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Doppelleben

Einer Bekannten widerfuhr ein persönliches Drama. Sie verlor zeitlebens ihren Mann. Nicht erst justement, sondern schon vor 10 Jahren, obwohl er putzmunter und lebendig ein und aus ging.

Sie erzählte mir ihre Geschichte. Eine ziemlich unglaubliche Geschichte, die zum Nachdenken anregt, über die Ehe, über die Männer, über die Frauen, über Treue, über all das. segen

Die Frau trennte sich von ihrem Mann, warf ihn aus dem gemeinsamen Haus, unterband alle Bindungen zu Kind und Kegel, brandmarkte ihn. Aus einem gemeinsamen Urlaub kehrte er mit einer Geliebten zurück, nicht physisch, sondern im Herzen, besuchte sie auch, die Kollegin kam dahinter und noch hinter mehr. Seit 10 Jahre sei das so gegangen, nicht nur für diese Eine im Urlaub sei er aktiv gewesen, sondern da waren mehr.

Natürlich legte er viel Gehirnschmalz und Organisationsgeschick an den Tag, um das Nebeneinander hinzubekommen. Nun war es aufgeflogen und sie hat die Nase voll. Verständlich.

Aber was zum Teufel mag in diesem Mann vorgegangen sein all die Zeit? Wieviel Energie und Gefühle wandte er auf, um dieses Leben zu leben? Warum machte er nicht reinen Tisch von Anfang an und verleugnete sich derart?

Natürlich denken alle an die arme Frau, die Betrogene. Klar, sie ist verletzt, aber sie weiss sich ganz gut selbst zu helfen, so arm ist sie nicht, sie zerbricht nicht an dieser schicksalhaften Sache. Was aber passiert mit ihm, der schon wieder reuevoll ankommt, ob er nicht zurückkommen kann? Kann er nicht klar ein Statement zeigen und gehen, sein Leben in die Hand nehmen und die Abenteuer leben, die er leben will? Oder kann er die Abenteuer nur leben, weil die sichere Auffanginstitution Ehe hinter sich wusste? Warum – verdammt – ist das so? Die Ehe, Fluch und Segen. Ich fühle mehr mit ihm, als mit ihr.

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Die Last mit der Lust

IMG_0186Unser Wunsch nach einer langjährigen, tiefen Partnerschaft entspricht letztlich der Sehnsucht danach, eine Familie, eine Heimat zu haben. Ein legitimer, ein menschlicher Wunsch. Vielleicht sollten wir einfach anerkennen, dass Sexualität auch eine Art Heimat ist und ein Recht darauf hat, gelebt zu werden. Dass wir uns in unseren individuellen Bedürfnissen finden und nicht nach für uns vorgesehenen Rollen leben müssen. Einfacher werden Beziehungen dadurch nicht. Aber wenn man davon ausgeht, dass jede Beziehung ein Kunstwerk ist, so lohnt es sich, es wenigstens zu versuchen.

Ein wunderbarer Artikel auf Zeit Online zu unserer verdrehten Moral. Einerseits der gesellschaftliche Zwang zur Monogamie, auf der anderen Seite unser verzweifelter Versuch, die Natur zu überlisten und unsere Lust zu verleugnen.

Die Welt schreibt gar etwas plump, „wer sich lebenslange Treue wünscht, solle sich ein Seepferdchen angeln.“ Wenn es stimmt, dass soviel fremd gegangen wird, warum gibt es die Ehe?

Interessanterweise ist die Ehe eine bürgerliche Erfindung aufgrund erbrechtlicher Veränderungen, damit das Erbe nicht unter zig Kindern aufgeteilt werden musste. Wie es heisst, galt die Treueverpflichtung eher für Frauen.  davor untreue normal. Ulrich Clement schreibt das in seinem Buch, „Wenn Liebe fremdgeht“. Bei der Lektüre dachte ich schon, oh, da hast du dich aber einem Diktat gebeugt. Warum eigentlich? Aus Angst, einen Fehler zu machen, nicht mehr als der Saubermann zu gelten, aus Angst, die Frau zu verlieren oder aus Bequemlichkeit und Angst, Haus und Hof zu verlieren?

Von allem etwas. Ich habs dann doch getan und nichts verloren, außer der verängstigten Ausrede, ich wolle doch immer unschuldig bleiben. Wenn es denn so stimmt, die Lust stecke in uns und es sei ein Irrtum, sie immer nur mit einem Partner genüsslich zu leben, dann kann ich nur sagen, das stimmt.

Problematisch wird es, wenn Erwartungen von einer Seite auf eine neue Beziehung entstehen und von anderer Seite aufgrund des bereits geschilderten Schuldmechanismus die alte Beziehung beendet wird, um eine neue einzugehen, nur aus der Schuld heraus, dafür doch Verantwortung zu übernehmen. Eines ist das jedenfalls nicht, Liebe. Vielleicht wird das Wort strapaziert, um das Alte beenden zu können. Als Alibi, um die Verantwortung zu verschieben und zur Kompensation.

Die Menschen haben noch eine Menge zu lernen, bevor sie wirklich frei sind.

Einkehrende Ruhe

Meine Außenkontakte reduzieren sich auf rein berufliche Beziehungen. Die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate, ja, des letzten Jahres zeigen ihre Wirkung.

Mein Bedarf, zu reden, über die Dinge zu sprechen, sie auszudrücken ist komplett erloschen. Derzeit möchte ich einfach nur funktionieren, meine Wunden lecken, mich fühlen, in mich hineinfühlen, ohne ein Außen. Meine innere Stimme redet nicht, ich höre nichts, oder will es nicht hören. Keine Ahnung. Lese ich Berichte hier in den Blogs oder an anderer Stelle, dann warten die Autoren ab, um sich zu hören. Ich warte ebenfalls ab.

Allein meine Heilpraktikerin weiß um mich, sie ist außen genug, um mich zu öffnen.

Meine Beobachtung aus dem letzten Jahr bis heute ist, je mehr ich mich öffne, desto mehr werden Bedürfnisse bei Menschen geweckt, die ich später nicht befriedigen oder decken kann. Die Enttäuschung ist dann groß. Daher rührt möglicherweise mein Rückzug.

Meine Frau verrichtet Dienst nach Vorschrift, was Zuwendung oder besser Zugewandtheit angeht. Eigentlich nichts neues, nur mein Reaktion darauf. Vor einem Jahr reagierte ich, zog gewisse Konsequenzen, nun steht vor meiner Umgehensweise damit die Schuld aus der Beziehung. Sie spricht mir ab, Schuld haben zu sollen, aber sie ist da.

Unter der Woche funktioniert mein Leben mit sehr geregeltem Ablauf gut, am Wochenende hingegen macht es mir Probleme, weil ich die Zugewandtheit einer Partnerin vermisse. Ich denke, wir verhalten uns, wie in Schützengräben. Wir schießen zwar nicht, aber es ist auch kein Frieden eingekehrt. Die Stimmung ist beizeiten drückend. Konnte ich in der Vergangenheit dem über ein Außen entfliehen, funktioniert gerade das Mittel nicht mehr.

Überhaupt und vollkommen ungenügend funktioniert das Thema Reden. Frau Notos öffnet sich nicht, sie völlig verschlossen. Mir macht das Sorge, mehr noch, mich macht das wütend. Sie scheint im Abwarten zu verharren.

Die Liebe ist irre

Die eine Frau will ich, zieht sich zurück, schon lange, hält mich hin. Trotz Affäre verlässt sie mich nicht, rehabilitiert mich jedoch nicht, jedenfalls nicht richtig. Es bleibt ein komisches Gefühl des nicht Angenommenseins. Wir fühlen uns zusammengehörig, das schon, aber Zuwendung und Zuneigung findet wenn, dann unterschwellig statt.

Im Grunde war das Fremdgehen ein verzweifelter Versuch, die Beziehung am Leben zu erhalten, indem ich den Erwartungsdruck von Frau Notos wegnahm und so für Entlastung sorgte. Das gelang, aber nur solange, wie es nicht publik wurde. Mir ist die Wirkung der Worte nach außen bekannt, die Beschreibung eines Verzweifelten, der sich des Scheiterns der Ehe unter normalen Gesichtspunkten bewusst ist, dieses Bewusstsein hingegen verdrängte und nicht wahrhaben will.

Dann ist da die andere Frau, die mich will, für die ich nicht die Gefühle empfinde, um ihr die gewünschte Zuneigung und Zuwendung zu geben. Alles sehr kompliziert, würde ich sagen. Fragte mich ein Freund, würde ich ihm raten, lass die Finger davon, weil er nicht die Verantwortung für die Gefühle der Frau übernehmen kann. Sie ist im Bilde über alles, unterlag keinem Schwindel und keinen Versprechen. Freundschaft war das, was ich ihr anbieten kann. Nur diese Freundschaft funktioniert nicht, ihre Gefühle sind intensiv, ich empfinde das nicht, das macht es kompliziert. Dennoch schätze ich die Gespräche. Mir genügt das, ihr nicht. Sie will sich treffen, ich eher nicht.

Die Kräfte der Liebe sind ungleich verteilt. In Bezug auf meine Frau wird mir erst in diesen Tagen bewusst, wie ungleich. Geschichte, wie die Liebesnähe beschreiben Wünsche und Sehnsüchte, wie ich sie auch in mir habe, sicherlich nicht so gut beschreiben kann, aber durch diese schriftstellerische Leistung fremde Worte bekomme, die ich gern ausdrücken würde. Ich gehe also davon aus, dass ich normal bin, dass meine Gefühle berechtigt sind, einen Raum haben dürfen, ich dafür sorgen muss. Nur leider finden die Gefühle bei meiner Frau keinen Raum. Um die Waage auszugleichen, suchte ich eine außereheliche Beziehung, zur Kompensation. Ja, so ist das. Unsere Beziehung scheint sich in Richtung einer dieser berühmt-berüchtigten Vernunftsehen zu entwickeln. Wo bleibt dabei die Leidenschaft, das Verlangen, das Begehren? Holt sie es sich woanders? Wie gehe ich damit um? Darf ich mir meine Sehnsüchte befriedigen, woanders? Kann ich das, damit umgehen, frei sein, endlich, auch im inneren Frieden mit dieser Situation umgehen?

Wilhelm Genanzino schrieb ein Buch mit dem treffenden Titel: Die Liebesblödigkeit, der alles sagt und weiter

Sie ist weg

Heute Morgen ist sie gefahren.

Sie versicherte mir sehr glaubhaft, ich müsse mir keine Sorgen machen. Ich glaube ihr, habe trotzdem Angst und bin eifersüchtig. Mir brennt ein Feuer in der Brust. Frau Notos versteht meine Sorge aus meiner Sicht, ich müsse mir aber keine Gedanken machen.

Mir fällt es entsetzlich schwer, loszulassen, sie ihren Spaß haben zu lassen. Weil da eben schon was war, auch wenn es „nur“ aus Rache oder Panik war. Wir sprachen nun soviel über das Thema, dass es eigentlich für mich (im Kopf) okay ist, dass sie fährt. Festbinden kann und will ich sie nicht. Die Grenzezwischen ihr und mir ist die schmerzende Naht.

Ich bin einfach keinen guten Weg gegangen, mir war klar, irgendwann zahle ich dafür. Richtig wäre es gewesen, von Anfang klare Verhältnisse zu schaffen, meine Frau zu verlassen, um nicht mit Frau B. auch immer diese schlechten Gefühl zu haben.

Die Zeit über versuchte ich, es mir, den beiden Frauen recht zu machen. Dieses Unentschieden zerrte und zehrte. Dann kam die Offenbarung, ich verlor die Dinge aus der Hand, das, was ich nie wollte, trat ein. Nun muss ich wieder handlungsautonom werden.

Ich gehe durch die Angst. Spüre da drin nicht nur Verlustangst, sondern auch ein anderes Gefühl. Je länger ich es laufen lasse, desto deutlicher wird, ich habe eine Bedürftigkeit. Füllt meine Frau ein emotionales Loch? Ich will das nicht so negativ darstellen, jeder braucht einen Menschen, der dies Loch füllt. Bei Notos kommt es mir so vor, als ob sie das nicht nötig hat. Sie wirkt, als brauche sie niemanden, oder will sie niemaden brauchen?

Unabhängig davon, dass es wohl für keine Menschen eine tolle Vorstellung ist, den Partner in den Armen und beim Sex mit einem/einer anderen zu wissen, ist das nicht Liebe, sondern festhalten, Besitzanspruch. Die Angst, durch den Verlust des anderen zu „sterben“, die Nachhaltigkeit und Kraft des Gefühls geht sehr tief, ist langanhaltend und sehr schmerzhaft.

Ich will es nicht negativ beschreiben und sagen, dies ist der Preis, den ich zahle, obwohl es so ist, ich muss es nur umdrehen in der Wertung und deuten, die Erkenntnis kann auch positiv sein. Ich spüre mich.

Wo hat das Gefühl Grenzen? Wann funktioniert all das nicht mehr? Würde ich erfahren, da ist doch mehr, trotz aller Beteuerungen und Beruhigungen, dann ist definitiv für mich Schluss. Ich bin zwar damit angefangen, meine Frau hat nachgezogen, aber ab nun beginnt die Zeit neu. Ein Dauerleiden will ich nicht.

Die Fassung verliere ich immer wieder, wenn ich die Sache extern betrachte. Mein Bild, die Umgehensweise, die ich mit meiner Frau besprach bricht komplett, ich gerate förmlich in Panik, verliere fast die Fassung. Was würden andere sagen, schilderte ich Ihnen den Fall? Der Blödmann lässt seine Frau zu einem anderen, der sie schon mal gevögelt hat. Was für ein Weichei.

Dann muss ich wieder reden. Frau Notos erklärt mir, das ich diese Sache vergessen soll. Sie fährt dorthin, nicht wegen des Mannes, sondern wegen der Leute, die sie dort kennenlernte und einfach, weil sie ein paar Tage raus will. Dann geht es wieder. Bis mir dann wieder alles wegbricht.

Deswegen wollte ich schon weg, sie rauswerfen, völlig verzweifelt und in Panik. Ja, und dann kommt wieder, du hast es ihr auch zugemutet, meine Verzweifelung, meine Angst verschwindet nicht. Ein immerwährendes Hamsterrad, diese Tag.

Aber ich will nichts zerschlagen, weil ich für mich verstehen will, was da für Kräfte am Werk sind, mich besser kennenlernen, die Angst sehen, fühlen. Anders werde ich da nicht rauskommen.

Meine Hoffnung ist, wenn wir das geschafft haben, ist etwas Neues zwischen uns entstanden, eine neue Basis, die vorher nicht mehr da war. Diese Chance gebe ich nicht auf. Ich weiss nun, dass ich meine Frau noch immer Liebe, trotz all dieser Verwerfungen und Krisen. Alles hatte irgendwie seinen Sinn. Ohne diese Sicht und Hoffnung könnte ich es nicht überstehen. Weil ich Hoffnung habe, übersteigt eine Trennung wohl auch mein Vorstellungsvermögen.

Wenn alle Stricke reissen, habe ich jemanden, mit dem ich reden kann. Danke. Meine Gruppe hilft mir noch nicht viel, es sollte anders sein, könnte man annehmen, aber dort kommt oft nur der Rat, die einfache Lösung vorzuschlagen. „Nun trenn dich doch endlich.“ Nein. Will ich nicht. „Herr Notos ist noch nicht so weit.“ Kommt dann von der Gruppenleiterin. Nein, ich bin nicht so weit. Das ist auch eine Entscheidung. Also kann ich doch entscheiden.

Die Reise

Frau Notos unternimmt morgen eine Reise für ein paar Tage. Sie wird dort auch diesen Mann besuchen. Sie sagt, er sei ein Freund, nicht mehr. Was war, dass sie mit ihm geschlafen habe, hat nichts zu bedeuten. Dort gibt es Menschen, die sie kennen gelernt hat und wieder treffen möchte.

Wir redeten viel, ich fragte noch mehr, ich will es glauben, sie nicht kontrollieren und zwingen, hier zu bleiben, was sowieso nicht ginge. Ich merke, wie mich damit überfordere, ich spüre meine Angst. Ganz tief peinigt mich ein tiefer Schmerz, der mich nachts wach da liegen lässt.

Ich will ihr glauben, aber meine Angst sagt mir doch etwas? Irgendwie ist es Erpressung. Dennoch, wenn sie mir erzählt, glaube ich. Bin ich eine Zeitlang mit meiner Fantasie und meinen Gedanken allein, beginne ich wieder richtig Abgrund zu rutschen.

Ich bin eifersüchtig, meine männliche Ehre ist gekränkt, all die abgründigen, aber nachvollziehbaren Elemente der Psyche tauchen auf. Verlustangst, Wut und und und…

Nixzen sagte mal, ich müsse mich von äußeren Einflüssen freier machen. Stimmt, ich kann doch nicht diese Angst und diese Panik haben? Doch, ich kann sie haben, nur sie darf mich nicht beherrschen. Verdammt, es ist so schwer.

Natürlich könnte ich Frau Notos verlassen, aber was würde es ändern? Ich liebe sie. Sie liebt mich, aber sie benötigt Veränderung. Meine Hoffnung ist, an dieser Krise zu wachsen. Den Schmerz nimmt mir diese Hoffnung nicht.

Offene Beziehung und Affäre, ich habe gelernt, dass ich damit überfordert bin, damit eigentlich nicht umgehen kann. Gleichberechtigung hin oder her, auf dem Papier liest es sich gut. Meine Frau zu teilen, obwohl sie das nach eigenem Bekunden nicht will, kann ich nicht, will ich nicht.

Ich will flüchten, strafen, verstehen, tolerant sein, nicht tolerant sein, … ich bin zerrissen und fühle mich wie ein kleines Kind. Irgendwie verlassen und hilflos.

Freiheit

Die Tage nach dem verdammten Wochenende mit diesem fiesen Rückfall in alte Zeiten, bei dem ich mich wie ein Baby weinend an Frau Notos klammerte, haben mir gut getan. Ich spüre die Rückkehr meiner inneren Ausgeglichenheit, erschöpft zwar, nicht mehr so voller Tatendrang, spüre doch immerhin, nicht mehr so anfällig für diese Bedürftigkeit zu sein, diesem schmerzhaften Gefühl einer inneren, offenen Verletzung, die scheinbar nur durch wohlwollende Worte von Frau Notos gesalbt und geheilt werden können.

Nicht umsonst schrieb ich, ich würde mir fast wünschen, sie ginge zu diesem Mann und verlebt eine gute Zeit. Bestimmt täte es ihr gut. Mir täte es ebenfalls gut, weil ich die Erfahrung mache, es bringt mich nicht um. Uns beide brächte es weiter. (Na ja, so richtig gut täte es mir nicht in dem Moment, weiterbringen würde es uns.)

An Wochenenden kann es schon mal sein, wie ich von Angstpaniken heimgesucht werde, sobald Frau Notos nicht da ist. Schon vor längerer Zeit war das so, fällt mir ein. Ich war außerstande, mich wohl zu fühlen, ruhig zu sein.

Zu Hause ertappe ich mich zunehmend oft, mich in ihrer Anwesenheit zwar ruhig zu fühlen, im Sinne von nicht beunruhigt, aber auch nicht wirklich wohl, weil ich mich nicht anlehnen kann. Zwischen uns klafft eine Lücke, obwohl wir miteinander schlafen. Auch da ist eine Lücke, mir scheint, wir schauen einander nicht auf Augenhöhe an. Sie steht dabei höher, als ich. Eigentlich keine ungewohnte, neue Feststellung, es war schon immer so.

Der Zustand ist nicht neu, sondern die Bewertung, nicht auf Augenhöhe zu sein. Je mehr Ruhe einkehrt, desto mehr komme ich zu dem Schluss, Frau Notos tut mir nicht gut. Ich muss mich irre anstrengen, ihr ist dann diese Anstrengung zu viel, sie weicht mir aus, ich „stoße“ nach, sie weicht zurück. In dem Maße, wie ich „in“ sie dringen möchte, um sie zu spüren, weicht sie zurück.

Nun, wo ich hier sitze und schreibe, attestiere ich mir eine gewisse Befreiung und Leichtigkeit. Immerhin, ja, dies darf nicht zu gering betont werden, darf ich eine große Errungenschaft präsentieren: MICH. Ich muss es mal so sehen, ich habe mich nicht klein gemacht vor meiner Frau, sondern habe mich in meinen Wünschen und Gefühlen haarklein dargestellt und kämpfte um mich. Auch um sie. Ich war nicht feige, sondern – ich nehme das für mich bewusst in Anspruch – mannhaft, auch trotz dieser Schwäche, die ich nicht als Schwäche sehen darf, sondern gern mal als Stärke. Ich war eben so, in dieser fiesen Nacht, als ich zu ihr ging und reden wollte.

Es wird höchste Zeit, die Dinge mal so zu sehen, ich habe mich dargestellt, nicht versteckt, klar gesagt, was ich fühle, was ich genau will, weiss ich nicht (habe ich auch gesagt und dazu gestanden) und, dass ich an Frau B. denke. Natürlich hätte ich sagen können, ach, vergiss es, das war nur ein kleines, unbedeutendes Abenteuer, völlig ohne Belang, ich liebe nur dich. Nein, so war das nicht. Nur eben diese heftigen emotionalen Schmerzen beim Gedanken an Frau Notos Wege. Vielleicht half es mir, durch den Schmerz zu gehen. Soll ja helfen, so las ich zumindest. Sollte sie ein Wochenende zu ihm fahren, dann gehe ich nochmal durch diesen Schmerz. Die Gefahr und die Chance habe ich. Frau Notos hatte sie nicht, weil ich sie schützen wollte. Ich bekomme es brühwarm mit. Ob sie sich traut?

Und im Grunde bin ich weiter, als zuvor, als noch alles im Geheimen lag. Die Dinge liegen auf dem Tisch, die Bedrückung daraus verschwand, mein Herz kann leichter schlagen, ich bin doch viel freier, freier, als jemals zuvor. Egal, was ich tue, ich mache es, ich kann es, ich darf es.