Die Last mit der Lust

IMG_0186Unser Wunsch nach einer langjährigen, tiefen Partnerschaft entspricht letztlich der Sehnsucht danach, eine Familie, eine Heimat zu haben. Ein legitimer, ein menschlicher Wunsch. Vielleicht sollten wir einfach anerkennen, dass Sexualität auch eine Art Heimat ist und ein Recht darauf hat, gelebt zu werden. Dass wir uns in unseren individuellen Bedürfnissen finden und nicht nach für uns vorgesehenen Rollen leben müssen. Einfacher werden Beziehungen dadurch nicht. Aber wenn man davon ausgeht, dass jede Beziehung ein Kunstwerk ist, so lohnt es sich, es wenigstens zu versuchen.

Ein wunderbarer Artikel auf Zeit Online zu unserer verdrehten Moral. Einerseits der gesellschaftliche Zwang zur Monogamie, auf der anderen Seite unser verzweifelter Versuch, die Natur zu überlisten und unsere Lust zu verleugnen.

Die Welt schreibt gar etwas plump, „wer sich lebenslange Treue wünscht, solle sich ein Seepferdchen angeln.“ Wenn es stimmt, dass soviel fremd gegangen wird, warum gibt es die Ehe?

Interessanterweise ist die Ehe eine bürgerliche Erfindung aufgrund erbrechtlicher Veränderungen, damit das Erbe nicht unter zig Kindern aufgeteilt werden musste. Wie es heisst, galt die Treueverpflichtung eher für Frauen.  davor untreue normal. Ulrich Clement schreibt das in seinem Buch, „Wenn Liebe fremdgeht“. Bei der Lektüre dachte ich schon, oh, da hast du dich aber einem Diktat gebeugt. Warum eigentlich? Aus Angst, einen Fehler zu machen, nicht mehr als der Saubermann zu gelten, aus Angst, die Frau zu verlieren oder aus Bequemlichkeit und Angst, Haus und Hof zu verlieren?

Von allem etwas. Ich habs dann doch getan und nichts verloren, außer der verängstigten Ausrede, ich wolle doch immer unschuldig bleiben. Wenn es denn so stimmt, die Lust stecke in uns und es sei ein Irrtum, sie immer nur mit einem Partner genüsslich zu leben, dann kann ich nur sagen, das stimmt.

Problematisch wird es, wenn Erwartungen von einer Seite auf eine neue Beziehung entstehen und von anderer Seite aufgrund des bereits geschilderten Schuldmechanismus die alte Beziehung beendet wird, um eine neue einzugehen, nur aus der Schuld heraus, dafür doch Verantwortung zu übernehmen. Eines ist das jedenfalls nicht, Liebe. Vielleicht wird das Wort strapaziert, um das Alte beenden zu können. Als Alibi, um die Verantwortung zu verschieben und zur Kompensation.

Die Menschen haben noch eine Menge zu lernen, bevor sie wirklich frei sind.

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