Von Panik zu Wut

Meine Nacht war verdammt kurz, das Aufwachen heute Morgen wie ein harter Aufschlag. Müdigkeit und Anstrengung mischten sich und bewirkten ein noch intensiveres Gefühl, als gestern. Nicht nur Bauchgrummeln, sondern so:  Meine Beine sind weich, zittern, Bauchziehen, erhöhter Herzschlag, permanentes Grübeln, quälende Gedanken und Bilder, unablässig oder schwallartig. Panikgefühl. Ohnmacht. Wie Lebensgefahr. Liebesschmerz. Drang, etwas tun müssen, aber nicht können und wissen, was. Kann mich nicht abfinden mit dem Gedanken, die Beziehung könne zu Ende sein. Will es nicht wahrhaben. Ausgeliefertsein, Verzweiflung. Erpresst werden. Täte einem dies ein fremder Mensch an, würde ich über eine Anzeige wegen Körperverletzung nachdenken.

Ich war den ganzen nicht in der Lage, mich wieder einzukriegen. An einen derart hilflosen Zustand kann ich mich nicht erinnern, so mies drauf war ich noch nie, selbst in der letzten Woche nicht. Und da dachte ich, das sei der Tiefpunkt. Die Grenze zum Aufgeben (was auch immer das sein könnte) war irgendwie nah. Eine richtige Grenzerfahrung tat sich auf.

Ich erledigte meine Aufgaben, schließlich sind die Kinder auch noch da. Einkaufen, Putzen, Aufräumen. Das Kochen übernahmen die Kinder. Dann rief Frau Notos nachmittags an. Sie beruhigte mich, ich wurde ruhiger. Mein Zustand stabilisierte sich wieder, ein Bekannter besuchte mich, erzählte mir etwas ebenfalls Problematisches von sich, ich schwieg zu meiner Situation. Nach seinem Abschied ging es mir besser, ich mähte den Rasen, konnte klare Gedanken fassen und spürte, wie sich meine Einstellung änderte und ich endlich Wut und Ärger hochkommen sah. Endlich war ich weg von Selbstvorwürfen und Leiden. Ich fühle mich wieder im Leben.

Warum tut sie das? Ist das Rache, Verzweiflung oder Berechnung? Mich in Sicherheit wiegen, beruhigen, aber dennoch ein doppeltes Spiel spielen, trotz meiner Zweifel nicht ehrlich sein, das ist schlimmer, als Betrug im Verborgenen. Dies ist Vorsatz aus niederträchtigen Gründen. Berechnung und das Ausnutzen einer Schuld.

Trennen, ein sehr naheliegender Gedanke. Nur weg und ausziehen löst die Probleme nicht, weil ich immer noch so verstrickt bin mit ihr, und ihr so viel nachsehe und verzeihe. Eine Trennung würde mich noch mehr leiden lassen. In vielen Belangen, nicht nur materiell, sondern auch emotional. Ich bin noch nicht so weit. Eine kurzfristige Lösung wäre, ein Zimmer zu nehmen. Meine Frau ist emotional einfach nicht in der Lage, mich nachzuvollziehen, ihr fehlt die Empathie, nutzt meine Liebe oder was auch immer das ist, aus. Kein Wunder, dass sie sich trotz der Beziehung zu Frau B. bei mir sicher und geborgen fühlt, sich nicht trennen will.

Ich bin leidensfähig, halte die Situation aber dennoch nicht aus. Trotzdem tue ich nichts, weil ich noch immer ans Happy End glaube.

Diesen schrecklichen Tag, der jedoch sehr lehrreich war, habe ich überstanden. Nun kommt die Nacht. Ich werde Tanzen gehen. Allein. Das muss ich mir heute noch geben und gönnen. In der Stadt ist eine Ü30-Party in so einem Laden, in dem mir die Musik und die Leute gefallen.

Danach sehne ich mich nach Schlaf ohne Geister.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s