Sicherheit

Ich bin ein Mensch mit grundsätzlich ängstlicher Grundausrichtung. Um vermeintlich gut leben zu können, suche ich mir Sicherheit, vermeide tunlichst Risiken, zumindest unkalkulierbare Risiken. So bin ich lange Jahre verheiratet, tat beizeiten alles, um ein Zerwürfnis zu vermeiden, nicht zielgerichtet vom Kopf her, sondern einfach dadurch, weil ich so bin, wie ich bin. Meinen Beruf wähle ich ebenso mit Bedacht und Sicherheitsaspekten.

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So ein Leben hat Vorteile, so aus existentieller Sicht, allerdings birgt es in seiner Risikoarmut auch große Risiken, weil das Leben anfängt, schal zu wirken, unlebendig, auch gefühllos. Schließlich lassen sich nicht ständig die Gefühle verbergen, also werden sei abgespalten.

Die Folge ist, morgens aufzuwachen und zu denken, warum nur wache ich nicht frohgemut auf, sondern wache auf mit einem bedrückenden, ängstlichen Gefühl? Warum ist da nicht Tatendrang, Freude auf den Tag, die Herausforderungen, das Leben? Kann ja nicht, alle Freude wurde beiseitegeschoben durch eine Aggression, die sich nach innen richtet. Sie erzeugt ein depressives Gefühl, das sich im günstigsten Fall einen Weg über Projektionen nach außen sucht. Schlimmer noch ist, wenn diese unguten Gedanken und Gefühle innen bleiben und dort Schaden anrichten.

Was kann ich mit diesen Erkenntnissen tun? Als allererstes wissen, die Welt will mir nichts Böses, diese verwirrenden, unguten Gefühle kommen nicht von anderen Menschen, nicht von außen, sondern, sie sind in mir, kommen von mir, werden durch mich erzeugt, sind da, weil die Stimme in mir- vielleicht Gott – sagt, so wie ich lebe, ist es nicht gut. Die innere Stimme warnt mich, weil ich nicht für mich sorge. Das, was ich wahrnehme, ist der Schmerz als Preis für die fehlende Achtsamkeit, die ich mir nicht gönne. Ich tue etwas, das mir nicht guttut.

Häufig lese ich, die Dinge von außen kann ich nicht ändern, jedoch meine Haltung dazu. Also muss ich anfangen, zu überlegen, was es denn genau ist, was mir Schmerzen verursacht. Keine leichte Aufgabe. Wäre ich tatsächlich auch bereit, das sichere Leben gegen ein vermeintlich zufriedenes Leben zu tauschen? Die Ketten lege ich mir an, nicht die anderen. Demnach muss ich die Ketten auch lösen.

Häufig beobachtete ich mich, wie ich begann, sie zu lösen, um dann doch wieder zurückzugehen. Kein gutes Gefühl. Aber will ich das tatsächlich? Eine gute Freundin fragte mich, ob ich denn sicher sei, meine Veränderungen jeweils nach außen hin zu konstituieren? Oder sei es nicht auch einfach damit getan meine Haltung zu ändern, um die damit eine Veränderung zuzulassen?

Wäre es nicht eine weitreichendere Veränderung, die Haltung zu dem beschriebenen Schmerz zu verändern, ihn gewissermaßen anzunehmen und zu sagen: „Ja, Hallo, ich bin hier, lebe so und nicht anders. Für mich macht das Sinn. Anders zu leben macht gerade keinen Sinn und ich war sehr klug, mein Leben so einzurichten und nicht anders, weil es mein Leben ist und nicht das Leben eines anderen. Danke, dass ich diese Weitsicht habe.“ Auszüge oder andere Veränderungen waren eben nicht Teil meines Lebens, sondern die neidische Sicht auf andere, die nicht mein Leben sind. Vielleicht ziehe ich irgendwann aus oder ändere sonst etwas, aber nicht heute, sondern dann, wenn es dran ist. Ich habe dann die Kraft dafür.

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2 Antworten zu “Sicherheit

  1. Du schreibst sehr offen, das bewundere ich wirklich ausserordentlich. Das hab ich bisher noch nicht geschafft. Wunderbar, der Artikel. LG
    bunterblogger

  2. noemiebeidenzwergen

    ja du schreibst sehr direkt. Was kannst du ändern in deinem Leben? Wie es mir scheint, möchtest du vieles ändern? Was ist es denn genau, was dich so an deinem jetzigen Leben stört?
    Aber ich glaub, jeder hat so Phasen, wo er mal ausbrechen möchte.

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