Hoffnung und Realitäten

„Wie kannst du erwarten, dass nach all dem, was du mir angetan hast, alles so weitergeht, wie bisher?“

Ein Satz wie ein Chirurgenmesser, dass das Geschwür freilegt, nachdem es lange vor sich hinwuchern konnte.

Eine Antwort war mir nicht möglich. „Auch ich war oft verzweifelt und enttäuscht, für mich konnte so nicht weitergehen,“ wäre die richtige Antwort gewesen.

Frau Notos ist neuerdings wütend, spricht ein wenig mehr, als sonst. Sie benötigt Zeit. Die Reklamation von Zeit ist für mich gleichbedeutend mit einem hinausgeschobenen Ende. Der Satz bietet aber auch eine Chance. Dazu muss ich aushalten können, ich kann so schlecht aushalten. Ich will sie nicht verlieren. Habe ich sie jemals gehabt? Unsere Beziehung ist symbiotisch. Was man nicht hatte, kann ich schlecht loslassen. Die Vorstellung, mit einem anderen hätte sie die Nähe, die ich mir so gewünscht hätte, macht mich eifersüchtig und tieftraurig. Die Angst ist wie eine Todesangst. Die Angst ist allenthalben. Sie sitzt im Magen, im Herzen, im Kopf. Eine Trennung oder ein Auszug wäre keine Alternative.

Meiner Heilpraktikerin erzählte ich davon. Es tat gut. Vergangene Nacht konnte ich schlafen.

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8 Antworten zu “Hoffnung und Realitäten

  1. Notos, der Verglich mit dem Geschwür ist treffend.
    Kann es sein, dass ihr allmählich an den Kern der ganzen Geschichte kommt, an den Punkt, wo das Eingemachte mal endlcih auf den Tisch kommt?
    Ich wünsche es dir und deiner Frau, denn nur dann habt ihr eine wirklich Chance der Klärung. Ob es zum Bruch kommt oder nicht, das wird sich finden, aber egal wie es wird, ihr könnt beide wieder glücklich werden, eventuell ohne einander.

    Herzliche Grüße
    SK

    • Hm, schwierig zu sagen. Ob Frau Notos dabei so mitgeht, weiss ich nicht. Sie lässt sich nicht in die Karten schauen, weil sie keinesfalls mit offenen Karten spielen und zeigen will, wie verletzbar sie ist. All ihr Bestreben gilt dem Schutz dessen. Ich fühle mich als Täter und Opfer zugleich. Fühlte mich jahrelang nicht glücklich, ließ sie in Ruhe, weil es auch für mich bequem war, erst, als ich ihr auf den Pelz rückte nach unseren gegenseitigen Erfahrungen, kommt sie in die Hufe. Wie gesagt, ihr Bestreben gilt ausschließlich der Einigelung, nicht der wirklichen Öffnung. Auch der andere Mann ist nicht der Heilsbringer, weil er ihr nicht nachstellt, sie in Ruhe lässt. Sie fühlt sich deswegen wohl.
      Ich für meine Partie fühle mich eher als der Co-Abhängige, der das Spiel mitmacht, auch wenn ich sie betrogen habe, um meine Bedürfnisse und Sehnsüchte zu stillen. Jeder vernünftige Mensch würde sicherlich sagen, trenn dich. Diese Empfehlung empfinde ich als Rat-„Schlag“.
      LG
      Notos

      • Nein, diesen Rat würde ich nicht pauschal „schlagen“, wenn man einvernehmlich zu der Überzeugung kommt, dass eine Trennung besser für beide ist, dann ist es ja in Ordnung.
        Ich würde euch wünschen, dass ihr euch einander öffnen könnt und alles auf den tisch packt, was euch bedrückt und stört.
        Aber das geht ja nur wenn beide das auch wollen.
        Andererseits erreicht jeder Mensch irgendwann seine Grenze, an der er für sich sagt:
        bis hierher und nicht weiter!

        Ach Notos, es könnte alles so einfach sein … isses leider nicht 🙂

  2. Ach Notos. Ist es nicht so, dass all unsere Besitzansprüche -darum geht es ja letztlich- uns nur krank und unglücklich machen? Wer klammert, hat schon verloren. Ich meine: lass los, und sie wird womöglich auf Dich zukommen. Und noch etwas aus eigener Erfahrung: Trennungen können sehr heilsam sein und können, nur scheinbar paradox, die Beziehung auf eine neue Ebene bringen, die Manches klärt, Neues zulässt und beide dennoch glücklich werden lässt. Trennungen sind kein Horror – der Horror liegt vielmehr darin, an etwas festhalten zu wollen, das so nicht mehr -oder gar nie- vorhanden war.
    Alles Liebe, P.

  3. Ach Notos, ich wünsche euch beiden, dass ihr mal beide so wütend seid, dass ihr endlich den Mumm aufbringt, Tacheles zu reden. Auch wenn erstmal die Fetzen fliegen, aber vielleicht sprechen beide Seiten dann endlich mal Dinge aus, die sie seit Jahren oder vielleicht Jahrzehnten hinunterschlucken und die Geschwüre überhaupt erst entstehen lassen. Ich wünsche euch ein reinigendes Gewitter. Danach ist die Luft frisch und klar und vielleicht seht ihr beide dann besser, wohin der Weg führt. LG

    • Danke, liebe mayarosa, für deine wohlmeinenden Wünsche. Bessere Zeiten, das wäre gut. Dennoch glaube ich fest, all das macht seinen Sinn, auch wenn er gelegentlich eine gute Tarnung aufrecht erhält. Und Peter, ja, du magst recht haben. Aber das ist noch was. Ich schreibe dazu einen Beitrag.
      Lieben Gruß

  4. Lieber Notos

    Wenn ich das Wort „symbiotische Beziehung“ höre, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Ich habe es ja selber erlebt. Stecke noch darin fest. Eine symbiotische Beziehung scheint nur so lange zu „funktionieren“, wie beide Partner ihre Rollenbilder ausfüllen und sich nicht weiterentwickeln. Stagnation, die auf Dauer garantiert unglücklich macht. Früher oder später bricht einer der Partner aus, weil er sich persönlich weiterentwickelt – oder er resigniert und wird krank…

    Hast Du mein letztes Post gelesen?
    http://rosaliesmidlifecrisis.blogspot.ch/2012/06/wenn-das-mann-sein-zur-qual-wird.html

    Lieben Gruss,
    Rosalie

    • Bevor ich lese, liebe Rosalie, auf deiner Seite war ein Text zum weiblichen Narzissmus als PDF- oder Worddatei, die ich leider nicht wiederfinde. Kannst du mir helfen, ich brauche den Text.

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