Schlagwort-Archive: Liebe

Verliebte Tochter

Natürlich bin ich auch schon sehr stolz auf sie, aber eben auch erschrocken, sie ist nun zwar noch immer die jüngste Tochter, aber nicht mehr die Kleine. Wie soll ich das beschreiben, warum das so nicht ganz leicht ist? Es stellt einen Abschied dar, der ist traurig.

Gleichzeitig bin ich aber auch stolz und froh, wie offen sie ist, die Kommentare greifen das auf.

Gestern gab es eine neue Wendung. Die Tochter ging zu meiner Frau und zweifelte an der Sinnhaftigkeit. Sie philosophierte mit ihr. Was das denn heissen würde, mit jemandem zu gehen, den sie doch im Grunde nicht richtig kennen würde. Quatsch sei das doch, sie müssten sich doch erstmal kennen lernen. Nein, sie wolle sich doch nicht festlegen. Sie wolle nun mal abwarten.

Ob es morgen zu dem Besuch kommt, weiss ich nicht. Mir gegenüber erzählt sie davon nichts, ich drängele sie auch nicht. Aber schon toll, wie sie reflektiert und darüber sprechen kann. Ich konnte das mit 14 Jahren nicht. Darüber bin ich sehr froh. Gleichzeitig schaue ich wehmütig zurück, wie wäre es gewesen, wenn ich es gekonnt hätte? Bestimmt ist das ein tolles Gefühl, sich so aufgehoben in der Welt zu fühlen, sich zu Hause so wohl zu fühlen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Advertisements

Glück, Tränen und Idioten

Diese Zitate verdienen es, festgehalten zu werden.

„Glück macht keine guten Geschichten. Glück lässt sich nicht beschreiben.“

„Glück malt man mit Punkten. Unglück mit Strichen. Du musst, wenn du unser Glück beschreiben willst, ganz viel kleine Punkte machen, wie Seurat. Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen.“

Georges Seurat 035

Georges Seurat 035 (Photo credit: Wikipedia)

„Ich dachte an das Kind, an das sechs Zentimeter große, unbekannte Kind, das ich nicht gewollt und das ich verloren hatte. Es hatte keinen Namen und kein Gesicht. Ich wusste nicht einmal, ob es ein Junge oder ein Mädchen gewesen war.“

„Ihr Männer seid Idioten, sagte Louise, ihr könnt nur lieben, wenn ihr zurückgestoßen werdet.“

aus: Agnes, von Peter Stamm

Glück spüre ich nicht, erst dann, wenn es vergangen ist, dann sehne ich mich nach dem Moment zurück. Vielleicht spüre ich Glück schon, nur ich traue dem Zustand nicht, weil er so flüchtig ist, erst dran gewöhnt, schon wieder verschwunden, das Ausblenden könnte den Verlustschmerz verhindern. tut es aber nicht. Der Abstand erst ermöglicht mir in bitterer Weise den Blick auf das vergangene Glück.

Das verlorene Kind brachte mich aus der Fassung. Unverhofft und heftig. Im Zug, unter fremden Menschen.

Tja, Männer sind keine Idioten, sie wurden zu braven Schoßhündchen erzogen. Im späteren Leben müssen sie sich der allmächtigen Mutter entledigen.

Ich als Vater mit dem Sohne

Die letzten Artikel schrieb ich als Sohn, heute schreibe ich als Vater, weil ich mit meinem Sohn eine Woche auf Mallorca war.

Wir hatten vor, eine paar Tage gemeinsam die Insel zu erkunden. Da wir beide gern fotografieren, bot sich eine Reise dorthin an. So oft hatte ich ihm von dem tollen Licht im Frühjahr vorgeschwärmt. Nun hatte es endlich geklappt. Die Reise hatte aber auch für mich noch einen anderen Sinn, ich wollte unbedingt mit meinem Sohn alleine verreisen, nicht, um große Dinge zu erzählen, sollte es dazu kommen, gern, würde es nicht dazu kommen, will ich es nicht erzwingen. Auch ungesagt kommen Dinge rüber.

Leider erwischten wir wettermäßig ausgesprochen ungünstige Tage, weil es bedeckt war und teilweise regnete. Fotografieren ging nur im Graubereich. Dafür  funktionierte das Zusammensein ausgesprochen gut. Die Zeit fühlte sich leicht an, ich konnte meine Vaterrolle insoweit abstreifen, dass ich nicht vorangehen musste. Ich ließ ihn gewähren, hielt mich zurück. Ein sehr gutes, neues Gefühl. Ich denke, für uns beide. Für ihn, um zu sehen, dass ich auch entspannt sein kann und nicht dieses Vaterdings mit mir rumtrage, für mich ebenso.

Sicherlich fehlte mir ein Gesprächspartner für mein Inneres, das stellte ich schon zurück, weil ich merkte, wie wenig er darauf anspringt, er ist und kann an der Stelle kein „Gegenüber“ sein, das geht wohl (noch) nicht.

Wir lernten Leute kennen, nicht nur oberflächlich, sondern schon mit intensiven Gesprächen. Er nahm daran teil, was ich gut fand, weil er die Offenheit und das Vertrauen anderen gegenüber annehmen konnte.

Jedenfalls hat die Reise gut getan. Für meinen Teil würde ich das wiederholen. Er fand Gefallen an der Vorstellung, es auf Mallorca wandernd zu versuchen. Nix mit Ballermann, sondern Natur interessiert ihn. Also sind seine Tränen, als er mit Frau Notos und mir in den Bergen war, gut getrocknet.

Ich spürte auch, wie sehr ich ihn liebe. Manchmal konnte ich ihm kaum ins Gesicht schauen, so stark war das Gefühl. Dort auf dieser Insel begegne ich meinen Gefühlen. Nicht immer halte ich sie gut aus. Warum halte ich diese an sich positive, aber doch sehr starke Gefühl nicht so gut aus?

Wünsche und Träume

So ganz am Jahresanfang gehen den Menschen Dinge durch den Kopf, die landläufig als gute Vorsätze tituliert werden. Ganze Magazine im Fernsehen, in Zeitungen und Zeitschriften sind voll davon. Die einen beschreiben den Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, die anderen beschwören sich damit, abzunehmen oder bessere Menschen zu werden, mehr Geld zu verdienen, weniger zu arbeiten oder was auch immer.

Ich möchte meine Gefühle leben, Gefühle zeigen, Sinnleichtkeit, Melancholie und Romantik, die ohne Forderung erwidert werden und sich im Gleichklang mit meiner Partnerin befinden. Aus sich selbst heraus, als Selbstzweck, im Wissen um die Gleichartigkeit und Gleichwertigkeit trotz individueller Unterschiedlichkeiten.

Vorallem, und das ist ganz wichtig, ich möchte mich deswegen nicht verstecken müssen, wenn ich mich ausgedrückt habe. Noch immer nehme ich eine Portion Schuld wahr, sobald ich mich positioniert habe.

Weltuntergang und Armageddon

Das Leben besteht ab einem bestimmten Alter aus Warten und Hinnehmen. Wenig neues bereitet Erstaunen und Lust. Alles schon mal dagewesen. Je häufiger, desto schneller vergeht die Zeit. Die Bereitschaft, dem ein Ende zu bereiten und neue Ufer zu erkunden sinkt.

Wäre da ein erzwungener Neuanfang nicht gerade das Richtige für unentschlossene Menschen, wie mich? Der im Stillen lieber weiterleidet, aus Angst vor Leid. Warum bereite ich meinem Leiden kein Ende? Nicht durch Ablenkungen.

Morgen könnte so ein Tag werden, an dem ich die Notwendigkeit dringlich vor Augen geführt bekomme, aber dennoch nichts tue, weil die Liebe da ist, aber die Leidenschaft nicht mehr.

Ist es Zufall, dass Leid und Leidenschaft den gleichen Wortstamm haben, aber so unterschiedlich bewertet werden? Liebe hat ähnliche Buchstabenkombinationen.

Vor einem Jahr

Mittlerweile sind schon wieder 12 Monate vergangen. Genau vor einem Jahr war es, als diese verräterische SMS gelesen wurde und ich viel zu bereitwillig Auskunft darüber gab. Das Geheimnis um Frau B. war enthüllt. Heute wundere ich mich darüber ein wenig, warum ich ohne allzu große Not Einblick in dieses Geheimnis gab, das ich doch zu gern noch länger gehütet und genossen hätte.

Der Druck war groß, das Schuldgefühl, aber auch der Entscheidungsdruck, dem ich nicht nachgeben wollte. Ich darf mir gegenüber nicht ungerecht werden. Ich wollte ja gar nicht wirklich. Für mich verlief alles gerade gut, nicht mehr und nicht weniger wollte. Dennoch drückte mich das Gefühl, meine Frau und Frau B. nicht gleichzeitig zu hintergehen.

Verlieben und Aktien kaufen

Zugegeben, der Titel mutet fremd und provokant an. Soll er auch, dennoch haben beide Handlungen miteinander zu tun, wobei verlieben eigentlich keine Handlung, sondern mehr ein Zustand ist.

Kaufe ich ein Aktie, so geschieht dies aus dem Zustand der Erwartung heraus, wie sich der Kurs entwickelt, wie sich die Firma entwickelt und ob möglicherweise sogar in Zukunft eine Dividende gezahlt wird. Ob dies eintrifft, wird mir niemand sagen und garantieren können. Im günstigsten Fall lese ich die Geschäftsberichte über die Firma, deren Bilanzen und kann gewisse Vorausbetrachtungen der Marktchancen anstellen. Egal, wie gut und fundiert ich informiert bin, eine Garantie auf die Einlösung der Erwartungen wird es nicht geben. Mehr noch, auch entgegen aller Ratschläge und Vorausinformationen werde ich möglicherweise dennoch eine Aktie kaufen, wenn ich überzeugt davon bin, dass alle Erwartungen positiv eintreten werden, weil ich eine Vision habe, weil die AG ein tolles Produkt oder sonst was hat, was mich kirre macht, was meine Illusionen, meine Fantasie und mein Bauchgefühl anheizt.

Im Grunde ist es doch mit der Liebe genauso. Ich sehe eine Frau, verliebe mich und bin geliefert, auch wenn mir der Verstand und alles sagt, lass’ das mal besser. Sobald sich der Bauch oder Herz einschaltet, ist der Mensch geliefert.

Aber was passiert da genau? Da kommt ein Mensch auf mich zu und meine Synapsen und Schalten sind komplett abgeschaltet, es läuft nur noch das Notprogramm und so ein archaischen Programm, das mich im Zweifel bis zum letzten Luftholen irgendwo hin treibt, dessen Ziel ich nicht kenne. Ausnahmezustand! Aber warum? Weil diese Frau etwas an sich hat, das mich und meine Fantasien derart beflügelt, mich ausser Rand und Band bringt. Ganz bestimmt eine Erwartung auf Erfüllung von Vorstellungen schürt. Worte, Berührungen, Klang der Stimme, das Lächeln, die Augen, die Figur, die Bewegung löst eine Welle von Projektionen aus, deren Folgen ich kaum noch steuern kann.

Es kann sogar sein, dass sie ganz anders ist, all die Verheissungen nicht erfüllen kann, ich sie auf einen Sockel stelle, nur weil sie bestimmte äußere Attribute hat, die mein Prinzessinen-Bild voll und ganz erfüllen. Egal, die Hormone sind so unter Dampf, die interessiert das nicht, die treiben mich zum Äußersten und die Angebetete in die Olymp der emotionalen und erotischen Erwartungen.

Die ersten Begegnungen und auch die Folgenden verlaufen ganz im Sinne der „prognostizierten Kursverläufe“, dann wird’s schwierig oder sogar nachgeordert, alle Portfolien aufgelöst, um das Neue finanzieren zu können. Der 7. Himmel ist nah.

Wie auf dem Aktienmarkt ist auf dem Liebesmarkt aber auch schnell ein Ende abzusehen, je steiler die Erwartungen, desto steiler kann das Abrutschen einsetzen. Die Enttäuschungen, Verluste und Schmerzen sind groß, Streits vorprogrammmiert. Vorteil in der Liebe, die Partner können sich zusammenraufen, reden, verhandeln, eine nächste Entwicklungsstufe erreichen, raus aus der Verliebtheit, raus aus dem Bullenmarkt, rein in die Zündung einer Raketenstufe der Realität.

Soll ich deshalb lieber auf Aktienfonds setzen, so im Sinne einer besseren Streuung der Risiken?