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Plötzlich ist nicht alles rosa

Das Leben mit Frau Notos drehte sich nicht um 180°, wie der Eindruck des Beitrages von gestern vermitteln könnte. Frau Notos redet nach wie vor nicht über alle Maßen und schon gar nicht ohne Anlass über sich. Ganz im Gegenteil, sie wurde durch mich betrogen, so führt sie sich auch auf, sie wirkt distanziert, verletzt. Mich bindet dies Verhalten noch mehr als sonst.

Was mich leichter macht, ist die Tatsache nicht vor einer akuten Situation zu stehen, die ich nicht beherrsche, sondern wieder zu mir komme.

Natürlich hat Frau Notos einen mütterlichen Platz eingenommen, von dem sie sich scheinbar geschwind zurückzuziehen scheint und ich wie ein Kind Angst bekomme, von der Mutter bestraft und verlassen zu werden. Was war oder bin ich abhängig von ihr? Wahnsinn. Oder ist das Liebe? Liebe, Abhängigkeit, Bedürftigkeit, wer weiss das schon? Wer kann schon richtig lieben, so ganz ohne Erwartungen und so rein altruistisch. Die meisten Menschen verwechseln doch Liebe mit ihrer eigenen egoistischen Bedürftigkeit. Schon der Ausdruck „Ich brauche dich.“ belegt das. Wer wahrhaftig liebt, braucht nicht. Wer sich liebt, braucht nicht. Aber bei wem ist das schon so, wer kann das von sich behaupten, da niemand frei von Traumata aus der Kindheit ist.

Der Partner ist immer auch dazu da, die Leere aus der Kindheit zu füllen. Wer ist schon sich selbst genug und benötigt keinen anderen Menschen. Mir ist diese Provokation im Satz klar, aber die Menschen sind Herdentiere, sonst könnten sie allein sein. Der andere, der Partner dient immer auch zum Löcherstopfen der eigenen Psyche. Der Satz „ich liebe dich“ bekommt eine ganz neue bedrohliche Bedeutung.

Vielleicht klappte es mit mir und Frau Notos deswegen so lange, weil unser partnerschaftliches Aggreement nie wirklich die absolute und erdrückende Nähe bedeutete, die ich tatsächlich nicht ertragen hätte, weil meine Mutter schon immer so klammerte. Wir ließen uns gewissermaßen in Ruhe und akzeptierten Distanzwünsche des anderen. Es war, wie es war. Wir waren füreinander da, einfach da. Diese Art der Nähe über Reden und sich spüren kannte ich doch auch nicht. Woher? Im Grunde lernte ich mich an, ich spürte im Zusammensein mit anderen Menschen im Laufe der Zeit, dass da noch mehr ist. Das wollte ich. Frau Notos kann nicht. Offenbar kündigte ich den Vertrag auf, auch mit meiner Affäre, weil ich scheinbar plötzlich doch Lust auf Nähe bekam.

Ich will nicht jammern. Außerdem sollte ich froh sein, diese Erfahrungen zu sammeln, weil ich den Verdacht gewonnen habe, Frau B. könne möglicherweise von mir auserkoren worden sein, die nächste Stelle einer mütterlichen Geliebten einzunehmen.

Ich kann mich nicht trennen, ohne das erkannt zu haben!!! Das Drama hätte seinen Lauf genommen, weil bei der nächstbesten Gelegenheit die alten Muster von Verlustangst und Eifersucht um sich gegriffen hätten. Solange ich Liebe mit Bedürftigkeit verwechsele, sollte ich an mir arbeiten, das zu ändern und erwachsen werden, für mich sorgen können, egal, mit wem Frau Notos Sex hat oder nicht. Und wenn es nur in meiner Fantasie stattfindet, dann muss ich mir der fürsorgliche Erwachsene genug sein, das angstvolle Kind zu beruhigen.

Nicht allzu lang sollte ich mir allerdings Zeit lassen. Ich möchte endlich wachsen und weiterkommen und auch gern die alten Wunden heilen lassen.

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Reif für die Partnerschaft

„Als positive Motivation, eine Partnerschaft einzugehen bezeichne ich die Begründung, die ein reifer Mensch für den Beginn einer Partnerschaft sieht. Der autonome, reife Mensch ist allein lebensfähig, und zwar hat er die erfüllende Lebensqualität für sich bereits gefunden. Er kann bereits, ohne dafür einen Partner zu benötigen, ein Leben führen, das er als zufriedenstellend bezeichnen würde. Mit dem Wissen, im Leben zurecht zu kommen und dem Gefühl, sich und die Welt zu mögen und gerne zu leben, ist er nicht abhängig von der Präsenz eines Partners. Vielmehr sieht er sich selbst als die Ursache für die dynamische Balance seines Lebensgefühls. Würde ein Partner in sein Leben treten, bedeutet diese Veränderung eine Steigerung, eine Verbesserung im positiven Bereich. Er ist weitgehend gefeit vor den Abhängigkeiten, den Zeitzündern jeder Beziehung. Würde der Partner ihn eines Tages verlassen, so sind die existentiellen Grundpfeiler nicht gefährdet. Das schafft Freiwilligkeit.“

„Liebe und Angst“ von Stephan Lermer, gefunden auf http://www.nexusboard.net/sitemap/4802/qualende-verlustangst-t227787/

Solange zusammen und nun das. Ich komme mir vor, wie ein pubertierender Teenager. Frau Notos sitzt es aus, will es mit sich abmachen. Ich will reden, reden, reden. Leider mache ich gerade selber klein, weil ich mir die Fähigkeit abspreche, allein klar zu kommen. Wann habe ich das auch gemusst? Eigenständigkeit stand auf meinem Erziehungsplan nicht oben. Also, was mache ich mich an? Der Haltepunkt meines Lebens schwindet. Was bleibt, wenn alle Haltepunkte reissen?

Ich dachte, ich wäre weiter, bin ich aber nicht. Für mich allein, vielleicht ja, aber nicht mit Frau Notos. Aus Angst, falle ich in Kontrolle und Festklammern. Ein schlimmer Zustand.

An vorderster Stelle steht das Erwachsen werden davon.