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Leider vorbei

Sie muss doch spüren, so wie es ist, geht es nicht. Der langjährige Austausch, fast nur virtuell, überlebte sich in der Form. Dabei höre ich ständig ihre Vorwürfe, mich nicht zu erklären, ihr es nicht zu erklären, mich dann zurückzuziehen, ohne Worte, ohne Gründe. Dabei lagen die Gründe und die Erklärungen lange genug vor, die ich mehrfach erklärte, nur es fehlt die Akzeptanz und das Einsehen.

Wann zieht man sich aus einer Freundschaft zurück? Bei mir, weil ich die Erwartungen nicht erfüllen will, weil ich nicht das bin, was sie sich erhofft. Weil mich der Druck zerrt und drückt, weil es sich nicht mehr frei, leicht und gut anfühlt, sondern wie ein Zwang, wie eine Verpflichtung. Wäre es eine Ehe, würde ich mich scheiden lassen, die Situation nehme ich als emotional-übergriffig war.

Wir tauschten unsere Gedanken lange und in toller Form aus, dabei schien sich der Austausch zu verformen, bei ihr in Erwartungen, bei mir in Abwehr, was ich nicht konnte, sagte ich nicht zu, sie bohrte und versuchte, hineinzudrücken, was nicht da wahr. Lange forschte ich, ob es nicht doch so sein könnte, war es aber nicht. Begriffe ließ ich stehen und zu, ein Fehler, wie sich herausstellte. Wut kehrte bei mir ein, aus Angst, mich nicht erwehren zu können, die Abwehr wurde deutlicher, stärker.

Nun will ich nicht mehr. Ich gab einen Termin vor, schlug vor, sich zu treffen. Ihr passte das nicht, weil es ihr zur Unzeit war. Mir jedoch zur rechten Zeit. Sobald es ihr zur rechten Zeit war, kam es mir zur Unzeit. Wie soll das gehen?

Trafen wir uns dann doch einmal, kam ich mir wie in der Defensive vor. Sie wollte Stille, ich einfach nur nette Treffen auf einen Kaffee oder einen Wein, keinesfalls ließ ich Gelegenheiten aus, zu betonen, wo bei mir die Grenze war. Öffnete ich mich dann doch, interpretierte sie es als Mehr, versuchte mich, rhetorisch zu widerlegen.

Mein Schweigen hatte Gründe, mein Schweigen war mir wichtig, ich war immer klar, sie wollte es nicht akzeptieren. Da blieb mir nur der Schnitt. Es tut mir noch nicht einmal leid, ich fühle mich erleichtert. Alles hatte seine Zeit und seinen Platz, nun ist die Zeit vorbei und ich will keine Projektionsfläche für Träume sein und mich dafür rechtfertigen müssen, wenn ich dem nicht gerecht werde.

Nun fühle ich mich traktiert mit Versuchen, ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Ich brauche keine weitere Stimme, kein Augenkontakt, es ist vorbei. Ich war böse und wütend auf sie, weil sie nicht verstanden und akzeptiert hat. Die guten Worte, die sie aus mir herausquetschen wollte, lassen sich nicht erzwingen, dafür fühle ich mich nicht schuldig.

Natürlich kommen Erinnerungen hoch an Zeiten, als ich mich für meine Entscheidungen und Gefühle schon einmal rechtfertigen musste, weil ich nicht in andere Muster passte, die ich besetzen sollte, für andere. Nicht noch einmal.

Miteinander reden, miteinander reden, ja, schön und gut, aber wann und wie? Sie geht ihren eigenen Zeiten nach, zu denen ich keinesfalls kann. Sie lebt ihren Schattentraum, den sie unbedingt aufrecht erhalten will, ich habe keine Lust, darin der Hauptdarsteller zu sein. Sicherlich  kann ich eine Zeit mitfühlend sein, das Gefühlsgefälle ist aber zu groß, ich mache emotionale Zugeständnisse, die mich Kraft kosten. Das will ich nicht. Darauf versucht sie, mich festzunageln, emotional unter Druck zu setzen, eine Gegenleistung einzufordern, mich macht das irre wütend.

Ich lasse ihr ihre Wut, sie hat ein Recht darauf, mit Liebe hat das jedoch wenig zu tun, sondern mit Egoismus und mit einem gehörigen Maß an Enttäuschung, weil ich nicht der bin, den sie so gern in mir gesehen hat.

Mag sein, ganz bestimmt, sie sieht etwas anderes, ich sehe das, was ich sehe, allerdings dies für mich in alleiniger relevanter Weise, die mein Maßstab ist. Nicht die mit Empathie verwechselbare Selbstaufgabe. Die Entscheidung liegt allein bei mir. Der Grund ist, nicht in eine Selbstaufgabe zu fallen, keine Erwartungen erfüllen zu wollen, die ich nicht einhalten kann. Mag sein, sie versteht es nicht, nun vielleicht ein bisschen mehr. Eine Freundschaft kann nicht grenzenlos sein.

Leider vorbei, weil ich die Gespräche mit ihr genossen habe, sie waren intelligent, einfühlsam, ausfüllend. Leider, aber leider am Ende für mich in der Wirkung nicht mehr zu ertragen, weil ich mich verbiegen hätte müssen. Schade.

Es ist gut so. Befreit fühle ich mich. Ich danke ihr für die gute Zeit.

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Frau B.

Frau B. ist die Geliebte, die Frau, dich mich so faszinierte, die mich aus der Reserve lockte. Ich schreibe in der unvollendeten Vergangenheitsform, obwohl nichts wirklich vollendet ist. Auch das „B“ hat keine Bewandtnis in Bezug auf Reihenfolge oder tatsächlichen Namensabkürzungen.

Ich möchte gern über B. schreiben, weil ich bislang so nichts wirklich über sie schrieb.

Am wichtigsten ist mir, zu sagen, wie wusste immer und zu jederzeit über meine Gedanken und Absichten Bescheid. Nie machte ihr etwas vor, log sie an, was irgendwelche Versprechungen oder derart anbelangt. Ich wollte meine Frau nicht verlassen, am liebsten wäre es mir, eine Art offener Beziehung hinzubekommen. Ich liebe meine Frau, aber ich liebe auch sie. Ihr war das klar, für sie war das in Ordnung. Nicht ganz natürlich, aber sie ließ sich bewusst auf die Situation ein.

Ich war schlussendlich der jenige, der mit den Angeboten von B. und Frau Notos nicht klarkam, unter dem Druck eingeknickt ist. Sie knickte nicht ein, weil ich mich nicht für sie entschied, sondern weil das Hin und Her so anstrengend wurde.

Ich fühlte mich wohl mit ihr, mit ihr zu reden, ihre Ansichten zu hören, oft impulsiv und unverhüllt. Sie ist sehr klar, keinesfalls übergreifend, grenzüberschreitend. Wir genossen es, miteinander zu sein, zu reden.

Und dann dieser Bruch, den ich als Rettung bezeichne.

Alles hätte gut laufen können, nicht einfach, aber vielleicht doch zunehmend einfacher und leichter. Ich litt darunter, sie nicht einfach zu besuchen und mir das zu nehmen. Leicht ist das Eingeständnis nicht, doch nicht so weit zu sein. Sie meinte, ich würde sie als Bedrohung empfinden, nicht in Bezug auf Frau Notos, sondern in Bezug auf mein Denken. Mag gut sein.

B. und ich provozierten einen Streit, um böse aufeinander zu sein, damit es leichter geht. Eine normale Freundschaft funktioniert zwischen uns nicht. Der Streit ist vordergründig.

Ungeschützte Anonymität

Fast zwei Jahre lang diente mir der alte Blog zur Seelenhygiene, mehr noch, auch zur Freude, zur Selbstentdeckung und zur Entdeckung von Offenheit und Vertrauen auch gegenüber fremden, mir gänzlich unbekannten Menschen, die mir jedoch sehr ans Herz wuchsen.

Als ich feststellte, wie mein altes Thema nicht mehr in den Blog passte, er mir zu eng wurde und ich ihn nicht durch sachfremdes sinnentfremden wollte, wechselte ich hierher. Ich begann, sicheren Tritt zu fassen, Themen aufzugreifen, die ich ins Tagebuch schreiben kann, die jeder wohl ins Tagebuch schreiben würde, um sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich zu machen.

Gerade in einen guten Tritt kommend, kam ich durch ein fremdes Bein ins Stolpern, das meinen Schreibfluss unterbrach, zudem gänzlich ohne Zutrauen, hierher das Geheime hinzuvertrauen.

Wohin mit alldem, das mich so sehr beschäftigte? Ins Tagebuch, und auch zu dem Menschen, den es insbesondere angeht, der einzige sichere und sinnhafte Adressat. Zudem gewann ich Zufall Zutrauen, der mir zutraute, mich in seine Tiefen einzulassen, um Halt zu finden, möglicherweise sogar einen Rat zu bekommen, mit seiner erschreckten Seele umzugehen.

Natürlich, ich beschreibe die natürlichste Weise, mit Gedanken umzugehen, mit anderen Menschen zu reden, die es angeht. Dennoch verzichte ich nicht auf den Blog, der mir einstmals so viel Halt gab und mich auch zu vielen anderen Menschen führte, die mir lieb geworden sind.

Nur das konkrete Schreiben will sich noch nicht wieder einstellen.

Alter Blog abgeschaltet

Meinen alten Blog schaltete ich heute ab. Der freie Zugang ist ab sofort nicht mehr möglich, zu viel von mir steht drin, ungeschützt. Glücklicherweise bieten die Einstellungen des Blogproviders die Möglichkeit, den Blog auf „privat“ zu stellen. Eine Exportmöglichkeiten zur Datensicherung ist ansonsten nicht möglich, beim Löschen wären alle Texte unrettbar verloren gewesen. Alternativ wäre mir das mühselige Herauskopieren geblieben, um die Texte zu sichern.

Schade eigentlich, sicherlich hätten sich noch einige Leser gefunden, die mit dem Text etwas hätten anfangen können. Mir scheint es aber sicherer, die Öffentlichkeit auszuschließen. Wenn jemand mitliest und ich von Person bekannt bin, ist es mir nicht so recht, zumal sich die Person über ein halbes Jahr nicht zu erkennen gegeben hat.

Schade. Im doppelten Sinne, um die Freundschaft und um den Blog. Ich bin einfach sauer aufgrund dieser Enttäuschung.