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Du bist stärker

Jedes Mal, wenn du schweigst
und den Ärger runterschluckst,
wirst du ein Stückchen kleiner.
Jedes Mal, wenn du denkst,
du könntest ja doch nichts ändern,
wirst du ein bisschen glatter, ein bisschen mehr so,
wie sie dich haben wollen:
Angepasst und leicht zu handhaben.
Mit jedem Schweigen und Runterschlucken entfernst du dich von dir selbst, kriegt dein Rückgrat einen Knacks,
bis eines Tages nichts mehr übrig ist,
was sie brechen könnten, dann ist es zu spät.
Zeig ihnen, dass du lebst; wie du leben willst,
zieh die Konsequenzen
und übernimm die Verantwortung.

Von einer Kollegin, die diesen Text aus Anlass ihres Ruhestandes versandte. Sie habe diesen Text ebenfalls vor vielen Jahren am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn erhalten und versucht, danach zu leben.

Ich mag die Kollegin. Sie hat Ecken und Kanten. Wir haben gestritten und die Dinge gut hinbekommen. Schade, dass sie geht.

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Back from the USA

„Töchterchen“ ist heil angekommen. Trotz Schneechaos, mit einiger Verspätung und sichtlich geschafft ist meine Tochter gestern heil gelandet und wir sind trotz der Schneemassen gut über die Autobahn zu Hause angelangt.

Als sie dann plötzlich am Terminal stand und ich sie in den Arm nahm, gelangte mir ihre Rückkehr noch nicht wirklich ins Bewusstsein. War sie überhaupt jemals wirklich weg gewesen, war sie wirklich wieder da?

Ein halbes Jahr verrinnt wie im Fluge, erscheint im Rückblick kaum merklich zu sein. Diese zeitliche Komponente erschreckt mich.

Wirklich „weg“ war sie nicht. Wir standen permanent in Kontakt. Technische Möglichkeiten, wie iPhone mit FaceTime und WhatsApp oder Skype gibt es dafür zuhauf. Dennoch fehlt das Angesicht, das ist unersetzbar. Neuigkeiten oder Informationen können ausgetauscht werden, nur das menschliche, gefühlsmäßige Feedback fehlt.

Mir als Vater fiel es sicherlich weniger schwer, sie loszulassen, ich wusste ja, dass sie gut aufgehoben ist. Nun muss ich mich doch wieder ein Stück daran gewöhnen, eine Verantwortung zu haben. Sie muss nun ihren Weg hier gehen, den ich begleiten muss, im Hintergrund zwar, aber doch wachsam, wiederrum nicht zu eng. Als sie in den USA war, konnte ich diese Verantwortung in den Hintergrund schieben. Deshalb sehe ich ihre Rückkehr zwiegespalten.

Meine Tochter kommt zurück

Morgen kommt meine Tochter aus den USA zurück. Ein halbes Jahr verbrachte sie in Washington als Au-Pair.

Ich habe mich daran gewöhnt, dass sie dort und nicht hier ist, konnte gut damit leben. Wir standen ständig in Kontakt, vermisst habe ich sie nicht, weil ich wusste, dass es ihr gut ging.

Ab morgen ist sie dann wieder hier im Haus, es geht dann um die Umsetzung ihrer Zukunft. Die Struktur der Familie verändert sich wieder.

Sicherlich machte sie auch aus meiner Sicht stellvertretend Erfahrungen im Ausland. Nach ihrer Rückkehr lastet wieder mehr Verantwortung auf mir.

Verantwortung und Logik

Unentwegt spreche ich, will wissen, fordere von ihr Erklärungen, will mich erklären, will reden, reden, reden, kann nicht ablassen. Will wissen, ob meine Affäre ihr Schmerzen bereite, wie sie damit umgeht. Will wissen, wie es mir auf der anderen Seite mit ihrer Affäre gegangen ist, ob sie sich meine Gefühle vorstellen kann. Als sie gefahren ist, was sie sich gedacht hat, wie es mir damit geht?

Ihre Antwort war kühl und knapp: Die Gefühle und den Schmerz damit kann jeder selbst beeinflussen, ich bin nicht für die Bilder in ihrem Kopf verantwortlich und sie ist nicht für meine Bilder im Kopf verantwortlich. Ich solle mal endlich mit diesem Schulddings aufhören. Außerdem, was solls, das bisschen Sex. Ich nehme ihr die Worte nicht ab, die so abgeklärt klingen.

Ich bin schierbaff. Ist sie kalt oder erwachsen? Oder verzweifelt und traumatisiert?

Die Logik dabei ist, nicht zurück zu schauen, sondern nach vorne zu schauen. Was war, muss vergessen sein. Außerdem, wie sie sagt, „ist es doch nicht nur Sex, den ich auch hatte.“ Mit dieser Logik habe ich Probleme, weil mir die Abgeklärtheit dieser Sicht abgeht.

Schleifen im Leben

Solange grundlegende Probleme nicht wirklich gelöst sind, verändert sich das Leben nicht im spürbaren Maße. Die Schleifen des Lebens erzeugen einen gewissen Schmerz und dieser erinnert daran, dass da noch was zu tun ist.

Strategien, damit umzugehen, gibt es verschiedene. Die eine ist, die Probleme zu lösen, die andere ist, die Probleme auszublenden.