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Gantenbein aufgesessen

Nun schreibe ich über Gantenbein und den ungewöhnlichen, unbequemen und außergewöhnlichen Erzählstil, beklage mich, warum beklage ich mich?

Weil Frisch es mir nicht einfach gemacht hat, den Sinn zu entdecken und den Roman nicht einfach nacherzählen zu können. Weil das Lesen schwer ist. Er hat mich provoziert, insbesondere seine Rollenaufspaltungen, die Erzählweise und die Sprünge.

Lange beschäftigte mich ein Roman nicht, wie dieser. Na gut, ich sage nicht, dieser Roman ist doof, weil er kompliziert ist.

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Gantenbein ist zu Ende

Ich bin wahrlich kein Schnellleser, aber bei Gantenbein tat ich mich noch schwerer, als sonst. Jede Seite, jedes Wort und jeden Buchstaben las ich. Nun bin ich (endlich) durch mit dem Buch. Ehrlich, gern gelesen habe ich es nicht, sondern rein aus Interesse, um zu verstehen oder es zumindest zu versuchen, was Frisch sagen will. Am Ende war ich mir nicht sicher, ob ich die Botschaft verstanden habe.

Zwischendrin fand ich einige wunderbare Lebensweisheiten, die sich als Zitat eignen und das Miteinander von Mann und Frau angeht. Meine Motivation, mich durchzukämpfen, war auch geprägt von der Suche nach diesen Zitaten.

Warum muss die Sprache so sperrig sein, warum muss Schrift so klein und eng sein? Okay, die Sprache ist ein Stilmittel, aber nicht mein Fall. Die ständigen Personenwechsel ebenfalls nicht, zumal mir nie klar war, ob alles Fiktion oder Wirklichkeit ist. Frisch war sich darüber auch nicht wirklich sicher. Schön zu wissen, beim nochmaligen Lesen wäre ich damit einen Schritt weiter.

Seine -fiktiven- Personen malen sich Geschichten aus. Ein Mann mit Erfahrungen braucht eine Geschichte, sagt Frisch am Anfang. Es geht um eine Frau, Lila ihr Name und wie er an sie herankommt, sie nicht wieder verliert.

Er selbst wird am Anfang verlassen. Stimmt das? Dachte ich mir so und dann versucht er, mit einer neuen Identität und seiner Blindheit eine Traumfrau zu halten, was ihm nur solange gelingt, als er sich nicht offenbart. Später macht sie Schluss. Alle seine imaginären Identitäten bringen ihm keinen Vorteil, sein Leben ist sein Leben und am Ende kann er es wohl auch akzeptieren.

Der letzte Absatz des Buches ist sehr versöhnlich, er sagt sogar – „das Leben gefällt mir“ – Facebook wird er noch nicht kennen.

Die vielen Bilder und Gleichnisse sind mir ein Rätsel geblieben, gerade auch im letzten Absatz des Buches. Meint er, wie er wieder in der Gegenwart, in der Realität ankommt? Bedeutungsschwangere Worte, wie „rote Schollen der Äcker über den Gräbern“, „dunkel das Herbstmeer“, „staubige Disteln“. Wofür mag er sie verwenden? Was meint ihr?

Ich muss mal sehen, vielleicht lese ich Gantenbein nocheinmal, nicht jetzt, später, vielleicht erinnere ich mich eines Tages an das Buch. Dann.

Mir brachte es die Erkenntnis, nichts ist so wertvoll, wie die Gegenwart, genieße jeden Wein, jedes Essen, jedes Gefühl. Fiktionen sind wie Gräber. Soll ich aber ohne Träume leben? Nein.

Von Liebe keine Ahnung

Freibad Letzigraben Pavillon 1947 Max Frisch

Image via Wikipedia

Max Frisch schreibt in Gantenbein: „Noch jede Frau, dachte er, jede, die er umarmt hatte, fühlte sich geliebt; jede aber, die er wirklich zu lieben begann, sagte ihm früher oder später, das er, wie alle Männer, von Liebe keine Ahnung habe…“

Ein fantastischer Satz, der mich sofort elektrisierte, der sich wohltuend aus dem Getümmel von Gedankendurcheinander hervortut. Er zeigt für mich das Geschlechterdilemma in bester Manier. Ich kann diesen Satz voll nachvollziehen, immer dann, sobald ich Vertrauen fasste, ging irgendwas schief mit der Frau, sobald ich mich drauf einließ, fühlte sie sich erdrückt, stehengelassen mit einem schlechten Gefühl, etwas nicht verstanden zu haben, nicht zu stimmen, spüren diesen Vertrauensverlust andere Frauen später.

Klar, die Frauen nervt möglicherweise die unerwachsene Liebe der Männer, die Männer kommen hingegen nicht klar mit dem Wunsch der Frauen, eine Art Vaterersatz zu bekommen. Der Mann soll stark sein, aber was heisst stark? Jedenfalls nicht gemeint sind Muskeln, eher schon manche Gemütsschwankung der Frau zu ertragen, sobald sie ein Mädchentrauma verfällt. Mann soll das aushalten, aber wie, weil er sich plötzlich vor der keiffenden Mutter erschrickt. Das Geschlechterdilemma kondensiert an Kindzuständen von Frau und Mann. Hilfe, wann werden Frauen und Männer erwachsen?

Wieviel Vertrauen vermag ich aufzubringen, zu Lieben zu beginnen?

Erste Gedanken über Gantenbein

Ich war noch nie ein Schnellleser. Zudem lasse ich mich derzeit schnell ablenken und rutsche aus dem Lesefluss raus, ich bin unkonzentriert. Sich dann auf eine Lektüre, wie Max Frisch einzulassen, ist vielleicht nicht klug, allerdings zwingt mich das Buch in die Konzentration, also war die Entscheidung doch nicht schlecht.

Ich bin erst auf Seite 100, fange ständig wieder neu an zu lesen, dies liegt nicht nur an meiner Konzentration, sondern auch an der kleinen Schrift und den Gedankensprüngen von Max Frisch, die mir alles abverlangen, um ihnen zu folgen.

Soviel weiss ich, das Buch gefällt mir nicht, weil seine Gedanken kompliziert sind, einfach runterlesen lässt sich nicht. Allerdings werde ich es zuende lesen, weil mich manche seiner Aussagen faszinieren. Einige dieser „Fasziniertheiten“ schreibe ich mal gelegentlich gesondert auf.

Der Erzählstil wechselt von anschaulich bis zum Surrealen, zeitweise ist mir nicht klar, wo er sich befindet, dabei beschreibt er seine eigene Unsicherheit, so gesehen passt der Schreibstil, auch wenn er anstrengend ist. Das Buch werde ich sicherlich mehrmals lesen können und immer wieder neue Bilder und Gedanken und Deutungsmöglichkeiten entdecken.

Manchmal ertappte ich mich festzustellen, wie erleichtert ich bin, weil da jemand ist, der noch komplizierter denkt, als ich.

Eine Bettlektüre ist es nicht.

Peter und Max

Peter brachte mich auf die Idee, über meine derzeitige Lektüre „Mein Name sei Gantenbein“ von Max Frisch zu schreiben. Ich will das gern aufgreifen.

Viel zu schreiben gibt es noch nicht, weil das Lesen sehr schleppend ist. Gekauft habe ich mir das Buch, weil es um Identitätsfindung geht. Vor einiger Zeit suchte ich im Internet nach Büchern, die ich nicht kenne, ist gar nicht so einfach. Etwas zu suchen, was man nicht kennt, ist schwer, weil es dafür keine Worte gibt. Google schafft es noch nicht, nach dem Unbekannten zu suchen. Sucheingaben funktionieren höchstens über Umschreibung, die Resultate fallen dementsprechend zufällig aus.

Jedenfalls schmiss die Suche dann an einer Stelle Max Frisch aus. Na ja, nun lese ich das Werk.