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Keine Heimlichkeiten mehr

Ich will keine Heimlichkeiten und Lügereien mehr. Diese Art des Lebens wurde mir möglicherweise eine Zeit lang gerecht, vielleicht brauchte ich den geschützten Rahmen, um mir über mich klar zu werden. Nun aber bringt mich der Zustand der Versteckerei von Gefühlen und Gedanken nicht weiter.

Vor wenigen Wochen redete ich mit Frau Notos über Wünsche, Sehnsüchte und das weitere Leben in einer sehr offenen Weise. Dabei formulierte ich Wünsche, die in mir ungelebt sind, die ich leben möchte. Das Kunststück dabei ist, ich will nicht ausziehen. Wie das wirklich funktionieren soll, weiss ich nicht wirklich, muss ich deshalb wohl auch nicht klären im Moment.

Inwieweit dieses Leben der Wünsche einer Trennung gleichkommt, sei dahingestellt. Aus juristischer Sicht betrachtet schon, aus moralischer Hinsicht auch, aber nicht aus meiner Herzenssicht.

Wir sind dabei, die Form der Beziehung neu zu gestalten. Mutig, offen und andersartig. Bisher traten die Bedrohungsszenarien nicht ein, die ich mir ausmalte. Im Gegenteil, das Miteinander veränderte sich schlagartig hin zu mehr Lebendigkeit. Komisch nur, dass das nur über diesen Weg geht. Komisch nur, dass dazu eine gewisse Außergewöhnlichkeit Pate sein muss. Die bisherige Form der Beziehung scheint demnach gescheitert. Zumindest vorerst.

Einkehrende Ruhe

Meine Außenkontakte reduzieren sich auf rein berufliche Beziehungen. Die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate, ja, des letzten Jahres zeigen ihre Wirkung.

Mein Bedarf, zu reden, über die Dinge zu sprechen, sie auszudrücken ist komplett erloschen. Derzeit möchte ich einfach nur funktionieren, meine Wunden lecken, mich fühlen, in mich hineinfühlen, ohne ein Außen. Meine innere Stimme redet nicht, ich höre nichts, oder will es nicht hören. Keine Ahnung. Lese ich Berichte hier in den Blogs oder an anderer Stelle, dann warten die Autoren ab, um sich zu hören. Ich warte ebenfalls ab.

Allein meine Heilpraktikerin weiß um mich, sie ist außen genug, um mich zu öffnen.

Meine Beobachtung aus dem letzten Jahr bis heute ist, je mehr ich mich öffne, desto mehr werden Bedürfnisse bei Menschen geweckt, die ich später nicht befriedigen oder decken kann. Die Enttäuschung ist dann groß. Daher rührt möglicherweise mein Rückzug.

Meine Frau verrichtet Dienst nach Vorschrift, was Zuwendung oder besser Zugewandtheit angeht. Eigentlich nichts neues, nur mein Reaktion darauf. Vor einem Jahr reagierte ich, zog gewisse Konsequenzen, nun steht vor meiner Umgehensweise damit die Schuld aus der Beziehung. Sie spricht mir ab, Schuld haben zu sollen, aber sie ist da.

Unter der Woche funktioniert mein Leben mit sehr geregeltem Ablauf gut, am Wochenende hingegen macht es mir Probleme, weil ich die Zugewandtheit einer Partnerin vermisse. Ich denke, wir verhalten uns, wie in Schützengräben. Wir schießen zwar nicht, aber es ist auch kein Frieden eingekehrt. Die Stimmung ist beizeiten drückend. Konnte ich in der Vergangenheit dem über ein Außen entfliehen, funktioniert gerade das Mittel nicht mehr.

Überhaupt und vollkommen ungenügend funktioniert das Thema Reden. Frau Notos öffnet sich nicht, sie völlig verschlossen. Mir macht das Sorge, mehr noch, mich macht das wütend. Sie scheint im Abwarten zu verharren.

Frau B.

Frau B. ist die Geliebte, die Frau, dich mich so faszinierte, die mich aus der Reserve lockte. Ich schreibe in der unvollendeten Vergangenheitsform, obwohl nichts wirklich vollendet ist. Auch das „B“ hat keine Bewandtnis in Bezug auf Reihenfolge oder tatsächlichen Namensabkürzungen.

Ich möchte gern über B. schreiben, weil ich bislang so nichts wirklich über sie schrieb.

Am wichtigsten ist mir, zu sagen, wie wusste immer und zu jederzeit über meine Gedanken und Absichten Bescheid. Nie machte ihr etwas vor, log sie an, was irgendwelche Versprechungen oder derart anbelangt. Ich wollte meine Frau nicht verlassen, am liebsten wäre es mir, eine Art offener Beziehung hinzubekommen. Ich liebe meine Frau, aber ich liebe auch sie. Ihr war das klar, für sie war das in Ordnung. Nicht ganz natürlich, aber sie ließ sich bewusst auf die Situation ein.

Ich war schlussendlich der jenige, der mit den Angeboten von B. und Frau Notos nicht klarkam, unter dem Druck eingeknickt ist. Sie knickte nicht ein, weil ich mich nicht für sie entschied, sondern weil das Hin und Her so anstrengend wurde.

Ich fühlte mich wohl mit ihr, mit ihr zu reden, ihre Ansichten zu hören, oft impulsiv und unverhüllt. Sie ist sehr klar, keinesfalls übergreifend, grenzüberschreitend. Wir genossen es, miteinander zu sein, zu reden.

Und dann dieser Bruch, den ich als Rettung bezeichne.

Alles hätte gut laufen können, nicht einfach, aber vielleicht doch zunehmend einfacher und leichter. Ich litt darunter, sie nicht einfach zu besuchen und mir das zu nehmen. Leicht ist das Eingeständnis nicht, doch nicht so weit zu sein. Sie meinte, ich würde sie als Bedrohung empfinden, nicht in Bezug auf Frau Notos, sondern in Bezug auf mein Denken. Mag gut sein.

B. und ich provozierten einen Streit, um böse aufeinander zu sein, damit es leichter geht. Eine normale Freundschaft funktioniert zwischen uns nicht. Der Streit ist vordergründig.

Selbstfindung am Wochenende zu Hause

Das Wochenende barg unverhofft ein offenes Zeitfenster. Meine Frau besuchte vom Freitag bis Sonntag eine Freundin. Bereits am Montag stand der Termin fest, ich hatte Zeit, mich darauf einzulassen, mir Gestaltungsmöglichkeiten zu überlegen.

Was anfangen mit dieser Zeit? Feiern gehen, Freunde treffen, richtig ausgelassen sein oder dergleichen? Viel Sport? Oder ganz anders, endlich Dinge tun, die ich immer tun kann, nur nicht anfange, weil trotz aller Freiheiten ein Unterschied besteht, ob ich mit oder ohne Frau mit den Kindern zu Hause bin. Ohne Frau fühle ich mich freier.

Interessanterweise kündigte sich das Wochenende am Freitag mit sehr ambivalenten Gefühlen an. Und das, obwohl ich eigentlich sehr autonomiebestrebt bin, stellte ich eine zunehmende Verunsicherung fest. Es überkam mich zunehmend eine Welle von Angst, keine bewusste, aber doch deutliche Wellen von Verunsicherungen, die sich im Körper bemerkbar machten. Schon lange versuche ich Abhängigkeiten zu lösen, die ich auf meine Frau projiziere. Immerhin bin ich soweit, dies so sagen zu können und nicht zu schreiben, „Abhängigkeiten, die mit meiner Frau zusammenhängen.“

Früher wollte ich keine Autonomie. Nach so vielen Jahren fällt es schwer, wirkliche Autonomie zu bekommen, die von innen kommt. Das Wochenende zeigte, wie ich mich tatsächlich nicht daraus nicht wirklich gelöst habe.

Am Samstag verlief alles gut, meinen Tag gestaltete ich nach meinen Vorstellungen, kümmerte mich dabei um den Einkauf und die Kinder. Abends ging ich nicht feiern, sondern kam endlich dazu, mich um Adobe Lightroom zu kümmern und mein Fotodatenbanken einzulesen. Bis spät am Abend war ich damit beschäftigt und schaute mit meiner Tochter Fotos. Sehr angenehm.

Am Sonntag ab Mittag setzte eine leichte Unruhe ein. Woher kam die nur wieder? Diese Unruhe steigerte sich zum Abend hin, da ich nicht wusste, wann meine Frau zurückkommt. Wir vereinbarten stillschweigend, keine Anrufe zu tätigen und auch keine SMS zu schreiben. Jeder wollte mal sehen, wie es ohne den anderen geht. Am späteren Abend kam sie, völlig platt und müde. Ich ließ sie in Ruhe, stellte keine Fragen und ging zu Bett.

Das Wochenende gab Antworten, hinterließ aber auch Fragen.

Beeindruckt hat mich die Gefühls- und Gedankenvielfalt, durch die ich ging. Das Aufeinanderfixiertsein üblicherweise unterdrückt sie. Auch diese stille Symbiose und das Aufeinanderbezogensein hält mich von mir ab. Zweisamkeit ist schön, aber nicht immer und nur dann, wenn sie gesucht wird, fand ich heraus. Diese Erkenntnis ist nicht neu, für mich entdeckte ich sie voller Wucht wieder. Zwangszweisamkeiten oder besser Gewohnheitszweisamkeiten will ich nicht mehr.

Zumal, wenn sie in Verbindung mit diesen unangenehmen Gefühlen vor und nach dem Wochenende stehen. Diese unangenehmen Entzugssymptome dürfte es doch nicht geben. Ich stelle fest, ich will ein anderes Leben. Die Kinder sind fast groß. Inhaltsleere und gesprächsloses Beisammensein ist schlimmer, als allein zu sein, zumal ich mir überlegen kann, ob ich wirklich allein bin. Nur, ich kann entscheiden.

Miese Stimmung

Trotz des netten Abends mit einem guten Freund herrscht bei mir deprimierte Stimmung. Sicher, ein dicker Kopf ist das eine, aber was verhagelte mir die Stimmung derart? Wir redeten über uns und unsere Gefühle. Mal sehen, wie es weitergeht mit mir heute.

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Grund mit ist eine ausstehende Entscheidung, die zu treffen ich mich nicht traue und deren aufgestaute Energie mich bremst. Das Gespräch mit dem Freund machte es mir nur zu deutlich.

Mail an die Eltern

Lernen

Als Elternvertreter nutzte ich die Möglichkeit eines eMail-Verteilers einen Brief an die Eltern der Klasse zu schicken, um mein Unbehagen, meine Sorge und meine Fragen zu veröffentlichen.

Ein wenig Mut gehörte dazu, mich zu „outen“, aber möglicherweise sind einige andere Eltern ja froh, sobald ein anderer den Mund aufmacht und aufschreibt, was sie selbst vielleicht im Stillen denken.

Lange nachdenken musste ich nicht, die Worte flossen mir in die „Feder“ und schwups, war die Mail raus. Nun warte ich auf Resultate und Antworten. Zwei Mails erhielt ich, die mir im Grunde meine Meinung bestätigten und diese gewisse Ratlosigkeiten mit den schulischen Anforderungen teilen. Patentrezepte gibt es keine, darüber reden kann aber helfen.

Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein, weil nun Konstruktives entstehen kann und wenn es auch nur ein Elternabend wird, zu dem ich die Fachlehrer einlade.