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Verliebte Tochter

Natürlich bin ich auch schon sehr stolz auf sie, aber eben auch erschrocken, sie ist nun zwar noch immer die jüngste Tochter, aber nicht mehr die Kleine. Wie soll ich das beschreiben, warum das so nicht ganz leicht ist? Es stellt einen Abschied dar, der ist traurig.

Gleichzeitig bin ich aber auch stolz und froh, wie offen sie ist, die Kommentare greifen das auf.

Gestern gab es eine neue Wendung. Die Tochter ging zu meiner Frau und zweifelte an der Sinnhaftigkeit. Sie philosophierte mit ihr. Was das denn heissen würde, mit jemandem zu gehen, den sie doch im Grunde nicht richtig kennen würde. Quatsch sei das doch, sie müssten sich doch erstmal kennen lernen. Nein, sie wolle sich doch nicht festlegen. Sie wolle nun mal abwarten.

Ob es morgen zu dem Besuch kommt, weiss ich nicht. Mir gegenüber erzählt sie davon nichts, ich drängele sie auch nicht. Aber schon toll, wie sie reflektiert und darüber sprechen kann. Ich konnte das mit 14 Jahren nicht. Darüber bin ich sehr froh. Gleichzeitig schaue ich wehmütig zurück, wie wäre es gewesen, wenn ich es gekonnt hätte? Bestimmt ist das ein tolles Gefühl, sich so aufgehoben in der Welt zu fühlen, sich zu Hause so wohl zu fühlen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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Verliebt

Unsere jüngste Tochter wird flügge. Und ich bekomme das Gefühl plötzlicher Vergreisung.

Erzählte sie doch vorgestern Frau Notos ganz im Vertrauen und unverhofft, aber sehr klar und selbstbewusst, sie habe sich auf der Konfirmandenfreizeit in einen Jungen verliebt. Und er sich in sie. Die beiden hätten von daher beschlossen, miteinander zu gehen.

Im übrigen wolle der Junge, jetzt ihr Freund, am Samstag am besten einmal bei Frau Notos und mir vorstellig werden. Damit wir wissen, mit wem unsere Tochter künftig verkehrt. Aha.

Ja Hallo?

Können die beiden das denn nicht so unter sich ausmachen, wie wir damals? Muss ich als Vater denn in meiner zarten, verletzlichen Seele gleich mit so einem möglicherweise pickeligen, krächzenden und pubertierenden Jüngling konfrontiert werden? Der will doch nicht um die Hand meiner Kleinen anhalten.

Ich weiss noch, wie ich litt, als ich mein mittleres Kind, meine ältere Tochter von ihrem ersten Freund abholen musste. Sie stieg ins Auto und roch dermaßen penetrant nach Weichspüler, obwohl in unserem Haushalt kein Weichspüler verwendet wird. Wahrscheinlich wurde in dem Haushalt seiner Eltern Weichspüler als Raumspray versprüht, wie sonst sollte sie so intensiv danach riechen? Anderes mochte ich mir nicht vorstellen.

Ja, ich bin eifersüchtig. Nun geht das bei meiner „Kleinen“ wieder los. Natürlich bin ich auch stolz, aber auch ängstlich und eifersüchtig.

Frau Notos fragte mich verzweifelt: „Wir stehen das durch, oder?

Back from the USA

„Töchterchen“ ist heil angekommen. Trotz Schneechaos, mit einiger Verspätung und sichtlich geschafft ist meine Tochter gestern heil gelandet und wir sind trotz der Schneemassen gut über die Autobahn zu Hause angelangt.

Als sie dann plötzlich am Terminal stand und ich sie in den Arm nahm, gelangte mir ihre Rückkehr noch nicht wirklich ins Bewusstsein. War sie überhaupt jemals wirklich weg gewesen, war sie wirklich wieder da?

Ein halbes Jahr verrinnt wie im Fluge, erscheint im Rückblick kaum merklich zu sein. Diese zeitliche Komponente erschreckt mich.

Wirklich „weg“ war sie nicht. Wir standen permanent in Kontakt. Technische Möglichkeiten, wie iPhone mit FaceTime und WhatsApp oder Skype gibt es dafür zuhauf. Dennoch fehlt das Angesicht, das ist unersetzbar. Neuigkeiten oder Informationen können ausgetauscht werden, nur das menschliche, gefühlsmäßige Feedback fehlt.

Mir als Vater fiel es sicherlich weniger schwer, sie loszulassen, ich wusste ja, dass sie gut aufgehoben ist. Nun muss ich mich doch wieder ein Stück daran gewöhnen, eine Verantwortung zu haben. Sie muss nun ihren Weg hier gehen, den ich begleiten muss, im Hintergrund zwar, aber doch wachsam, wiederrum nicht zu eng. Als sie in den USA war, konnte ich diese Verantwortung in den Hintergrund schieben. Deshalb sehe ich ihre Rückkehr zwiegespalten.

Meine Tochter kommt zurück

Morgen kommt meine Tochter aus den USA zurück. Ein halbes Jahr verbrachte sie in Washington als Au-Pair.

Ich habe mich daran gewöhnt, dass sie dort und nicht hier ist, konnte gut damit leben. Wir standen ständig in Kontakt, vermisst habe ich sie nicht, weil ich wusste, dass es ihr gut ging.

Ab morgen ist sie dann wieder hier im Haus, es geht dann um die Umsetzung ihrer Zukunft. Die Struktur der Familie verändert sich wieder.

Sicherlich machte sie auch aus meiner Sicht stellvertretend Erfahrungen im Ausland. Nach ihrer Rückkehr lastet wieder mehr Verantwortung auf mir.

Schule und Liebe

Ein scheinbar sehr widersprüchlicher Artikel. Sinn macht er nach einer kleinen Einführung.

Am Wochenende schrieb ich über die Physiknachhilfe für meine Tochter. Sie geht in die 5. Klasse eines Gymnasiums, hat eine Empfehlung ihrer Grundschule erhalten und freute sich sehr darauf. Mein Gefühl, seit sie auf dieser Schule ist, auf der auch ich war und eine gewisse unleidliche Zeit verlebte, war sehr zwiegespalten bis angstvoll.

Nun bekommt sie die ersten Probleme beim Lernen, schreibt schlechtere Arbeiten und meine Sorge scheint sich zu bestätigen, wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ich liebe meine Tochter sehr, umso mehr möchte ich ihr die leidvollen Erfahrungen in der Schule ersparen, was natürlich nicht geht.

Offenbar verliert sie mehr und mehr Lust und Zutrauen, je mehr ich mich sorge und auf sie einrede. Ihre Mitarbeit in der Schule und nach der Schule könnte besser sein, noch ist nichts verloren, auch der Anschluss nicht, nur sie braucht Erfolgserlebnisse, zu deren Erreichen sie allerdings mitarbeiten muss, sich anstrengen muss. Die Bereitschaft ist da, nur sie vollzog noch nicht so richtig den Übergang von der 4. in die 5. Klasse. Keine Hausaufgaben auf, bedeutet nicht, nichts tun zu müssen. Obwohl ich finde, dass das Abitur nach 8 Jahren die Kinder, Eltern und Lehrer völlig überfordert, hilft es nun nichts. Sie muss Motivation aufbauen, um voranzukommen.

Nur, wie bekomme ich das hin? Ich bin nicht sie, ihr Vater, okay, ich kann sie unterstützen, abfragen, ermuntern, nicht einschüchtern, nicht unter Druck setzen. Vorgenommen heisst noch nicht umgesetzt, gerade nicht bei diesem sensiblen Thema, in das meine Vergangenheit so knallhart reinhaut.

Meine Angst und meine Sorge hilft nicht, meine Liebe darf sich nicht auf Ermahnungen beschränken, ich muss über meinen Schatten springen, eine enorme Anstrengung. Was bleibt mir mehr, als aufzumuntern und zu unterstützen? Selbst Nachhilfe zu geben ist schwierig, abfragen ja, aber nicht Unterricht nachholen, das muss doch Schule leisten.

Meine anderen beiden Kinder sind schon älter, auch da klappte die Schule, nie reibungslos und leicht und selbstverständlich, sie gehen heute ihren Weg. Jetzt ist meine „Kleine“ an der Reihe, nur es fühlt sich wie beim ersten Mal an. Schule und Liebe und Loslassen, kein leichtes Thema für mich.