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Vertauschte Rollen

So kommt es mir auch vor, wie Schattentänzerin, glaube ich, geschlechterklischeehaft als Transvestit herumzulaufen, ich will reden, um beim Sprechen Impulse und Gefühle für die Situation aufzunehmen, die zwischen den Worten spürbar sind. Sie will in erster Linie schweigen, das Gewesene vergessen, nicht mehr drüber reden, weil es unabänderbar ist. In sich fühlt sie dazu nichts, alles tot, weg, kein Gefühl mehr, kein Schmerz, keine Wut. Nichts.

In mir sieht es anders aus, ich will etwas wissen über ihre Liäson, war es Rache, war es Liebe, Neugier, Wut. Vielmehr noch bedeutet Wissen einen Standort für meine Ängste zu bekommen. War alles aufgebauscht von mir, wurde ich wirklich getrogen? Tatsächlich, trotz Beschwichtigung und Nachfrage, gesagt bekommen, mache dir keine Sorgen, da ist nichts und da war doch was. Ich meine Sex bei dem Besuch. Wer lässt schon wissentlich seine Frau zu einem Mann fahren und glaubt, da ist nichts außer mal eine paar Tage Besuch. Bin ich wirklich so naiv oder kann ich mich auf mein Gefühl verlassen? Für mich ist das sehr wichtig, deshalb frage ich sie unentwegt.

Zermürbend ist das alles. So oder so. Eine Trennung wäre auch zermürbend gewesen. Zudem die Frage, würde ich gehen können? Falls sie das nächste Mal fährt? Ich bin – glaube ich – nicht in der Lage, die Realitäten anzunehmen. Ich will keine Trennung. Noch immer glaube und hoffe ich, mit Frau Notos glücklich zu werden. Das Gefühl ist stark. Wie lange hält es? Eigentlich hält es schon so lange. Andere Gefühle konnten mich bislang davon nicht abbringen, an diese, meine Liebe zu glauben. In diesem Glauben bin ich anfällig, schwach, verwundbar und manipulierbar.

Vielleicht bin ich auch nur zu feige, mannhaft eine Entscheidung zu treffen, zu gehen. Nun traf ich mannhaft die Entscheidung, nicht zu gehen. Trotz aller Schmerzen und ungelösten Probleme und auch trotz Frau B.

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Was passiert?

Frau Notos ist müde. Ich versuche, sie zu verstehen. Kämpft sie um mich? Ich kämpfe um sie. Das Kämpfen empfindet sie als anstrengend, weil ich zuviel nachfrage, verstehen will. Loslassen müsste ich sie, ich hingegen, bedränge sie. Bedrängen bedeutet, ich will Antworten, frage sie allenthalten. Loszulassen, nicht zu fragen, dazu fehlt mir ein Zutrauen.

Lange nicht oder noch nie gehabt, ich will sie tatsächlich kontrollieren, fühle mich traumatisiert, ausgeliefert, hilflos, schutzlos.

Das Gefühl gleicht dem Moment in der Kindheit, sich darauf zu verlassen, beim Rad fahren nicht umzukippen. Oder beim Schwimmen, nicht unterzugehen ohne Schwimmhilfen. Oder ohne Allein nicht zu sterben.

Hält mein Ego mich von meinen Gehversuchen ab?

Reden verändert die Welt (nicht)

Die Welt

Image by fabricadecosas via Flickr

Von einem Menschen, der mir sehr nahe stand und den ich sehr schätze, hörte ich die Empfehlung: „Rede, Reden verändert die Welt.“ Stimmt nicht wirklich, Reden allein verändert nicht. Handeln verändert die Welt.

Und der Clou ist, niemand hindert mich daran, außer, ich mich selbst.

Vorallem, solange ich hier rumschreibe, tut sich nichts. Die Energie vom Schreiben ins Handeln umlenken, das wäre ein guter Anfang. Diese Woche hatte ich Gelegenheit aufzutanken. Nächste Woche dann?

Von Liebe keine Ahnung

Freibad Letzigraben Pavillon 1947 Max Frisch

Image via Wikipedia

Max Frisch schreibt in Gantenbein: „Noch jede Frau, dachte er, jede, die er umarmt hatte, fühlte sich geliebt; jede aber, die er wirklich zu lieben begann, sagte ihm früher oder später, das er, wie alle Männer, von Liebe keine Ahnung habe…“

Ein fantastischer Satz, der mich sofort elektrisierte, der sich wohltuend aus dem Getümmel von Gedankendurcheinander hervortut. Er zeigt für mich das Geschlechterdilemma in bester Manier. Ich kann diesen Satz voll nachvollziehen, immer dann, sobald ich Vertrauen fasste, ging irgendwas schief mit der Frau, sobald ich mich drauf einließ, fühlte sie sich erdrückt, stehengelassen mit einem schlechten Gefühl, etwas nicht verstanden zu haben, nicht zu stimmen, spüren diesen Vertrauensverlust andere Frauen später.

Klar, die Frauen nervt möglicherweise die unerwachsene Liebe der Männer, die Männer kommen hingegen nicht klar mit dem Wunsch der Frauen, eine Art Vaterersatz zu bekommen. Der Mann soll stark sein, aber was heisst stark? Jedenfalls nicht gemeint sind Muskeln, eher schon manche Gemütsschwankung der Frau zu ertragen, sobald sie ein Mädchentrauma verfällt. Mann soll das aushalten, aber wie, weil er sich plötzlich vor der keiffenden Mutter erschrickt. Das Geschlechterdilemma kondensiert an Kindzuständen von Frau und Mann. Hilfe, wann werden Frauen und Männer erwachsen?

Wieviel Vertrauen vermag ich aufzubringen, zu Lieben zu beginnen?

Ungeschützte Anonymität

Fast zwei Jahre lang diente mir der alte Blog zur Seelenhygiene, mehr noch, auch zur Freude, zur Selbstentdeckung und zur Entdeckung von Offenheit und Vertrauen auch gegenüber fremden, mir gänzlich unbekannten Menschen, die mir jedoch sehr ans Herz wuchsen.

Als ich feststellte, wie mein altes Thema nicht mehr in den Blog passte, er mir zu eng wurde und ich ihn nicht durch sachfremdes sinnentfremden wollte, wechselte ich hierher. Ich begann, sicheren Tritt zu fassen, Themen aufzugreifen, die ich ins Tagebuch schreiben kann, die jeder wohl ins Tagebuch schreiben würde, um sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich zu machen.

Gerade in einen guten Tritt kommend, kam ich durch ein fremdes Bein ins Stolpern, das meinen Schreibfluss unterbrach, zudem gänzlich ohne Zutrauen, hierher das Geheime hinzuvertrauen.

Wohin mit alldem, das mich so sehr beschäftigte? Ins Tagebuch, und auch zu dem Menschen, den es insbesondere angeht, der einzige sichere und sinnhafte Adressat. Zudem gewann ich Zufall Zutrauen, der mir zutraute, mich in seine Tiefen einzulassen, um Halt zu finden, möglicherweise sogar einen Rat zu bekommen, mit seiner erschreckten Seele umzugehen.

Natürlich, ich beschreibe die natürlichste Weise, mit Gedanken umzugehen, mit anderen Menschen zu reden, die es angeht. Dennoch verzichte ich nicht auf den Blog, der mir einstmals so viel Halt gab und mich auch zu vielen anderen Menschen führte, die mir lieb geworden sind.

Nur das konkrete Schreiben will sich noch nicht wieder einstellen.