Phasen der Seelischen Gezeiten

Meine Tage verlaufen in einem Gezeitenwechsel meiner seelischen Zustände.

Sie gleichen einem Auf und Ab. Je nachdem, ob ich mich innerlich stark oder neudeutsch: bei mir fühle, verläuft der Zustand recht zufrieden.

Es geht auch anders, turbulenter. In schwächeren Momenten oder oft dann, wenn Frau Notos zugegen ist, verfalle ich in eine bedürftiger Trübsal, aus der ich mich kaum
Erretten kann, sondern anfange, an Frau Notos zu zerren. Sie soll erzählen, was sie denkt, was sie fühlt, was mit diesem Mann ist und war. Wie sie überhaupt dazu kam, mich auf meiner Fahrkarte zu betrügen. Ohne diese hätte sie es nie getan, auch wenn sie dies bereits ein wenig einschränkte.

„Meine Frau“ darf mir doch so etwas nicht antun. Nicht sie. Ich ihr, aber nicht sie mir.

Mit anderen Augen belesen, ein schlimme und erbärmliche Aussage. Nur, diese Worte sind von mir. Doppelt schuldig und mich selbst bezichtigen , einerseits, andererseits die Wahrheit. Es muss ausgesprochen werden. Worte, die später nachgelesen werden wollen, Geständnisse meiner Seele.

Gedanken, die offen ausgesprochen, aber derentwegen ich dankbar sein muss, wegen der Offenheit, aber auch wegen meiner Verletzlichkeit, sie will anerkennt und angenommen werden.

Diese entsetzliche Hinterherkriecherei muss ein Ende haben. Kündigt sich ein neues Wellental an, gilt es meiner eigenen Fürsorge, mich zu schützen.

Die Rettung meiner Seele darf ich nicht nach außen tragen. Aber die Verlockung ist so gross, ich tat es so oft und so lange. Unbewusst. Dem gilt es, zu entwachsen.

Warum sehen Männer in ihren Frauen ihre Mütter, warum haben sie/ich Angst vor dem Verlassenwerden? Warum behandeln sie sie ein Stück weit wie ihr Eigentum? Ist schon klar, die Grundlagen werden in der Kindheit gelegt. Aber die ist vorbei. Was soll ich tun? Meine Frau verlassen, um mich dadurch zu heilen?

Schlimm ist die Vorstellung, was sie mit ihm getan hat, obwohl ich gleichermaßen handelte. Warum dieses ungleiche Denken? Was ich nicht will, was man mir antut, tue keinem anderen an. Ich habe mich über das Gebot hinweggesetzt.

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2 Antworten zu “Phasen der Seelischen Gezeiten

  1. 1. Du hast dich über das Gebot nicht hinweggesetzt… Du hattest es beim Fremdgehen einfach nicht so richtig präsent.

    2. Warum willst du deine Frau verlassen? Aus Rache? Um ihr etwas „antzutun“?

    3. Ich bin ein Mann, betrachte meine Frau aber in keiner Weise als mein „Eigentum“.

    4. Ich sehe in meiner Frau schon gar nicht meine Mutter. Trotzdem ist der Gedanke, von ihr verlassen zu werden, mit existenziellen Gefühlen – sprich Angst – gekoppelt. Gleichzeitig weiss ich, dass das Leben weitergehen würde, wenn es so wäre.

    5. Oh, schon 06.30 Uhr… mein Tagesprogramm wartet. Mein letzter Punkt. Mich stört das Wort „antun“. Hört sich so an, als würde jemand etwas nur machen, um einem anderen zu schaden. Also: Deine Frau ist fremdgegangen und hat dir damit etwas „angetan“. Vielleicht ist sie aber auch nur so fremdgegangen und hat dabei gar nicht an dich gedacht.

    • zu 5. letztlich habs ich’s ja auch getan. Warum begrenze ich mich, indem ich es nicht auch zugestehen kann, frage ich mich. Damit erschwere ich mich, beschwere mich, belaste mich, schade mir. Die offenbare Unumkehrbarkeit der Gedankenwertung macht mich wütend.

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