangen, meine Frau hat nachgezogen, aber ab nun beginnt die Zeit neu. Ein Dauerleiden will ich nicht.

Die Fassung verliere ich immer wieder, wenn ich die Sache extern betrachte. Mein Bild, die Umgehensweise, die ich mit meiner Frau besprach bricht komplett, ich gerate förmlich in Panik, verliere fast die Fassung. Was würden andere sagen, schilderte ich Ihnen den Fall? Der Blödmann lässt seine Frau zu einem anderen, der sie schon mal gevögelt hat. Was für ein Weichei.

Dann muss ich wieder reden. Frau Notos erklärt mir, das ich diese Sache vergessen soll. Sie fährt dorthin, nicht wegen des Mannes, sondern wegen der Leute, die sie dort kennenlernte und einfach, weil sie ein paar Tage raus will. Dann geht es wieder. Bis mir dann wieder alles wegbricht.

Deswegen wollte ich schon weg, sie rauswerfen, völlig verzweifelt und in Panik. Ja, und dann kommt wieder, du hast es ihr auch zugemutet, meine Verzweifelung, meine Angst verschwindet nicht. Ein immerwährendes Hamsterrad, diese Tag.

Aber ich will nichts zerschlagen, weil ich für mich verstehen will, was da für Kräfte am Werk sind, mich besser kennenlernen, die Angst sehen, fühlen. Anders werde ich da nicht rauskommen.

Meine Hoffnung ist, wenn wir das geschafft haben, ist etwas Neues zwischen uns entstanden, eine neue Basis, die vorher nicht mehr da war. Diese Chance gebe ich nicht auf. Ich weiss nun, dass ich meine Frau noch immer Liebe, trotz all dieser Verwerfungen und Krisen. Alles hatte irgendwie seinen Sinn. Ohne diese Sicht und Hoffnung könnte ich es nicht überstehen. Weil ich Hoffnung habe, übersteigt eine Trennung wohl auch mein Vorstellungsvermögen.

Wenn alle Stricke reissen, habe ich jemanden, mit dem ich reden kann. Danke. Meine Gruppe hilft mir noch nicht viel, es sollte anders sein, könnte man annehmen, aber dort kommt oft nur der Rat, die einfache Lösung vorzuschlagen. „Nun trenn dich doch endlich.“ Nein. Will ich nicht. „Herr Notos ist noch nicht so weit.“ Kommt dann von der Gruppenleiterin. Nein, ich bin nicht so weit. Das ist auch eine Entscheidung. Also kann ich doch entscheiden.

Vorwärts – rückwärts

Erst gehe ich mit Meilenstiefeln Längen voraus, überhole mich selbst, tue Dinge, die ich nicht für möglich gehalten habe, von denen ich heute nicht weiss, ob ich mir beweisen wollte, es zu schaffen, dann kommt die Realität und zeigt mir eindringlich, wo ich genau stehe, nämlich überhaupt nicht so weit.

Viel weiter zurück, lange nicht so progressiv, aggressiv und scheinbar fortschrittlich. Meine Gefühle blieben zurück, holten mich wieder ein, als alle Wahrheit ans Licht kam.

Natürlich hätte ich weitergehen können, aber ich entschied mich, es nicht zu tun. Meine Gründe waren reinweg meine Gefühle.

Dabei kam mir ein sehr unangenehmer Gedanke in den Kopf, die Abhängigkeit von Frau Notos, die auch Sicherheit ist. Hat die Beziehung etwas Mutter/Sohnhaftes? Will ich Sicherheit und Abenteuer tauschen? Mein Bauch sagte, bleib, der Kopf denkt anders. Wie auch immer, ich kann nicht gegen meine Gefühle an. Ich konnte sie nicht früher fragen, weil ich nicht die Wahl hatte. So ist es doch kein Schritt zurück, sondern ein Stück Erkenntnis.

Die Reise

Frau Notos unternimmt morgen eine Reise für ein paar Tage. Sie wird dort auch diesen Mann besuchen. Sie sagt, er sei ein Freund, nicht mehr. Was war, dass sie mit ihm geschlafen habe, hat nichts zu bedeuten. Dort gibt es Menschen, die sie kennen gelernt hat und wieder treffen möchte.

Wir redeten viel, ich fragte noch mehr, ich will es glauben, sie nicht kontrollieren und zwingen, hier zu bleiben, was sowieso nicht ginge. Ich merke, wie mich damit überfordere, ich spüre meine Angst. Ganz tief peinigt mich ein tiefer Schmerz, der mich nachts wach da liegen lässt.

Ich will ihr glauben, aber meine Angst sagt mir doch etwas? Irgendwie ist es Erpressung. Dennoch, wenn sie mir erzählt, glaube ich. Bin ich eine Zeitlang mit meiner Fantasie und meinen Gedanken allein, beginne ich wieder richtig Abgrund zu rutschen.

Ich bin eifersüchtig, meine männliche Ehre ist gekränkt, all die abgründigen, aber nachvollziehbaren Elemente der Psyche tauchen auf. Verlustangst, Wut und und und…

Nixzen sagte mal, ich müsse mich von äußeren Einflüssen freier machen. Stimmt, ich kann doch nicht diese Angst und diese Panik haben? Doch, ich kann sie haben, nur sie darf mich nicht beherrschen. Verdammt, es ist so schwer.

Natürlich könnte ich Frau Notos verlassen, aber was würde es ändern? Ich liebe sie. Sie liebt mich, aber sie benötigt Veränderung. Meine Hoffnung ist, an dieser Krise zu wachsen. Den Schmerz nimmt mir diese Hoffnung nicht.

Offene Beziehung und Affäre, ich habe gelernt, dass ich damit überfordert bin, damit eigentlich nicht umgehen kann. Gleichberechtigung hin oder her, auf dem Papier liest es sich gut. Meine Frau zu teilen, obwohl sie das nach eigenem Bekunden nicht will, kann ich nicht, will ich nicht.

Ich will flüchten, strafen, verstehen, tolerant sein, nicht tolerant sein, … ich bin zerrissen und fühle mich wie ein kleines Kind. Irgendwie verlassen und hilflos.