Meine Tochter ist ausgezogen

Meine Tochter ist ausgezogen. Sie hat Anfang des Jahres ihre Ausbildung abgeschlossen, hat ihr Abitur, hat einen Job und wird 24 Jahre jung.

An und für sich die besten Voraussetzungen, auf eigenen Beinen zu stehen. Für mich jedoch als Papa ist das nicht leicht. Sie fehlt mir, sie hat zu Hause ein Loch gerissen. Nicht, dass ich mich jeden Tag intensiv unterhalten habe, sie ist einfach nicht mehr da. Was ist das?

Als mein Sohn vor drei Jahren ausgezogen ist, fühlte sich das anders an. Ich war ganz froh, er hat doch sehr viel Raum eingenommen. Auch er war 23 Jahre jung, als er auszog. Nur dieses komische Loch in mir war nicht da.

Heute morgen war mir, als hätte ich angst um meine Tochter, sie ist mit einer Freundin in die Stadt gezogen, mein Sohn mit seiner Partnerin. Ob es das ist? Ob ich es meiner Tochter nicht zutraue? Oder geht es tatsächlich auch um mich, der nicht aus der nächsten Nähe seines Elternhauses verzogen ist?

Geht es vielleicht auch darum, jetzt an dem Punkt angekommen zu sein, die weiteren Schritte zu überlegen und nicht zu wissen, wie und was ich will? Meine Frau will schon lange wegziehen, ich behindere das. Wir haben zwar noch eine 16-jährige Tochter, aber die würde kein Grund sein, nicht in die Stadt zu ziehen.

Jedenfalls hat der Auszug meiner Tochter etwas in mir bewirkt und losgelöst, das ich noch nicht einzuordnen weiss.

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3 Antworten zu “Meine Tochter ist ausgezogen

  1. Verstehe ich total gut, ein neuer Lebensabschnitt beginnt “ empty nest“ 😉

  2. Hallo, schön, mal wieder etwas von Dir zu hören 🙂 Ich habe Deinen Text gelesen und mir meine Gedanken gemacht. Vielleicht hattest Du bei Deinem Sohn ein anderes Gefühl, weil er -genau wie Du- männlich ist. Dadurch kannst Du ihm anders vertrauen, Dich in ihn hineinversetzen, seine Motive auszuziehen, verstehen. Du kannst seine Situation nachvollziehen und einschätzen. Bei Deiner Tochter ist das anders. Ihre Gefühlswelt ist Dir wahrscheinlich nicht so klar. Hinzukommt, dass bei Dir hier noch der Beschützerinstinkt geweckt wird. Ich finde Deinen Beitrag sehr gut und er lässt mich erahnen, wie sich mein Vater gefühlt haben muss, als ich auszog und dann sogar 500km weit weg zog. Er hat nie etwas gesagt und heute kann ich ihn nicht mal mehr fragen :-(.
    Ich möchte Dir noch sagen, lass Deine Gefühle erstmal so für Dich stehen, bewerte sie nicht, man muss nicht immer für alles eine Erklärung haben und alles verstehen.

  3. Seit dem letzten Wochenende geht es mir genauso. Der Große tauschte Nest gegen WG. Ich habe das bei beiden Kindern voll unterstützt. Sie gehen und sich auf eigene Beine stellen lassen ist wichtig für sie, aber sie sind eben nicht mehr da. Die Veränderung hat eine Tragweite. Die Ruhe tut gut, aber die Kinder fehlen als Menschen im Alltag und mit ihnen zudem die Themen und die Lebendigkeit der Jugend im Haus. Klar, sie sind nicht aus der Welt, und es geht auch gut ohne herumliegende Haarspangen oder Boxershorts, und dennoch ist es auch für einen selbst ein Einschnitt. Ich dachte, ich könne besser damit umgehen als der Sprinter vollgepackt davonfuhr. Aber ich habe anschließend bitterlich geweint. Ein Ausbruch, der sicherlich noch mehr beinhaltete. Und mit dem mein Mann nicht umgehen konnte und sich dabei ausgeschlossen und alleingelassen fühlte. Ja, was kommt jetzt? Erstmal bei sich selbst ankommen, denke ich.

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