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Verlieben und Aktien kaufen

Zugegeben, der Titel mutet fremd und provokant an. Soll er auch, dennoch haben beide Handlungen miteinander zu tun, wobei verlieben eigentlich keine Handlung, sondern mehr ein Zustand ist.

Kaufe ich ein Aktie, so geschieht dies aus dem Zustand der Erwartung heraus, wie sich der Kurs entwickelt, wie sich die Firma entwickelt und ob möglicherweise sogar in Zukunft eine Dividende gezahlt wird. Ob dies eintrifft, wird mir niemand sagen und garantieren können. Im günstigsten Fall lese ich die Geschäftsberichte über die Firma, deren Bilanzen und kann gewisse Vorausbetrachtungen der Marktchancen anstellen. Egal, wie gut und fundiert ich informiert bin, eine Garantie auf die Einlösung der Erwartungen wird es nicht geben. Mehr noch, auch entgegen aller Ratschläge und Vorausinformationen werde ich möglicherweise dennoch eine Aktie kaufen, wenn ich überzeugt davon bin, dass alle Erwartungen positiv eintreten werden, weil ich eine Vision habe, weil die AG ein tolles Produkt oder sonst was hat, was mich kirre macht, was meine Illusionen, meine Fantasie und mein Bauchgefühl anheizt.

Im Grunde ist es doch mit der Liebe genauso. Ich sehe eine Frau, verliebe mich und bin geliefert, auch wenn mir der Verstand und alles sagt, lass’ das mal besser. Sobald sich der Bauch oder Herz einschaltet, ist der Mensch geliefert.

Aber was passiert da genau? Da kommt ein Mensch auf mich zu und meine Synapsen und Schalten sind komplett abgeschaltet, es läuft nur noch das Notprogramm und so ein archaischen Programm, das mich im Zweifel bis zum letzten Luftholen irgendwo hin treibt, dessen Ziel ich nicht kenne. Ausnahmezustand! Aber warum? Weil diese Frau etwas an sich hat, das mich und meine Fantasien derart beflügelt, mich ausser Rand und Band bringt. Ganz bestimmt eine Erwartung auf Erfüllung von Vorstellungen schürt. Worte, Berührungen, Klang der Stimme, das Lächeln, die Augen, die Figur, die Bewegung löst eine Welle von Projektionen aus, deren Folgen ich kaum noch steuern kann.

Es kann sogar sein, dass sie ganz anders ist, all die Verheissungen nicht erfüllen kann, ich sie auf einen Sockel stelle, nur weil sie bestimmte äußere Attribute hat, die mein Prinzessinen-Bild voll und ganz erfüllen. Egal, die Hormone sind so unter Dampf, die interessiert das nicht, die treiben mich zum Äußersten und die Angebetete in die Olymp der emotionalen und erotischen Erwartungen.

Die ersten Begegnungen und auch die Folgenden verlaufen ganz im Sinne der „prognostizierten Kursverläufe“, dann wird’s schwierig oder sogar nachgeordert, alle Portfolien aufgelöst, um das Neue finanzieren zu können. Der 7. Himmel ist nah.

Wie auf dem Aktienmarkt ist auf dem Liebesmarkt aber auch schnell ein Ende abzusehen, je steiler die Erwartungen, desto steiler kann das Abrutschen einsetzen. Die Enttäuschungen, Verluste und Schmerzen sind groß, Streits vorprogrammmiert. Vorteil in der Liebe, die Partner können sich zusammenraufen, reden, verhandeln, eine nächste Entwicklungsstufe erreichen, raus aus der Verliebtheit, raus aus dem Bullenmarkt, rein in die Zündung einer Raketenstufe der Realität.

Soll ich deshalb lieber auf Aktienfonds setzen, so im Sinne einer besseren Streuung der Risiken?

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Der Schmerz setzt ein

So, als verletzte ich mich körperlich, setzt der akute Schmerz langsam, aber nachhaltig ein. Mit abnehmendem Schock setzt der Schmerz ein. Der Schock ist der ablösende Moment, der Schwung, sich zu lösen, über eine konstruierte Wut gesteuert. Der Adrenalinspiegel sinkt, die Impulse gelangen wieder zum Gehirn. Mein Fluchtreflex brachte mich ausser Reichweite. Aber jetzt: Warum habe ich das getan? Gelingt mir eine Partnerschaft nur dann, wenn mir die Partnerin nicht zu nahe kommt? Fragen stellen sich ein. Ein Mangelgefühl setzt ein. Wo sind all die guten Vorsätze und Errungenschaften und Träume geblieben? All das, worum ich so lange mit ihr kämpfte? Warum gebe ich es preis?

Alles begann recht verhalten, zufällig, ungewollt und ungesteuert. So oft schob ich es weg, bis dann plötzlich etwas entstand. Ein Traum, eine Vorstellung, ein Modell. Vieles passte, emotional, wir konnten reden, sexuell, wir hatten viele Reizpunkte, die wir auslebten, in Streits und Diskussionen. Aufgegeben, für etwas anderes, das ich so lange in Frage stellte.

Mir bleibt nur zu schauen, was kommt und darauf zu vertrauen, das Richtige zu tun. Aber ich vertraue nicht wirklich darauf, weil ich auch oft das Unrichtige tue, auch aus unlauteren Motiven, wie Angst und Bequemlichkeit.

 

Projektion

Die Verliebtheit ist eine Projektion der Sehnsüchte auf einen anderen Menschen. Diese Gefühle müssen grundlegend in einem selbst angelegt sein, sie kommen nicht von außen. Deckt ein Partner die Liebessehnsucht nicht ab, was tue ich mit dem Rest? Vergeuden oder mit einem anderen Menschen teilen?

(frei nach Hantel-Quitmann)

Casanova-Effekt

Casanova (2005 film)

Image via Wikipedia

Ein Artikel von mannwerdung geht mir nicht aus dem Kopf. Er schreibt über den Casanova-Effekt und wenn sich Männer nicht auf eine Beziehung einlassen können.

Welcher Mann kennt das nicht, eine tolle Frau taucht auf, Mann ist hin und weg. In ihm beginnt es zu rasen, wie kommt er mit der Frau in Kontakt? Verheirat hin oder her, in Beziehung oder nicht, welcher Mann reagiert nicht? Aufmerksamkeit erzeugen, ins Gespräch kommen, tanzen, sich verabreden. Egal, wie weit er geht, kommt und was daraus entsteht, ist Mann deshalb Casanova und süchtig? Ist diese Sicht von dem zitierten Trachtenberg nicht zu drastisch? Auch und gerade, wenn sich Mann verliebt hat?

Sind Männer nur erwachsene Männer, wenn sie sich nicht auf „so etwas“ einlassen? Sind Affären und Verliebtheiten Krankheiten oder Unmündigkeiten?