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Plötzlich ist nicht alles rosa

Das Leben mit Frau Notos drehte sich nicht um 180°, wie der Eindruck des Beitrages von gestern vermitteln könnte. Frau Notos redet nach wie vor nicht über alle Maßen und schon gar nicht ohne Anlass über sich. Ganz im Gegenteil, sie wurde durch mich betrogen, so führt sie sich auch auf, sie wirkt distanziert, verletzt. Mich bindet dies Verhalten noch mehr als sonst.

Was mich leichter macht, ist die Tatsache nicht vor einer akuten Situation zu stehen, die ich nicht beherrsche, sondern wieder zu mir komme.

Natürlich hat Frau Notos einen mütterlichen Platz eingenommen, von dem sie sich scheinbar geschwind zurückzuziehen scheint und ich wie ein Kind Angst bekomme, von der Mutter bestraft und verlassen zu werden. Was war oder bin ich abhängig von ihr? Wahnsinn. Oder ist das Liebe? Liebe, Abhängigkeit, Bedürftigkeit, wer weiss das schon? Wer kann schon richtig lieben, so ganz ohne Erwartungen und so rein altruistisch. Die meisten Menschen verwechseln doch Liebe mit ihrer eigenen egoistischen Bedürftigkeit. Schon der Ausdruck „Ich brauche dich.“ belegt das. Wer wahrhaftig liebt, braucht nicht. Wer sich liebt, braucht nicht. Aber bei wem ist das schon so, wer kann das von sich behaupten, da niemand frei von Traumata aus der Kindheit ist.

Der Partner ist immer auch dazu da, die Leere aus der Kindheit zu füllen. Wer ist schon sich selbst genug und benötigt keinen anderen Menschen. Mir ist diese Provokation im Satz klar, aber die Menschen sind Herdentiere, sonst könnten sie allein sein. Der andere, der Partner dient immer auch zum Löcherstopfen der eigenen Psyche. Der Satz „ich liebe dich“ bekommt eine ganz neue bedrohliche Bedeutung.

Vielleicht klappte es mit mir und Frau Notos deswegen so lange, weil unser partnerschaftliches Aggreement nie wirklich die absolute und erdrückende Nähe bedeutete, die ich tatsächlich nicht ertragen hätte, weil meine Mutter schon immer so klammerte. Wir ließen uns gewissermaßen in Ruhe und akzeptierten Distanzwünsche des anderen. Es war, wie es war. Wir waren füreinander da, einfach da. Diese Art der Nähe über Reden und sich spüren kannte ich doch auch nicht. Woher? Im Grunde lernte ich mich an, ich spürte im Zusammensein mit anderen Menschen im Laufe der Zeit, dass da noch mehr ist. Das wollte ich. Frau Notos kann nicht. Offenbar kündigte ich den Vertrag auf, auch mit meiner Affäre, weil ich scheinbar plötzlich doch Lust auf Nähe bekam.

Ich will nicht jammern. Außerdem sollte ich froh sein, diese Erfahrungen zu sammeln, weil ich den Verdacht gewonnen habe, Frau B. könne möglicherweise von mir auserkoren worden sein, die nächste Stelle einer mütterlichen Geliebten einzunehmen.

Ich kann mich nicht trennen, ohne das erkannt zu haben!!! Das Drama hätte seinen Lauf genommen, weil bei der nächstbesten Gelegenheit die alten Muster von Verlustangst und Eifersucht um sich gegriffen hätten. Solange ich Liebe mit Bedürftigkeit verwechsele, sollte ich an mir arbeiten, das zu ändern und erwachsen werden, für mich sorgen können, egal, mit wem Frau Notos Sex hat oder nicht. Und wenn es nur in meiner Fantasie stattfindet, dann muss ich mir der fürsorgliche Erwachsene genug sein, das angstvolle Kind zu beruhigen.

Nicht allzu lang sollte ich mir allerdings Zeit lassen. Ich möchte endlich wachsen und weiterkommen und auch gern die alten Wunden heilen lassen.

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Der Betrüger wird betrogen

Natürlich darf ich mir nichts vormachen. Ich denke, ich habe auch die Verantwortung dafür übernommen, denke ich. Soweit das überhaupt geht.

Unerklärbar schmerzhaft und perfide empfinde ich jedoch die Haltung von Frau Notos, die mich ebenfalls betrogen hat zu sagen, das sei etwas anderes. Der ich für ihr Verhalten sogar noch die Berechtigung, den Fahrschein, das Ticket frei Haus lieferte. Sie sagt, ohne meine „Aktion“ hätte sie es nie gemacht, aber ich weiss, dass sie darauf neugierig war, es auszuprobieren. Und ich bin mir sicher, alles war völlig unabhängig von mir. Es wäre so oder passiert.

Sie erzählte mir freiwillig nicht davon, obwohl sie wusste, wie ich schon litt. Sie hat es in Kauf genommen, dass ich es herausfinde, es war ihr egal, sie trotzdem wieder zu dem Mann gefahren, mit Ankündigung, trotz meines Widerstandes, trotz des Flehens.

Sie lässt mich außen vor, erklärt sich nur unter äußerstem Druck, sie wirkt, als sei für sie alles klar, könne nur nicht gehen, wegen der Kinder und der Existenz. Im Grunde würde sie zu ihm gehen. Sie streitet ab, er sei kein neuer Mann, ich sei ihr Mann. Aber sie brauche Zeit, Zeit, in der sie alles mit sich allein abmacht, ohne viel Reden und Auseinandersetzen? Ich würde gern gehen können. Nein, ich würde sie gern gehen lassen können.

Es tut so weh, diese Eifersucht, diese Angst, dieses Eingeständnis, dass ihr Betrug oder ihre Affäre die Begründung meines „Fehlverhaltens“ trägt. Sie bestraft mich mindestens doppelt. Wegen meiner Schuld, weil ich nicht so locker bin wie er, wegen meiner Erpressbarkeit und auch wegen meiner Liebe. Wo war sie das eine oder andere Mal, als sich mein Bauch wieder quälerisch meldete? Mit den Freundinnen unterwegs? Wirklich? Oder lag sie in seinen Armen? Oder vor einem Monat, war da wirklich nichts, war das wirklich nur eine Freundschaft? Ich kann das glauben, für mein Seelenheil, aber es gelingt mir nicht. Ich brauche nur an die Möglichkeiten denken, die Fantasie schweifen lassen, dann überflutet mich die Eifersucht, die Angst, hintergangen zu werden, die Wut.

Ihr geht es nicht um eine tiefgründige Beziehung, sie will alles locker und unproblematisch, sie wirft mir Egoismus vor, dabei ist sie sehr narzisstisch. Ihr Aussehen ist ihr wichtig, aber nicht ihr Seelenleben. Ich hing und hänge an ihr, symbiotisch, abgöttisch, abhängig.

Sie ist ein verletzbarer, auch verletzter Mensch, mit viel Minderwertigkeitsgefühl, das sie gut kompensieren kann über ihre Art und ihr Aussehen. Keiner darf sehen, wie verletzbar sie ist, wie klein und minderwertig und ungenügend sie sich fühlt.

Männer wie ich, liegen ihr zu Füßen. Sie ist fast wie eine Domina, die ihre Anbeter peitscht und die Gepeitschten dabei Lust empfinden, wenn sie ein schönen Blick oder mehr bekommen. Sie macht mich an, wenn ich reden will, sie macht mich nieder, wenn ich eine Therapie gemacht habe. Sie weiss, wie sie mich kleinhält, sie weiss, wie sie mich abhängig hält, gefügig.

Sie ist die Abhängige, ich der Co-Abhängige, der sie retten will.

Sie ist weg

Heute Morgen ist sie gefahren.

Sie versicherte mir sehr glaubhaft, ich müsse mir keine Sorgen machen. Ich glaube ihr, habe trotzdem Angst und bin eifersüchtig. Mir brennt ein Feuer in der Brust. Frau Notos versteht meine Sorge aus meiner Sicht, ich müsse mir aber keine Gedanken machen.

Mir fällt es entsetzlich schwer, loszulassen, sie ihren Spaß haben zu lassen. Weil da eben schon was war, auch wenn es „nur“ aus Rache oder Panik war. Wir sprachen nun soviel über das Thema, dass es eigentlich für mich (im Kopf) okay ist, dass sie fährt. Festbinden kann und will ich sie nicht. Die Grenzezwischen ihr und mir ist die schmerzende Naht.

Ich bin einfach keinen guten Weg gegangen, mir war klar, irgendwann zahle ich dafür. Richtig wäre es gewesen, von Anfang klare Verhältnisse zu schaffen, meine Frau zu verlassen, um nicht mit Frau B. auch immer diese schlechten Gefühl zu haben.

Die Zeit über versuchte ich, es mir, den beiden Frauen recht zu machen. Dieses Unentschieden zerrte und zehrte. Dann kam die Offenbarung, ich verlor die Dinge aus der Hand, das, was ich nie wollte, trat ein. Nun muss ich wieder handlungsautonom werden.

Ich gehe durch die Angst. Spüre da drin nicht nur Verlustangst, sondern auch ein anderes Gefühl. Je länger ich es laufen lasse, desto deutlicher wird, ich habe eine Bedürftigkeit. Füllt meine Frau ein emotionales Loch? Ich will das nicht so negativ darstellen, jeder braucht einen Menschen, der dies Loch füllt. Bei Notos kommt es mir so vor, als ob sie das nicht nötig hat. Sie wirkt, als brauche sie niemanden, oder will sie niemaden brauchen?

Unabhängig davon, dass es wohl für keine Menschen eine tolle Vorstellung ist, den Partner in den Armen und beim Sex mit einem/einer anderen zu wissen, ist das nicht Liebe, sondern festhalten, Besitzanspruch. Die Angst, durch den Verlust des anderen zu „sterben“, die Nachhaltigkeit und Kraft des Gefühls geht sehr tief, ist langanhaltend und sehr schmerzhaft.

Ich will es nicht negativ beschreiben und sagen, dies ist der Preis, den ich zahle, obwohl es so ist, ich muss es nur umdrehen in der Wertung und deuten, die Erkenntnis kann auch positiv sein. Ich spüre mich.

Wo hat das Gefühl Grenzen? Wann funktioniert all das nicht mehr? Würde ich erfahren, da ist doch mehr, trotz aller Beteuerungen und Beruhigungen, dann ist definitiv für mich Schluss. Ich bin zwar damit angefangen, meine Frau hat nachgezogen, aber ab nun beginnt die Zeit neu. Ein Dauerleiden will ich nicht.

Die Fassung verliere ich immer wieder, wenn ich die Sache extern betrachte. Mein Bild, die Umgehensweise, die ich mit meiner Frau besprach bricht komplett, ich gerate förmlich in Panik, verliere fast die Fassung. Was würden andere sagen, schilderte ich Ihnen den Fall? Der Blödmann lässt seine Frau zu einem anderen, der sie schon mal gevögelt hat. Was für ein Weichei.

Dann muss ich wieder reden. Frau Notos erklärt mir, das ich diese Sache vergessen soll. Sie fährt dorthin, nicht wegen des Mannes, sondern wegen der Leute, die sie dort kennenlernte und einfach, weil sie ein paar Tage raus will. Dann geht es wieder. Bis mir dann wieder alles wegbricht.

Deswegen wollte ich schon weg, sie rauswerfen, völlig verzweifelt und in Panik. Ja, und dann kommt wieder, du hast es ihr auch zugemutet, meine Verzweifelung, meine Angst verschwindet nicht. Ein immerwährendes Hamsterrad, diese Tag.

Aber ich will nichts zerschlagen, weil ich für mich verstehen will, was da für Kräfte am Werk sind, mich besser kennenlernen, die Angst sehen, fühlen. Anders werde ich da nicht rauskommen.

Meine Hoffnung ist, wenn wir das geschafft haben, ist etwas Neues zwischen uns entstanden, eine neue Basis, die vorher nicht mehr da war. Diese Chance gebe ich nicht auf. Ich weiss nun, dass ich meine Frau noch immer Liebe, trotz all dieser Verwerfungen und Krisen. Alles hatte irgendwie seinen Sinn. Ohne diese Sicht und Hoffnung könnte ich es nicht überstehen. Weil ich Hoffnung habe, übersteigt eine Trennung wohl auch mein Vorstellungsvermögen.

Wenn alle Stricke reissen, habe ich jemanden, mit dem ich reden kann. Danke. Meine Gruppe hilft mir noch nicht viel, es sollte anders sein, könnte man annehmen, aber dort kommt oft nur der Rat, die einfache Lösung vorzuschlagen. „Nun trenn dich doch endlich.“ Nein. Will ich nicht. „Herr Notos ist noch nicht so weit.“ Kommt dann von der Gruppenleiterin. Nein, ich bin nicht so weit. Das ist auch eine Entscheidung. Also kann ich doch entscheiden.

Die Reise

Frau Notos unternimmt morgen eine Reise für ein paar Tage. Sie wird dort auch diesen Mann besuchen. Sie sagt, er sei ein Freund, nicht mehr. Was war, dass sie mit ihm geschlafen habe, hat nichts zu bedeuten. Dort gibt es Menschen, die sie kennen gelernt hat und wieder treffen möchte.

Wir redeten viel, ich fragte noch mehr, ich will es glauben, sie nicht kontrollieren und zwingen, hier zu bleiben, was sowieso nicht ginge. Ich merke, wie mich damit überfordere, ich spüre meine Angst. Ganz tief peinigt mich ein tiefer Schmerz, der mich nachts wach da liegen lässt.

Ich will ihr glauben, aber meine Angst sagt mir doch etwas? Irgendwie ist es Erpressung. Dennoch, wenn sie mir erzählt, glaube ich. Bin ich eine Zeitlang mit meiner Fantasie und meinen Gedanken allein, beginne ich wieder richtig Abgrund zu rutschen.

Ich bin eifersüchtig, meine männliche Ehre ist gekränkt, all die abgründigen, aber nachvollziehbaren Elemente der Psyche tauchen auf. Verlustangst, Wut und und und…

Nixzen sagte mal, ich müsse mich von äußeren Einflüssen freier machen. Stimmt, ich kann doch nicht diese Angst und diese Panik haben? Doch, ich kann sie haben, nur sie darf mich nicht beherrschen. Verdammt, es ist so schwer.

Natürlich könnte ich Frau Notos verlassen, aber was würde es ändern? Ich liebe sie. Sie liebt mich, aber sie benötigt Veränderung. Meine Hoffnung ist, an dieser Krise zu wachsen. Den Schmerz nimmt mir diese Hoffnung nicht.

Offene Beziehung und Affäre, ich habe gelernt, dass ich damit überfordert bin, damit eigentlich nicht umgehen kann. Gleichberechtigung hin oder her, auf dem Papier liest es sich gut. Meine Frau zu teilen, obwohl sie das nach eigenem Bekunden nicht will, kann ich nicht, will ich nicht.

Ich will flüchten, strafen, verstehen, tolerant sein, nicht tolerant sein, … ich bin zerrissen und fühle mich wie ein kleines Kind. Irgendwie verlassen und hilflos.

Schmerzhafte Offenbarung

Gestern Abend redete mich Frau Notos um Kopf und Kragen.

Wir sprachen über unser Thema, meine Affäre, ihre Wünsche und Träume, was gewesen wäre, wenn und so weiter. Eigentlich begann es mit meiner Feststellung, alles wäre nicht so gekommen, hätte sie nicht an meinem Handy herumgespielt. Sie konterte, wie ich mir das vorstelle, sie würde dann weiter als das Dummchen herumlaufen. Nein. Nun wolle auch sie leben und ausleben.

Dabei interessierte mich die Frage, ob sie denn nun mit ihrem „Freund“ geschlafen habe oder nicht. Sie druckste rum, hin und her, vor und zurück, bis sie schlussendlich zugab, ja, habe ich, zweimal sogar, an einem Abend.

Daran hatte ich ordentlich zu kauen. Mich durchliefen Schauerwellen voller Wut und Trauer, es brannte innen im Bauch, in der Brust. Sie beteuerte mir, alles sei nur ein Spaß gewesen, ohne Liebe. Bei meiner Frau bezweifelte ich das, mir kam das vorgeschoben vor, ein spaßhafter Seitensprung mag in ihren Augen vertretbar sein, aber keiner mit Gefühlen.

Auf die Aussage, sie wolle ihn gern wiedersehen, kam dann doch endlich ein entschiedenes Nein. „Wenn du das tust, dann gehe ich. Den Zustand will ich nicht aushalten. Ich ertrage es nicht.“

Den gesamten Abend und die Nacht schwoll und schwappte die Vorstellung durch meinen Kopf, was da zwischen den beiden gewesen sein könnte. Ich versuchte, es mir bildlich vorzustellen, mir gelang es nur nicht so recht. Ist das ein Trauma?

Frau Notos fand alles sehr spaßig und meinte, ich solle mich nicht so anstellen, schließlich sei ich ihr Mann, sie wolle mit mir leben und sie brauche in ihrem Alter ein bisschen Spaß, zumal ich es mir ebenfalls herausgenommen habe. Unser Sex könne davon nur profitieren.

Irgendwie verlief das alles sehr merkwürdig, ich weiss bis jetzt nicht, ob ich ihr glauben soll oder nicht. Eine erneute Frage, einfach mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten, kam eine Antwort, die besagte, wann es denn hätte sein sollen. Streitet sie es wieder ab? Aufgrund meiner Reaktion?

Meinen Zustand vermag ich nicht wirklich zu beschreiben, am ehesten passt traumatisiert und geschockt, wobei ich schon eine gewisse Vorahnung hatte. Die gesamte Unterhaltung oder die gesamte Auseinandersetzung verlief im Grunde sehr emotional, wir schrien uns nicht an, aber es die Stimmung war sehr angespannt, wir belauerten uns förmlich, ich beobachtete sie sehr genau, weil ich meine Frau selten so geöffnet erlebte. Entweder beflügelt durch eine Fantasie oder aufgeputscht durch das Beichten eines Geheimnisses.

Für mich ist es ein Unterschied, im Geheimen mit einer anderen Frau zu schlafen, als im umgekehrten Fall mit Ansage und quasi mit einer Legitimation durch mein Verhalten das Gleiche zu tun, aufgrund einer Schuld ein Zugeständnis abgerungen zu bekommen, wie Auge um Auge, Zahn um Zahn. Im Grunde fügt es immensen Schmerz zu, es verletzt und rührt Dinge auf, von denen ich heute noch nicht weiss, wohin sie führen.

Wie sollten wir uns trennen? Haus und Hof ist aus bestimmten Gründen fast unverkäuflich, zumal wir dort gerade Sanierungen durchführen wollen. Sollte ich mich oder sie sich trennen, sind wir doch beide wirtschaftlich ruiniert.

Als Alternative wäre tatsächlich eine offene Beziehung denkbar. Sie fährt zu ihrem Freund, ich zu Frau B. Das Modell, was ich anfangs als lebbar darstellte, was sich mir aber völlig überraschend doch als riesengroße, emotionale Hürde auftürmte.

Tatsächlich beruhigte mich ihre Beichte, weil ich mich in meiner Befürchtung bestätigt fühlte (oder war es eine selbsterfüllende Prophezeiung?). Schon vor Jahren bohrte in mir die Annahme, sie könne im Grunde etwas ganz anderes wollen, als sie hat. Ich mache mich ihr gegenüber klein. Zwischendurch spielte mir mein Selbstvertrauen oder besser mein mangelndes Selbstvertrauen diesen Streich.

Habe ich das Recht, mich zu beklagen? Ich betrüge meine Frau, weil ich denke, es ist eh aus bzw. nach so vielen Jahren bleiben Dinge auf der Strecke, die ich woanders nur leben kann und nun präsentiert mir meine Frau die Quittung und ich bin schockiert. Erschrocken bin ich zudem über meine scheinbar sehr restriktiv und vorsichtig ageierenden Schutzmechanismen. Selbst wenn alles von ihr nur inszeniert war, ich hätte doch sofort aufstehen müssen und gehen. Was tat ich? Ich blieb sitzen und redete weiter.

„Du wolltest doch immer eine lebendigere Beziehung. Jetzt hast du sie.“

Na klar bin ich eifersüchtig, rachgierig, will mich schützen. Mir kommt in den Sinn zu sagen, dann treffe ich Frau B. wieder. Sie zurück: „mach doch, habe ich dir ja nicht verboten.“ Ich äußere halbherzige Bedenken. Unverhofft kommen von ihr doch Bedenken, Frau B. zu sehen. Ich widerspreche und behaupte, sie stimme nur zu, weil sie selbst daraus eine Legitimation zieht, ihren Freund wiederzusehen. In der Nacht dann das Dementi. Keine Ahnung, was richtig ist, alles ist durcheinander. Heillos.

Sie will dies, ich erwarte das, keiner scheint dem anderen das zu geben, was er braucht, wenn das überhaupt richtig ausgedrückt ist. Nichts läuft leicht, alles verquer. Wären wir nicht über alle Maßen ver-heiratet, dann zögen wir doch einen Schlussstrich. Warum ist das alles so verdammt schwer? Oder wir bleiben verheiratet, jeder lässt den anderen ziehen und tun und machen, was er will? Warum ist alles so verdammt schwer? Diese Besitzansprüche, diese Angst, diese belastenden Bewertungen.

Eigentlich will ich keine Schwere, sondern Leichtigkeit, nur nehmen kann ich sie mir nicht, weil ich befürchte, sie steht mir nicht zu. Nun zwingt mich das Schicksal, zu lernen. Ginge ich zu Frau B. und wüsste, Frau Notos führe zu einem anderen, was ginge bei mir ab? Ich weiss ganz sicher, ich würde nicht zu Hause leiden und auf die Rückkehr von Frau Notos  warten. Die Schwere allein zu Haus hielte ich nicht aus. Nur, ob Frau B. das Spiel mitspielt, bliebe noch abzuwarten.

Gewiss bin ich mir nur, all das ganze Theater wird mich Frau Notos nicht näher bringen. Oder doch? Immerhin sprachen wir nie so offen über unsere Wünsche und Hoffnungen, wie in der letzten Zeit. Nur leider verlaufen die Auseinandersetzungen nicht harmonisch. Aber müssen sie harmonisch verlaufen? Was ist, wenn tatsächlich ein anderer Mann mit meiner Frau geschlafen hat, von dem sie sagt, ich solle ihn mal kennenlernen, dann wüsste ich, dass er sie mir nicht wegnehmen wolle.

Alles in allem Gründe genug, damit es mir richtig Scheisse gehen müsste. Tut es aber nicht. Warum? Ich sehe das Glas immer noch eher halbvoll, als halbleer. Optimistischer und lebendiger war es selten, wenn auch oft sehr schmerzhaft.

Freiheit

Die Tage nach dem verdammten Wochenende mit diesem fiesen Rückfall in alte Zeiten, bei dem ich mich wie ein Baby weinend an Frau Notos klammerte, haben mir gut getan. Ich spüre die Rückkehr meiner inneren Ausgeglichenheit, erschöpft zwar, nicht mehr so voller Tatendrang, spüre doch immerhin, nicht mehr so anfällig für diese Bedürftigkeit zu sein, diesem schmerzhaften Gefühl einer inneren, offenen Verletzung, die scheinbar nur durch wohlwollende Worte von Frau Notos gesalbt und geheilt werden können.

Nicht umsonst schrieb ich, ich würde mir fast wünschen, sie ginge zu diesem Mann und verlebt eine gute Zeit. Bestimmt täte es ihr gut. Mir täte es ebenfalls gut, weil ich die Erfahrung mache, es bringt mich nicht um. Uns beide brächte es weiter. (Na ja, so richtig gut täte es mir nicht in dem Moment, weiterbringen würde es uns.)

An Wochenenden kann es schon mal sein, wie ich von Angstpaniken heimgesucht werde, sobald Frau Notos nicht da ist. Schon vor längerer Zeit war das so, fällt mir ein. Ich war außerstande, mich wohl zu fühlen, ruhig zu sein.

Zu Hause ertappe ich mich zunehmend oft, mich in ihrer Anwesenheit zwar ruhig zu fühlen, im Sinne von nicht beunruhigt, aber auch nicht wirklich wohl, weil ich mich nicht anlehnen kann. Zwischen uns klafft eine Lücke, obwohl wir miteinander schlafen. Auch da ist eine Lücke, mir scheint, wir schauen einander nicht auf Augenhöhe an. Sie steht dabei höher, als ich. Eigentlich keine ungewohnte, neue Feststellung, es war schon immer so.

Der Zustand ist nicht neu, sondern die Bewertung, nicht auf Augenhöhe zu sein. Je mehr Ruhe einkehrt, desto mehr komme ich zu dem Schluss, Frau Notos tut mir nicht gut. Ich muss mich irre anstrengen, ihr ist dann diese Anstrengung zu viel, sie weicht mir aus, ich „stoße“ nach, sie weicht zurück. In dem Maße, wie ich „in“ sie dringen möchte, um sie zu spüren, weicht sie zurück.

Nun, wo ich hier sitze und schreibe, attestiere ich mir eine gewisse Befreiung und Leichtigkeit. Immerhin, ja, dies darf nicht zu gering betont werden, darf ich eine große Errungenschaft präsentieren: MICH. Ich muss es mal so sehen, ich habe mich nicht klein gemacht vor meiner Frau, sondern habe mich in meinen Wünschen und Gefühlen haarklein dargestellt und kämpfte um mich. Auch um sie. Ich war nicht feige, sondern – ich nehme das für mich bewusst in Anspruch – mannhaft, auch trotz dieser Schwäche, die ich nicht als Schwäche sehen darf, sondern gern mal als Stärke. Ich war eben so, in dieser fiesen Nacht, als ich zu ihr ging und reden wollte.

Es wird höchste Zeit, die Dinge mal so zu sehen, ich habe mich dargestellt, nicht versteckt, klar gesagt, was ich fühle, was ich genau will, weiss ich nicht (habe ich auch gesagt und dazu gestanden) und, dass ich an Frau B. denke. Natürlich hätte ich sagen können, ach, vergiss es, das war nur ein kleines, unbedeutendes Abenteuer, völlig ohne Belang, ich liebe nur dich. Nein, so war das nicht. Nur eben diese heftigen emotionalen Schmerzen beim Gedanken an Frau Notos Wege. Vielleicht half es mir, durch den Schmerz zu gehen. Soll ja helfen, so las ich zumindest. Sollte sie ein Wochenende zu ihm fahren, dann gehe ich nochmal durch diesen Schmerz. Die Gefahr und die Chance habe ich. Frau Notos hatte sie nicht, weil ich sie schützen wollte. Ich bekomme es brühwarm mit. Ob sie sich traut?

Und im Grunde bin ich weiter, als zuvor, als noch alles im Geheimen lag. Die Dinge liegen auf dem Tisch, die Bedrückung daraus verschwand, mein Herz kann leichter schlagen, ich bin doch viel freier, freier, als jemals zuvor. Egal, was ich tue, ich mache es, ich kann es, ich darf es.

Mein Irrglaube

Mein Glaube, eine offene Beziehung sei eine  Möglichkeit, Ehe und Freundin zu verbinden, lebbar zu machen, verpuffte wie eine Seifenblase im Kaktus, als der Kaktus in die Nähe meiner Seifenblase kam. Die Erkenntnis kam so unvermitttelt, dass ich immer noch wackele.

Frau Notos Träume waren ebenso grundausgelegt, sie aus den Tiefen ihres Moralgefängnisses empor zu holen, dazu war ich auserkoren, ausgerechnet mit der Verwirklichung meiner Träume. Ohne Frau B. gebe es nicht die imposant gewordenen Träume der Frau Notos. Schon irre. Sie will mir weismachen, ohne dass hätte sie es nie betrieben, diesen Mann, den sie vor Monaten kennengelernt hat, wieder zu kontakten. Nun erst, wenn der Alte schon fremdgeht, will ich das auch. Ich habe ihr zudem dieses Lebensmodell vorgelobt, es als lebenswert beworben.

Fein, mag ein jeder denken, nun hat der Notos tatsächlich sein Ziel erreicht, toll. Toll auch, wie Herr und Frau Notos so an einem Strang ziehen. Weit gefehlt, ihr habt die Rechnung ohne meinen Bauch gemacht, der rumort seit Tagen, will das Spiel nicht mitspielen, so gar nicht. Lässt sich auf keine Beruhigung ein. „Lass‘ Frau Notos doch ihren Spaß, ein bisschen Sex und rumvögeln, tut ihr bestimmt mal ganz gut.“ Wenn das so einfach wäre. Rätselte ich noch vor kurzem über Begrenzung und die Frage, ob ich sie spüre, ja, spüre ich, sehr deutlich. Alles in mir geht gegen diesen Gedanken auf die Barrikaden.

„Alter, was willst du?“ Erst selbst rum machen und dann es nicht deiner Frau gönnen? Genau das. Ich habe das Gefühl, Jahre gekämpft zu haben, um sie, um uns. Nun soll ein anders das bekommen? Wahrscheinlich oder ganz sicher. Die Welt scheint gerecht zu sein. Ich holte es mir woanders, spürte, was geht, was mir guttut, nun holt es sich meine Frau womöglich ebenfalls. Nur mit Ansage.

Diese Ansage, das ist der große Unterschied, weil es nach Strafe, wie du mir, so ich dir, klingt. Seit Jahre rede ich, was mir fehlt, ohne Wirkung. Erst, nachdem meine Nebenbeziehung offen wird, bewegt sich etwas.

Verdammt, das ist das Miese, weil ich mich nicht ernst genommen fühlte, in den Zeiten davor, als ich warnte und reden wollte. Dies ist wie ein abgeschuldigt werden, so eine Art Beziehungsscharia. Auch wenn es keiner hier hören mag, für mich ist das ein Unterschied.

Die Zeit mit Frau B. war schön, aber nie leicht, weil ich da schon gelitten habe an meinem schlechten Gewissen.

Ich will wissen, warum ich es ihr nicht einfach zugestehen kann? Die Chance wäre riesengroß, ein Schritt zu machen, weg aus dem Einerlei, aus dem vorwurfsvollen Alltag hin zu einer erfüllten, lebendigen Beziehungswelt. Liegt es nur an meinen Beschränkungen? Die nächsten Posts werde ich weiter suchen, nach Bildern, Beschreibungen, Erklärungen. Das Wochenende war voller Reden und Fragen zwischen Frau Notos und mir. Was sie genau will, habe ich noch nicht herausgefunden, es schwankt zwischen Trennung und Zusammenbleiben. Ich frage mehr, als sie. Diese Art der Kommunikation bringt mich mit dem Rücken zur Wand.

Ich würde mir wünschen, sagen zu können, wir alle brauchen Ruhe und Entspannung. Fahr du zu dem Mann, ich treffe mich mit Frau B. Irgendwann sehen wir, was ist. Davon bin ich meilenweit entfernt.