Einholen von Gefühlen

Längst überwunden glaube ich den Zustand. Ein Trugschluss. Die letzten Monate, das letzte Jahr beschreibe ich als erstarrten Zustand, den ich einer gefälligen Ruhe verbrachte nach Monaten des Aufgebrachtseins. Je dramatischer es war, desto ruhiger waren diese Monate. Ich lebte oder besser, verbrachte Zeit, ging zur Arbeit und machte Sport, mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung.

Das Schreiben hier stellte ich ein. Ich wollte mich nicht mehr aufwühlen, ich wollte nicht mehr so viel von mir preisgeben. Die Schere im Kopf schlug zu und schnitt viel ab, also ließ ich es. Zu oft bedeutete hier schreiben auch kommentieren und erklären. Wie oft hatte ich mich in der Vergangenheit entblättert, aus Strafe oder als Therapie? Um Trost zu finden, den ich mir selbst nicht geben konnte? Von allem was.

Lange ging es gut. Bis auf die letzten Tage. Mein Herz läuft über, weil ich es nicht schaffe, mir Raum zu verschaffen, um freier zu werden und Vertrauen zu lernen. Dabei gibt es nichts zu bedauern, nichts zu beweinen, nichts zu bejammern. So weit bin ich gekommen. Nur es scheint nicht zu langen für den letzten Schritt.

Bis hierher konnte ich immer wieder unterdrücken, was raus will und scheinbar nicht sein darf. Ich muss mich trennen oder besser, ich muss hier raus für eine Zeit.

Wo sind nur die Worte geblieben, meine Gefühle zu beschreiben, um zu sagen, was mich bewegt. Auf meinem Herz sitzt ein dicker Kloß, der schwer darauf drückt bei dem Gedanken dieser Unbeweglichkeit, hinterlässt einen dicken Kummer und Tadel für meine Unfähigkeit, für mich zu sorgen, ein innerer Kampf um meine Freiheit. Niemand hält mich zurück, außer ich mich.

Ich könnte gehen, bin so große Schritte gegangen, ohne den einen Schritt zu gehen, der nach außen meinen Mut sichtbar macht. Wo gegen kämpfe ich? Gegen mein Herz oder mein Ego? Ist es das Ego, was bedient werden will? „Seht her, ich kann es?“

Ich war so offen, in allem, nur die Türen sind zu. Ich habe meiner Frau all meine Gedanken mitgeteilt. Heute geht nichts. Das ist keine Trauer, sondern eine brennende innere Wut, die auf alle Organe drückt.

Hätte ich ein gewisses Vermögen, würde dann alles leichter sein, mache ich mich von Materiellem abhängig?

Advertisements

Eine Antwort zu “Einholen von Gefühlen

  1. In mir klingt der Satz nach „…mach ich mich von Materiellem abhängig?“. Ist man nicht immer von Materiellem abhängig? Die Frage bleibt, mit wie viel Einbußen kann man(n) leben oder welche Alternativen gibt es. Was gibt man auf, wenn man auf das Geld nicht verzichten möchte? – Vielleicht ist der Preis zu hoch, den man für das Geld bezahlt?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s