Gefühlschaos

Das verdammte Wochenende liegt endlich hinter mir.

Mir kam es vor, wie eine Mutprobe, wie ein Test, eingeschlossen in einer Folterkammer der Gefühle. Fakt war, Frau Notos besuchte einen Mann mit dem sie Sex hatte. Ich betrog sie vorher zweimal. Die Beweggründe sind bekannt, sollen nicht als ihre Entschuldigung, sondern als Erklärung dienen.

Sie beschwor mich, ihr zu glauben, dass da nichts sei. Sie habe Leute kennengelernt, auch in der WG, in der er derzeit lebt. Sie brauchte Abstand, wollte dorthin, mal eine andere Lebensweise kennenlernen, mehr nicht. Einfach nur Urlaub machen. Warum sie nicht woanders hingefahren ist, vielleicht wollte sie tatsächlich einfach nur zu Leuten, die sie kennt. Ich glaubte ihr. Der totale Einbruch kam, als ich zufällig erfuhr, dass sie schon mit dem Mann geschlafen hat. Sie fuhr deswegen dorthin, belog mich. Nun sollte ich ihr die Redlichkeit ihrer Reise abnehmen? Mir fiel es schwer, aber ich will nicht intolerant, altmodisch und tyrannisch dastehen. Einsperren wollte ich sie nicht, um Himmels willen, was für eine Vorstellung. Leichter fiel es mir dennoch nicht, sie fahren zu lassen. Des Besitzanspruchdenkens wollte ich mich nun bezichten lassen.

Trotzdem versuchte ich, sie von der Reise abzubringen. Sie drohte mir, wurde böse, panisch. Was sollte ich anderes daraus schließen, als dass er ihr etwas bedeutet.

Mit zunehmender Dauer des Alleinseins verpuffte die Wirkung der Beschwichtigung am Wochenende, meine Fantasie setzte ein, ich hinterfragte Aussagen, setzte alles neu zusammen. Mir erschien alles unlogisch, unglaubwürdig. Meine Bilder, meine Logik setzte sich durch und peinigte mich zusehends. Nicht nur eindeutige Bilder, sondern auch Verrat und bewusstes Hintergangen werden, dem Ausgeliefertsein, Erpresstsein quälten mich auf grausame Weise. Ich war nicht in der Lage, mich dem zu entziehen. Nirgendwo war ich sicher, tagsüber ging es, aber abends wurde die Situation unerträglich.

Gestern rief sie mich an und erkundigte sich nach meinem Befinden. Ich wurde wieder ruhiger.

Mich sorgt, wie ich selbst nicht in der Lage war, mir zu helfen, wie ich scheinbar von dieser Frau abhängig bin. Sie muss doch verreisen können, ohne dass ich vor Eifersucht einen Zusammenbruch bekomme und nicht mehr Herr meiner Gefühle bin.

Natürlich ist der Anlass und das Ziel der Reise sehr ungewöhnlich, mehr noch, das ist rücksichtslos und berechnend. Trotzdem, sie könnte sich von mir trennen und sagen, sie liebt einen anderen. Da kann ich nichts machen. Schluss. Ende. Finito. Will ich dann sterben vor Liebeskummer und Trennungsschmerz?

Unsere Beziehung, unsere Ehe war für mich immer eine Selbstverständlichkeit. Sie war da. Nun ist sie nicht mehr automatisch da. Macht ihr eigenes Ding, lernt Leute kennen, lebt Dinge, die ich mir wünschte, mich aber nicht traute, oder wenn, dann nur als Geheimnis. Ich bin eifersüchtig auf diesen anderen Mann, aber auch auf ihre neue Unabhängigkeit.

Was, verdammt, ist das Ganze? Ich betrüge meine Frau, komme dann mit ihrer Reaktion nicht klar, erwarte noch Verständnis. Ist das mangelndes Vertrauen zu ihr oder doch zu mir? Sollten wir uns trennen, weil ich sie vermeintlich liebe, aber nicht mit ihr leben kann und zwischendrin Affäre brauche?

Wenn dieses Wochenende zu irgendetwas Nütze war, dann, dass ich mich kennenlernte, wie nie zuvor. Vor allem sah ich meine Bedürftigkeit. Ich kann nicht allein leben, ich kann zwar mit mir allein sein, aber ich will nicht allein leben. Aber wie soll das mit einer Partnerin funktionieren, die zwar eine Traumfrau ist, aber der ich nicht traue? Oder traue ich mir selbst nicht (Selbstvertrauen)? Ich habe das noch nicht entwirrt. Gefühlschaos eben.

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2 Antworten zu “Gefühlschaos

  1. Lieber Notos

    In meinem letzten Post habe ich darüber geschrieben, wie schwer ich mich mit Veränderungen tue.

    Ist es nicht einfach normal, dass Du mit Panik darauf reagierst, dass Dein Alltagsleben gerade aus den Fugen gerät und eine grundlegende Veränderung Deiner Lebensumstände droht?

    Du hast (so vermute ich mal) Dein halbes Leben mit Deiner Frau in der trauten Umgebung verbracht. Kein Wunder, dass Dich der Gedanke an ein mögliches Ende dieses Lebensabschnitts in den Grundfesten erschüttert.

    Ich finde es sehr mutig von Dir, dass Du hier so offen über Deine Gefühle und Ängste schreibst.

    Herzliche Grüsse,
    Rosalie

  2. Lieber Notos,

    als ich gerade Deinen Beitrag so lese, da denke ich mir:
    man kann vom Anderen nur so schlecht denken, wie man selber ist!

    Das meine ich nun nicht als Angriff auf Dich und ich will dDich nicht verurteilen.
    Es ist so, dass Du Frau N. betrogen hast, mit allem drum und dran. dieser Betrug hat sich , so denke ich, wie ein Eitergeschwür ion deiner Seele eingenistet und schmerzt.
    Frau N. hat dir doch versichert, dass sie nicht mit dem mann Sex haben möchte und dennoch kannst du ihr irgendwie nicht glauben.

    Mir scheint, das Problem ist nicht die Vertrauenswürdigkeit Deiner (Traum)Frau, sondern Deine eigene. Du mißtraust dir, somit auch Deiner Frau, weil man irgendwie immer davon ausgeht, so wie man selber ist, so sind auch die anderen.

    „Ich kann nicht alleine leben“ … frage dich, warum Du das von Dir denkst,
    was sind Deine Befürchtungen, was wird geschehen, wenn Du alleine lebst?

    Manchmal muß man eine Zeit ganz alleine leben, sich selber reduzieren auf ein Mindestmaß, zu sich ganz tief im Inneren zurückfinden,
    dann hat man auch eine gute Chance mit einem anderen menschen zusammenzuleben.
    Ich halte es nicht für gesund, seine eigenen Bedürftigkleit auf einen Partner zu projizieren.

    Lerne Dir, deiner eigenen Wahrnehmung, Deinen eigenen Wünschen und Sehnsüchten zu vertrauen.

    Was die „Traumfrau“ betrifft, so solltest Du schauen, was vom Traum der Realität standhält udn was wirklich nur Traum ist.

    alles Liebe
    SK

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