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Unangenehmes

Heute Morgen begegnete ich Frau B. Ich sprach sie an und ärgerte mich im gleichen Moment, dies getan zu haben. Sie stand an einer Ampel, ich kam von hinten auf sie zu, trat an sie heran und begrüßte sie. Meine Erwartungen an ihre Reaktion waren neutral, auch wenn ich zugeben muss, dass ich hoffnungsvoller war, als es sich dann ergab.

Ihre Reaktion war zwar freundlich, aber doch sehr verhalten und eher abweisend. Sie stellte die übliche Frage nach meinem Befinden und antwortete selbst auf meine entsprechende Frage mit „nicht so gut“. „Na, dann hätte ich dich besser nicht ansprechen sollen,“ entgegnete ich säuerlich enttäuscht. „Doch, doch“ verblieb sie.

Was habe ich erwartet? Schon eine andere, erwachsenere Reaktion, ihre Reaktion war kindisch. Aber mit mir machte es schon mehr, als ich zugeben wollte. Ich fühlte mich abgestraft, hatte Schuldgefühle, suchte bei mir und es dauerte eine ganze Weile, bis ich der Lage war, diese negativen Gefühle abzustreifen und nicht bei mir nach der Ursache zu suchen. Diese alten Muster, dass ich mich für die schlechte Befinden einer Frau verantwortlich fühle, wirken noch immer.

Begnet mir ein Mensch in meinem Umfeld mit schlechter Laune, greife ich sie auf, übernehme eine falsche Verantwortung, fühle mich verantwortlich, schuldig, als der Auslöser dafür.

Störend, sehr störend, aber immerhin erkenne ich die Folgen und, dass ich nicht verantwortlich sein muss, sondern sogar eher wütend, weil ich die Laune nicht übertragen bekommen will, der/die andere es aber versucht, auch wenn es unwissentlich ist.

Sehr traurig bin ich darüber, was aus den Gefühlen geworden ist, was übrig geblieben ist aus den Träumen und Sehnsüchten, bei ihr insbesondere, so viel Bitterkeit und Enttäuschung. Ich muss aufpassen, nicht bei ihr nachzufragen, um mich dadurch zu entlasten. Ich muss lernen, mich selbst zu entlasten.

Gute Zeiten enden

Gerade fallen mir Worte ein für meine Denkweise:

Gute Zeiten enden und weil sie endlich sind, bin ich traurig. Ich nehme sie nicht wirklich war in dem Moment, weil ich die Enttäuschung der Endlichkeit vermeiden will.

Wenn dann noch eine Projektion Au andere Menschen hinzu kommt, wird es kompliziert.

Doppelt verworren, wie eine doppelte Verneinung.

Immer vom schlechten ausgehen, in der Hoffnung, es kann nur besser werden.

Byron Katie lehrt die Umkehrung der Sicht. Ich kenne ihre Formel, sie wirklich zu verinnerlichen fällt schwer, weil die Muster automatisch und im Unbewussten wirken.

Das Leben holt mich ein oder ich hole mein Leben ein

So lange Jahre des Zweifelns, des Suchens, des Orientierens, des Neuerfindens liegen hinter mir. Fast eine Dekade arbeitete ich mit und an mir. Oft bezweifelte ich, überhaupt eine Chance zu haben, voran zu kommen. Immer unterstellte ich, die wahre Veränderung läge darin, dass Außen zu verändern. Wohlmeinend-vorsichtige Worte von außen, Veränderung käme von innen, konnte ich nicht aufnehmen.

Heute, gerade wirklich auch heute denke ich, sehr weit gekommen zu sein, auch ohne eine im Außen sich manifestierende, operationalisierbare Veränderung. Leider kann ich den Menschen, der mir am nächsten stehen sollte, nicht fragen, weil ich keine Antwort bekomme, schon immer nicht, weil dort eine große Angst herrscht. Deshalb suche ich in mir, spüre in Gesprächen mit anderen auf, was ich wissen will, frage nach, wenn ich nicht weiterkomme.

In den Jahren sind folgende Themen bei mir aufgetaucht: Bindungsängste, Nähe – Distanz, Narzissmus, inneres Kind, Liebe, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Leidenschaft, Sicherheit, Sehnsucht, traurig sehnsuchtsvolle Suche, Sinnsuche, Zielsuche, Muster, Wahrnehmung trauen, Denkfehler, Gefühle.

Unbeantwortet geblieben ist meine Frage, ob ich in der Lage sein würde, eine Veränderung auch im Außen zu schaffen. Oder verhafte ich hier noch einem Denkfehler?