Die Calvinisten bekommen ein Bild

Mit dieser Eichenholzplastik „Maria und Johannes“ bekam der Calvinismus für mich ein Bild und damit auch meine Vergangenheit, weil Teile der Weltanschauungen auch in jedem von uns stecken, als gesellschaftlich-molekularen Gedächtnis. Mir war unklar, was Calvinismus ist, was ihn ausmacht und von der katholischen Glaubensrichtung unterscheidet. Ich ahne, warum auch in mir diese Strenge steckt, weshalb sie nicht mal eben so abzuwischen ist.

Doppelstandbild im Ostfriesischen Landesmuseum

Begleittext des Ostriesischen Landesmuseums: „Der Marienfigur wurde die Nase abgeschlagen, bei Johannes fehlt die ganze Mund- und Nasenregion. Es ist zu vermuten, das die Figuren eine Verstümmelung durch die frühere Bilderfeindlichkeit der reformierten Kirche erhalten haben. Bei solchen Aktionen wurden die wichtigen Regionen des Ausdrucks und Handelns abgeschlagen.“

Ist das der richtigen Weg einer Religion, den Menschen die Bilder zu nehmen, sich durch Strenge und Zucht auf den richtigen Gottesweg bringen zu wollen?

Mir wurde damit jedenfalls klar, die üppig ausgestatteten Kirchen im Süden und die karg und bilderlosen Kirchen des Nordens rühren daher. Vielleicht stammt auch daher der Verdacht, Menschen aus Norddeutschland seien eher steif.

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4 Antworten zu “Die Calvinisten bekommen ein Bild

  1. „Es ist bemerkenswert, dass wir gerade vom Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er ist … Die Liebe befreit aus jeglichem Bildnis. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat“ (Max Frisch). Dem ist nichts beizufügen.

    • War es die Absicht, der strengen, bildlosen Reformisten das Gottesbild aus dem Grunde zu verbieten, um damit der Lieblosigkeit Einhalt zu gebieten? Die Kirche nimmt den Menschen die Freude und macht zumindest den Kindern Angst. Das ist emotionaler Missbrauch.

  2. Nein nein, Notos. Nicht die reformierte Kirche macht den Kindern Angst, aber sehr wohl die katholische mit dem Kruzifix und anderen Darstellungen des Teufels, der Hölle und so weiter. Ich will keinen Gott, den man darstellen kann. Weil der nicht darstellbar ist. Und ich sage dies notabene als Agnostiker.

    • Ich bin im evangelischen Glauben groß geworden, ohne wirklich gläubig sein. Oder besser, ich hätte mir vorstellen können, es zu sein, nur die Strenge und diese Bedrohung in der Kirche ließ mich dort nie heimisch fühlen. „Agnostiker“ ist da ein treffender Begriff. Bilder, die mir Gott näher gebracht hätten, mit einer gewissen Milde und Drohpotential wären nicht so abschreckend gewesen. Allerdings ist der oben verordnete Glaube so oder so nicht mein Ding. Wenn das Singen des Singens willen geschieht, nicht aus innen heraus, dann läuft etwas schief.

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