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„Mann sein auf halber Strecke“

Am Montag strahlte arte die Sendung „Mann sein auf halber Strecke“ aus. In dieser Dokumentation geht es um sechs Männer zwischen 40 und 55 Jahren. Ihnen gemein ist die Suche nach sich, nach einem neuen Leben und ihren Krisen. Genauer gesagt, der Midlife Crisis.

Sie berichten über ihre Gefühle und wie es dazu kam, dass sie ihr altes Leben nicht mehr leben konnten. Die Worte und Gefühle berührten mich sehr. All das, was ich da hörte, kenne ich, hätte es nicht besser ausdrücken können.

Gerade Gérard, 55 Jahre alt, beschreibt sich und seine Entwicklung, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Seine Identitätskrise und die Gefühle mit den Rahmenbedingungen ist Bestandteil seiner Erzählung. Sehr angesprochen hat mich die Aussage, im Laufe der Zeit habe sich ein Druck aufgebaut, ein Weltschmerz, den andere nicht nachvollziehen konnten und der eine Fremdheit gegenüber sich selbst erzeugt. Je größer der Druck wird, umso stärker steuere ich dagegen. Bis plötzlich alles aus mir herausbricht.

Die Sendung kann noch ein paar Tage in der Mediathek angesehen werden. Wo? Bei arte. Dort gibt es einen Bereich „arte+7“, der ausgestrahlte Sendungen eine gewisse Zeit vorhält. Ich glaube, es sind sieben Tage. Es lohnt sich. Wer sich ein wenig damit auskennt, kann die Streams als Folge auf den PC herunterladen.

Familie und Verheissung

Vor gar nicht so langer Zeit lag die Zeit noch vor mir. Selbst noch jung, die Kinder klein, alles liegt ausgebreitet vor einem, gewisse Ziele. Vieles dreht sich um Kinder und Haus, das Leben ist geordnet, ich bete Frau Notos an, alles ist im Lot, allerdings lässt sie sich nicht hinreissen, mir alles zu geben, ich müsse mich mehr anstrengen, ich strenge mich mehr, ich denke, dass ich mehr anstrengen muss.

Zeiten und Zeichen von Frust und Wut unterdrücke ich, blende sie aus, weil, ja weil eigentlich, weil ich mir den Stellenwert nicht gebe oder weil ich es nicht besser kenne? Ich kenne es nicht besser von zu Hause, die Strukturen sind übernommen, nie infrage gestellt, im Gegenteil, ich mache es ja wie Großvater und Vater, das muss richtig sein, dies ist der Weg.

Kleinkinderzeit, Kindergarten, Schule, Kindergeburtstage, all das und noch viel mehr bestimmte den Alltag, auch den meinen, auch wenn ich im Büro war. Allenthalben, allumfassend, Familie, nur, ausschließlich. Wo blieben die anderen Gedanken? Welche?

Nun, plötzlich, liegt die Kinderzeit hinter uns. Plötzlich. Wie sollen wir eine Beziehung, wie Mitte Zwanzig führen? Wir haben uns verändert, sind reifer geworden. Allmählich reift die Überlegung, was denn Mitte Zwanzig zwischen uns war? Liebe, ja. Aber eben anders, geht das noch? Mannomann…

Genau die Zeit, die so verheissungsvoll vor einem lag, ist nun angebrochen. Aber was mache ich draus, weil ja die Kinderzeit der Kinder plötzlich vorbei ist? So ewiglich und unendlich lag sie vor, unvorstellbar, sie könne vorbei gehen, nun ist sie vorbei. Und nun? Das Ende kam doch plötzlich und sehr überraschend.

Es wird nicht meine Frau sein. Oder doch?

Meine Frau wird wahrscheinlich die sein, die mich ins Grab trägt. Warum kann ich mich nicht gegen sie entscheiden, obwohl alles andere so klar erscheint?

Diese Untersuchung, mit dem erschreckenden Hintergrund und dem entwarnenden Ergebnis, das nochmal umso erschreckte, als nach der Entwarnung doch Hintergründe gesucht und gefunden wurden. Warum muss ich immer alles so genau wissen?

Warnung: Nie jemals bei Anzeichen nach „Kalten Knoten“ und „Heissen Knoten“ googeln. Der Doc wird mir morgen etwas zu erklären haben.

Welches wird mein Weg sein? Oder ist es doch alles ganz anders? Ich werde nicht allein bleiben, aber wie geht es weiter, anders, als gedacht, wann kommt eine Entscheidung? Sie steht nicht an. Doch nicht. Noch nicht.

Ich dachte, die Midlife-Crisis sei vorbei, nein, sie beginnt. Ich war mir nie bewusster.