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Mein Bruder

Er ist erkrankt. Genaues weiss ich nicht. Er lebt nicht hier, sondern am anderen Ende der Republik. Nicht einmal anrufen kann ich ihn. Zumindest nicht aktuell und jetzt. Ich muss bis morgen warten.

Unsere Eltern wollen sich auf den Weg machen. Ich habe ein komisches Gefühl dabei. Mitleid und Trauer. Mit den beiden, weil sie die Strapazen auf sich nehmen wollen. Und weil sie um ihn Angst haben. Ich darf diesen Gedanken nicht weiterdenken, weil ganz viel Trauer und Mitgefühl mit den beiden hochkommt.

Unser Verhältnis, also das zu meinen Eltern, war oft sehr gespannt. Sehr. Nun diese Gefühle.

Und mein Bruder? Was fühle ich da? Irgendwie gerade nichts. Wir haben ein gutes Verhältnis, aber jeder lebt sein Leben, ich hier, er dort. Dann das jetzt. Er ist jünger, als ich.

Fühle ich wegen meiner Eltern, bin ich bei ihm irgendwie taub. Mich irritiert das. Ich glaube, ich habe ihn ganz lange abgespalten. Dies ist der Grund, warum ich ihn so wenig spüre. Zeitweise musste ich das tun. Meine Eltern machten sich immer Sorgen um ihn, ich auch. Diesen ständigen Druck konnte ich nicht aushalten.

Die Elternfamilie, das seltsame Gebilde.

Bundesarchiv Bild 183-28648-0001, Lehrer im Ge...

Ich hoffe, die Sorgen zerschlagen sich und es bleibt nichts ernstes. Hoffentlich kann ich ihn morgen erreichen.

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Mail an die Eltern

Lernen

Als Elternvertreter nutzte ich die Möglichkeit eines eMail-Verteilers einen Brief an die Eltern der Klasse zu schicken, um mein Unbehagen, meine Sorge und meine Fragen zu veröffentlichen.

Ein wenig Mut gehörte dazu, mich zu „outen“, aber möglicherweise sind einige andere Eltern ja froh, sobald ein anderer den Mund aufmacht und aufschreibt, was sie selbst vielleicht im Stillen denken.

Lange nachdenken musste ich nicht, die Worte flossen mir in die „Feder“ und schwups, war die Mail raus. Nun warte ich auf Resultate und Antworten. Zwei Mails erhielt ich, die mir im Grunde meine Meinung bestätigten und diese gewisse Ratlosigkeiten mit den schulischen Anforderungen teilen. Patentrezepte gibt es keine, darüber reden kann aber helfen.

Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein, weil nun Konstruktives entstehen kann und wenn es auch nur ein Elternabend wird, zu dem ich die Fachlehrer einlade.