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Stillstand wäre der Tod

Stillstand wäre der Tod, oder nichts mehr spüren wäre ebenso der Tod. So sagt gern eine mir nahe stehende Person. Dennoch, warum muss das Spüren immer so schmerzhaft sein? Warum fühlt sich Fühlen so an, als schnitte jemand mit einem scharfen Teil in mir rum? Entweder sind es leise Flügelschläge, die sich auswirken, als hätte ich eine Cholik oder eben Angst oder Wut, die sich ungleich heftiger und schmerzhafter anfühlen.  Will man das? Oder eben lieber doch nichts spüren.

Zwei Zustände kenne ich, die mir äußerstes Wohlbehagen verursachen. Sex und Sport. Hinterher fühle ich mich wie neugeboren, leicht und ausgeglichen. Das mit dem Sport ist relativ leicht zu erzeugen, mit dem Sex, das ist schon nicht mehr so einfach. Sex an sich ist dabei noch das eine, aber diesen besonderen Zustand zu erzeugen wird schon schwieriger.

Meine Fantasie läuft davon und landet in deinem Bett, in dem wir liegen, erschöpft, glücklich, nass, heiss, die Körper aneinandergeschmiegt, die Hitze lässt sich kaum aushalten, das Voneinanderlösen aber auch nicht. Wir liegen, als wären zusammengewachsen, genießen, es läuft Musik, die unweigerlich in die offenen Gefühlsbahnen eindringt und sich unauslöschlich mit dem Glücksgefühl im Körper vermengt.

Dein Gesicht sieht kindhaft-glücklich aus, du bist vor Glück wieder das junge Mädchen. Du sagst von mir, ich sei glücklich, entspannt, wie sonst selten locker. Du sagst sogar, ich sei schön in diesem Zustand. Ich freue mich darüber, nicht über das Kompliment, sondern weil ich ausstrahle, was ich fühle.

Eine Bewegung des anderen, und die Lust ist wieder geweckt, wir verschmelzen, so geht es Stunde im Stunde, die Bernsteinkirchturmuhr leuchtet herein, sie ist zunehmend besser vom Bett aus zu sehen und taucht den Raum in ein märchenhaftes Licht.

kirche

Es war kein Traum. Ich vermisse dich, ich vermisse das Licht, diese Musik, diesen rauschhaften Zustand. Auch die Erinnerung tut weh. Diese Momente sind schwer zu beschreiben, weil ich sie hergab, aus Angst, sie zu verlieren. Mir schnürt sich der Hals zu.

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Ein Blick in mein Seelenleben

Vor gar nicht so langer Zeit lebte ich nur im Außen, meine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit nach der Aufdeckung der Beziehung zu Frau B. und der nun folgenden Reaktion von Frau Notos beeinflusste mein Leben in außerordentlichem Maße so einschneidend, dass ich nicht mehr Herr im eigenen, inneren Haus war. War ich bis zu der Aufdeckung und noch einige Zeit danach einigermaßen im Gleichgewicht, so änderte sich das total. Meine Handlungshoheit war verloren. Zudem war es sicherlich ein Fehler, meiner Frau auch noch diesen Blog zu zeigen. Eine Freundin warnte mich davor, aber ich ließ nicht ab. Grund für diese Offenbarung war ganz bestimmt der Gedanke, wenn ich sie in meine Gedankenwelt einbeziehe, würde sie mich verstehen. Der Gedanke war richtig, sie verstand mich sehr gut und reagierte auf die einzige für sie richtige Weise.

Die folgende Zeit war der Horror. Nicht in erster Linie wegen dem, wie sie reagierte, sondern weil ich nicht mehr bei mir war, mir nicht genügte, dem etwas entgegen zu setzen. Gelassenheit, Abwarten und eigene Wege wären der richtige Weg gewesen. Oder besser eigene Handlungsmodelle zu entwickeln, mich abzugrenzen, mich zu schützen. Statt dessen ließ ich meine Frau nicht mehr aus den Augen.

Unablässig bedrängte ich Frau Notos nach Erklärungen, ich wollte reden, wissen, alles rauslassen. Sie wollte nicht, sie machte ihr Ding und ließ mich außen vor. Sie bedrängte nicht mich, sondern ich sie, was nach Lage der Dinge eigentlich anders hätte sein müssen.

Ihr Schweigen und ihre Art, zu reagieren machten mich wahnsinnig. Ich hatte Angst, sie zu verlieren, was ja eigentlich Quatsch war, weil ich sie eigentlich schon längst verloren hatte. Schon vor Frau B. war das so, sie wollte nicht, ich erreichte sie nicht. Irgendwann einmal beklagte sie sich, ich sei ein Egoist, mein Interesse und meine Energie nehme ich aus der Angst, sie könne gehen und drehe sich nur um mich.

Ganz vorsichtig optimistisch beruhigte sich meine Gefühlslage. Einerseits, weil die Bedrohung und die akute Gefahr ein wenig gebannt scheint, andererseits, weil ich mir vorstellte, was im schlimmsten Fall passieren könne.

Der schlimmste Fall wäre, sie vögelt voller Vergnügen und Lust mit einem anderen, hält mich hin, ich lasse es geschehen, leide und reagiere nicht. Diese Situation stelle ich mir vor, nicht in allen Einzelheiten, aber ich frage mich, könnte ich damit umgehen? NEIN. Könnte ich hoffentlich nicht, nicht umgehen, sondern handeln. Vor Wochen konnte ich es nicht. Aber nun. Das macht mir ein wenig Mut.

Abhalten und einsperren kann und will ich sie nicht. Aber Offenheit kann ich erwarten, damit ich damit umgehen kann. Ich glaube, die kann sie mir nicht geben. Offenbar, um mich zu schützen, in Wirklichkeit aber wohl, weil sie selbst ein schlechtes Gewissen hat und sich schützen will. Sie hat aus Rache mit ihm geschlafen, nicht aus Liebe. Reden will sie darüber nicht, aber es muss irgendwie schief gegangen sein.

Würde sie ihn wieder besuchen wollen, wäre ich Stand heute jedenfalls viel ruhiger und gelassener. Toll fände ich es nicht, aber ich könnte sagen, sie zeigt mir Vertrauen, davon zu erzählen. Soll sie fahren und eine gute Zeit haben. Auf die Gefühle, die dann bei mir kämen, müsste und könnte ich mich einstellen, hoffentlich ruhiger und weniger verzehrend als beim letzten Mal. Dieses Mal sehe ich darin meine Chance, mit meiner Angst umzugehen, sie nicht zu bekämpfen und woanders hinzutragen, sondern zu sehen, auch im schlimmsten Fall werde ich nicht verzehrt, weil ich mich rette und die Kraft dazu habe, mich nicht ausliefere, nicht leide, nicht erdulde, nicht aushalte, sondern für mich sorge, tue, was mir gut tut, und nicht zuerst schaue, was ihr gut tut, so, wie ich es bei meiner Mutter lernte.

In meiner Kindheit lernte ich diese gelassene Sicht nie kennen. Meine Mutter hätte meine Ängste nur noch mehr verstärkt und zu ihren Ängsten gemacht. Das wusste ich, deshalb berichtete ich nie von Krisen, weil das alles noch verschlimmert hätte. Meine Mutter ist und war viel zu unsicher und unreif, um damit hätte umgehen zu können, mir ein Trost und eine Stütze zu sein. Nur als Kind wusste ich das nicht, vielleicht instinktiv, aber ich war ihr mit ihren Ängsten ausgeliefert. Die Verunsicherung niestete sich bei mir ein, ließ mich nie ganz wieder los.

Warum ich von Frau B. nicht erzähle? Weil ich aus Angst, meine Frau zu verlieren, den Kontakt abgebrochen habe.  Wo all die Gefühle und Träume und Sehnsüchte hin sind? Keine Ahnung. Versteckt, irgendwo in den Tiefen meines Herzens.

Ich bin froh, dass das alles so weit ist, wie es ist. Mein Körper und meine Seele reagieren mit Erschöpfung, ich bin müde und ohne Schwung, ausgelaugt, suche Erholung, ohne mich erholen zu können. Ich suche meine Frau, seit langem, ich wünsche mir, dass wir miteinander schlafen, innig, ohne das Gefühl, eine Pflicht erfüllt zu bekommen. Suche ich meine Frau oder eine Frau, eine Frau, mit der ich meine Sehnsüchte leben kann, Nähe und Abstand, Sex und Zärtlichkeit, Reden, Sprechen, Angenommen sein, Zuneigung, aber auch Distanziertheit und Auseinandersetzung, Angekommen sein.

Die Ereignisse zeigen mir, wo ich emotional eigentlich stehe, mir fehlt die Unabhängigkeit und mir fehlt die Freiheit zu sagen, ich gehe, aus Angst vor dem Schritt in die Freiheit. Es wird sich zeigen.

 

 

Freiheit ohne Schuld

Meine Freiheit zu leben, mein Leben zu leben, klappt scheinbar nicht ohne Schuld. Wie nennt man es, ist es protestantisch, oder calvinistisch? Ich lebe ein recht schlichtes Leben, versuche meine Pflicht zu erfüllen, gräme mich bei Fehlern, geißele mich mehr, als jemand anderes, kein Pomp, kein Gloria, nicht zu viel Gutes, weil das ja nicht opportun ist.Schuld

Die Beziehung zu Frau B. war schon das Äußerste, nein, das war zuviel, über die Grenzen hinweg. Ich habe mir etwas herausgenommen, was nicht geht, das bestraft gehört, meine Großeltern hätten es nicht geglaubt, was ich da getrieben habe. Dabei kam es mir so vor wie das Lebenselixier, an dem ich lebensverlängernd nippen durfte.

Frau Notos brauchte es danach. Ich musste es dulden, aushalten, weil ich selbst das Gleiche tat.

Und nun? Was passiert jetzt? Alles mit Wunden und Narben überstanden. „Hurra, wir leben noch“, oder was? Aber was gab es daraus zu lernen? Betrügen lohnt sich nicht, dann besser sofort trennen, als Gefühle zu verraten. Sei ehrlich zu dir selbst und denen, die dich lieben, notos.

Ja, okay, aber was kommt jetzt? Der graue, calvinistische, selbstbezichtigende, graue, lebensausschließende und geißelnde Alltag? Was passiert, sobald sich der Pulverdampf verzogen hat, die Wunden gesäubert und geheilt sind?

Will ich das alles entdecken und nicht in der Lage sein, zu reagieren? Allein schaffe ich das nicht. Ich will keine Parallelpartnerschaft, ich will eine romantische Partnerschaft, auch gern mit Stuck und Goldreliefs, nicht unbedingt eine graue, protestantische Beziehungskirche, in der Wasser und Brot gepredigt wird.

Ergänzung:

Lust auf andauernde Promiskuität in selbstzerstörerischer Form schwebt mir als Lebensinhalt nicht vor. Abenteuer und Eroberungen sind nicht mein Ziel. Soviell weiss ich jetzt. Sex der Quote und der Erotik um ihrer selbst willen geht bei mir nicht. Schon mal nicht schlecht, das zu wissen. Ich ahnte es schon immer, nun weiss ich es.

Mich schockt nur gerade die relative Unfähigkeit mir mein weiteres Leben vorzustellen. Ich bin 51 Jahre jung, 2 der 3 Kinder gehen aus dem Haus, Job ist irgendwie durch, alles läuft soweit… und jetzt? Soll ich Blumen züchten? Und verdammt, ich bin frei, aber die Freiheit macht mir Angst, will ich Freiheit? Frau Notos hat kein Problem damit, wenn ich meinen Raum ausfülle. Will ich vielleicht eine Frau, die mir einen Rahmen setzt? Was für Gedanken…

Auseinandersetzung lernen

Dinge beim Namen nennen, ohne Umschweife, ohne sie zu verwässern, aus der eigenen Wahrnehmung, aus dem Bauch heraus, ohne zu Taktieren, ohne zu Manipulieren. Um für mich einzustehen.

Die Lernchancen in der Gruppe. Die Gruppe wirkt.

„Wie setze ich mich mit jemandem auseinander?“ „So, wie es hier gerade abgeht.“ Auch mal sagen, „du hast mich mit deinen Worten verletzt.“ Du bist ein netter Mensch, aber warum bist du so oft eine so fiese Zicke?“ Sagen und stehen lassen, nicht verwässern, aushalten. Die entstehenden Gefühle wirken lassen. Wirken lassen im Bauch.

Aus dieser Auseinandersetzung entsteht mehr Nähe, als aus all diesen langen Jahren des Nebeneinanders.

Meine Sorge, korrumpiert mich die zwangsläufig entstehende Nähe und nimmt mir die Möglichkeit für die Klarheit? Aus der vermeintlichen Verpflichtung der Nähe? Er/sie ist nett zu mir, also darf ich nicht meine Meinung sagen, weil sie „gegen“ den anderen gerichtet ist?

Die Lernchance der Gruppe.

Unemotional

In meiner neuen Gemeinschaft kam ich recht schnell an. Gleich beim ersten Mal erzählte ich von meiner ambivalenten Situation in meiner Beziehung.

Die Reaktionen der neuen Bekannten war sehr vielfältig. Einige in der Gruppe waren regelrecht erschreckt über meine Offenheit. Gleich beim ersten Mal die Hosen runter in der Deutlichkeit, das verunsicherte. Wie ich überhaupt dazu käme, so viel erzählen, ohne zu fragen, ohne die anderen kennen zu lernen? Ich wollte mich gleich beim ersten Mal öffnen, mich zeigen und mit offenen Karten spielen.

Überwiegend Frauen sitzen in der Runde, zwei neue Männer kamen dazu, einer davon bin ich. Die neue Zusammensetzung bedeutet für die Altmitglieder Stress, auch in Bezug auf Eifersucht, weil die neuen Raum einnehmen, Themen beherrschen, sich nicht unterordnen.

Die Wirkweise einer solchen Gemeinschaft setzte sich bei mir bisher nicht fest, ich war gespannt und neugierig, als ich dort einstieg. Mittlerweile muss ich sagen, die Dynamik, die dort entsteht, geht in die Tiefen der Psyche und setzt sich dort fest, mehr, als in einem Gespräch unter Freunden oder Bekannten. Tief im Herzen und im Kopf entfalten die Worte bestimmte Kräfte. Bis es dazu kommt, entstehen auch viele Zweifel und Unrundheiten, wie am letzten Termin.

Ich erzählte von Frau Notos und ihrer Geschichte. Einige Gruppenmitglieder zeigten eine starke Entrüstung über meinen fast emotionslosen Bericht, sie bemängelten meine recht gefühlslose Erzählweise, die sie wohl irgendwie wütend macht. Mich irritierte dies sehr. Immerhin nahm ich allen Mut zusammen, um mich da zu offenbaren, viel mehr Kraft für Emotionen hatte ich nicht, zumal ich meine Scham überwinden musste, das alles rauszulassen.

Noch schwanke ich sehr zwischen Weitermachen und Aufhören. Warum tue ich mir das an, auf diese Fragen eingehen zu müssen? Ich nehme diese Beobachtungen als Kritik an meiner Person wahr und reagiere mit Zurückziehen. Immerhin steht ein Thema für die nächste Runde fest, eben dieses anzusprechen.

Männlichkeit

Noch vor einigen Jahren war das Leben nicht einfacher, auf jeden Fall aber anders. Da galt es, einen Beruf zu erlernen, den richtigen Beruf zu finden, sich dort zu etablieren, möglichst Ziele erreichen, um Karriere zu machen.

Gleichzeitig kamen die Kinder, Haus und Hof forderte einen obendrein, wobei allein für die Kinder schon ein eigenes oder mehrere Kapitel zu erwähnen wäre. Die Ehefrau wühlt voll mit, zu Hause allemal mehr, jeder der beiden Partner erfüllt mehrere Aufgaben und Rollen zur gleichen Zeit.

Jeder erfüllt seinen Part, bemüht sich um Perfektion. Allein, wie meine Frau über Jahre für drei Kinder jeden Tag gekocht und getan hat, nötigt mir allergrößten Respekt ab. Das ist der absolute Wahnsinn an Leistung, die überhaupt nicht hoch genug noch gelobt und anerkannt werden kann. Ja, ich sagte es ihr.

Die Kinder sind wohlgeraten bzw. geraten noch. Das Haus bedarf irgendwie eines Updates, nicht größer, sondern eher kleiner oder anders. Der Job muss auch irgendwie anders gestaltet werden.

Vorallem die Beziehung jedoch, die jahrelang litt und sich nicht so recht in die sorgenfreien und luftigen pränatalen Zeiten anschließen will, bedarf neuer Betrachtung und Pflege. Da blieb doch eine Menge auf der Strecke. Ich möchte wieder miteinander, als nebeneinander. Nur, geht das mit der Frau, nur geht das mit dem Mann, die/der mitunter andere wurden? Still und heimlich nebeneinander her? Will ich die Sehnsucht leben, bleibt die Sehnsucht nur dies und ohne Aussicht auf Wirklichkeit oder ist das, was ist, das, was auch nur sein kann?

Eine andere Liebe, kann sie die Lösung sein? Oder ist dies keine Lösung, sondern ein vorgescheiterter Weg?

Ist primär an ganz anderer, unerwarteter Stelle zu suchen? In mir selbst? Muss ich den Mann zuerst in mir suchen, der ich sein will, um er zu sein, muss ich den verdrängten Vater suchen?

Mein Kind suche ich schon länger, bin da schon viel weiter. Aber der Vater, der zwar da war, aber nie so richtig präsent und mir nicht zeigte, was ein richtiger Mann ist, will doch auch innere Anerkennung.

Klar, mein Vater zeigte mir, wie ich einen Bohrer halten muss, wie ich mein Fahrrad sauber halte, dass ich nicht weinen soll, sofern das mit dem Bohrer nicht klappte und ich den Finger traf. Das war für mich Männlichkeit. Auch das Zurückpoltern, wenn meine Mutter ihm zu nahe kam, das Zurückweisende, das nicht Auffangende.

Was mir von da früher, in meiner Jugend fehlte, ist das Haltende und Offene, das Empfindsame, das ruhig Überlegte. Fehler machen zu dürfen und zu müssen, daraus zu lernen, dazu stehen, die Verantwortung übernehmen, es das nächste Mal besser machen und nicht  an Perfektionsdenken zu scheitern.

Das ist Männlichkeit, das lernte ich, selbstbeigebracht, aber nicht anerzogen. Ein enhimmelgroßer Unterschied bedeutet es, die Umsetzung erfolgt nicht selbstverständlich.

Ich weiss, ich kann das, dachte nur immer, das wäre falsch, zu weich, zu unmännlich. Gelernt habe ich das mittlerweile, nur nicht von meinem Vater, den ich irgendwie ablehne, weil ich es auch so vorgelebt bekommen habe. Die Mutter hat am Ende recht.

Nun geht mir auf, wie wenig ich mir erlaube, männlich zu sein. Ist mir das überhaupt wirklich bewusst? Verwechsele ich Männlichkeit mit Hart sein oder sogar Brutalität? Nein, bei mir ist es eher „ein der Mutter gerecht werden“. Eine fiese Erkenntnis, ich bin oder war mutterorientiert.

Welche Auswirkungen dieses Muster auf die Liebes- und Beziehungsfähigkeit hat, lässt sich mehr als nur erahnen, sondern in der einschlägigen Literatur nachlesen.

Ein weites Feld, das ich mir anschauen muss. Bis dahin will ich aber nicht auf eine liebevolle Beziehung verzichten. Ich weiss noch immer nicht, ob das mit meiner Frau geht. Aber geht es mit einer anderen Frau? Ist das eine Lösung? Bin ich wieder zu streng mit mir? Fand ich nur wieder ein neues Feld, um mich vor Entscheidungen zu drücken (unmännlich)?

Was ist tatsächlich männlich?

Mail an die Eltern

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Als Elternvertreter nutzte ich die Möglichkeit eines eMail-Verteilers einen Brief an die Eltern der Klasse zu schicken, um mein Unbehagen, meine Sorge und meine Fragen zu veröffentlichen.

Ein wenig Mut gehörte dazu, mich zu „outen“, aber möglicherweise sind einige andere Eltern ja froh, sobald ein anderer den Mund aufmacht und aufschreibt, was sie selbst vielleicht im Stillen denken.

Lange nachdenken musste ich nicht, die Worte flossen mir in die „Feder“ und schwups, war die Mail raus. Nun warte ich auf Resultate und Antworten. Zwei Mails erhielt ich, die mir im Grunde meine Meinung bestätigten und diese gewisse Ratlosigkeiten mit den schulischen Anforderungen teilen. Patentrezepte gibt es keine, darüber reden kann aber helfen.

Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein, weil nun Konstruktives entstehen kann und wenn es auch nur ein Elternabend wird, zu dem ich die Fachlehrer einlade.