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Ein Blick in mein Seelenleben

Vor gar nicht so langer Zeit lebte ich nur im Außen, meine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit nach der Aufdeckung der Beziehung zu Frau B. und der nun folgenden Reaktion von Frau Notos beeinflusste mein Leben in außerordentlichem Maße so einschneidend, dass ich nicht mehr Herr im eigenen, inneren Haus war. War ich bis zu der Aufdeckung und noch einige Zeit danach einigermaßen im Gleichgewicht, so änderte sich das total. Meine Handlungshoheit war verloren. Zudem war es sicherlich ein Fehler, meiner Frau auch noch diesen Blog zu zeigen. Eine Freundin warnte mich davor, aber ich ließ nicht ab. Grund für diese Offenbarung war ganz bestimmt der Gedanke, wenn ich sie in meine Gedankenwelt einbeziehe, würde sie mich verstehen. Der Gedanke war richtig, sie verstand mich sehr gut und reagierte auf die einzige für sie richtige Weise.

Die folgende Zeit war der Horror. Nicht in erster Linie wegen dem, wie sie reagierte, sondern weil ich nicht mehr bei mir war, mir nicht genügte, dem etwas entgegen zu setzen. Gelassenheit, Abwarten und eigene Wege wären der richtige Weg gewesen. Oder besser eigene Handlungsmodelle zu entwickeln, mich abzugrenzen, mich zu schützen. Statt dessen ließ ich meine Frau nicht mehr aus den Augen.

Unablässig bedrängte ich Frau Notos nach Erklärungen, ich wollte reden, wissen, alles rauslassen. Sie wollte nicht, sie machte ihr Ding und ließ mich außen vor. Sie bedrängte nicht mich, sondern ich sie, was nach Lage der Dinge eigentlich anders hätte sein müssen.

Ihr Schweigen und ihre Art, zu reagieren machten mich wahnsinnig. Ich hatte Angst, sie zu verlieren, was ja eigentlich Quatsch war, weil ich sie eigentlich schon längst verloren hatte. Schon vor Frau B. war das so, sie wollte nicht, ich erreichte sie nicht. Irgendwann einmal beklagte sie sich, ich sei ein Egoist, mein Interesse und meine Energie nehme ich aus der Angst, sie könne gehen und drehe sich nur um mich.

Ganz vorsichtig optimistisch beruhigte sich meine Gefühlslage. Einerseits, weil die Bedrohung und die akute Gefahr ein wenig gebannt scheint, andererseits, weil ich mir vorstellte, was im schlimmsten Fall passieren könne.

Der schlimmste Fall wäre, sie vögelt voller Vergnügen und Lust mit einem anderen, hält mich hin, ich lasse es geschehen, leide und reagiere nicht. Diese Situation stelle ich mir vor, nicht in allen Einzelheiten, aber ich frage mich, könnte ich damit umgehen? NEIN. Könnte ich hoffentlich nicht, nicht umgehen, sondern handeln. Vor Wochen konnte ich es nicht. Aber nun. Das macht mir ein wenig Mut.

Abhalten und einsperren kann und will ich sie nicht. Aber Offenheit kann ich erwarten, damit ich damit umgehen kann. Ich glaube, die kann sie mir nicht geben. Offenbar, um mich zu schützen, in Wirklichkeit aber wohl, weil sie selbst ein schlechtes Gewissen hat und sich schützen will. Sie hat aus Rache mit ihm geschlafen, nicht aus Liebe. Reden will sie darüber nicht, aber es muss irgendwie schief gegangen sein.

Würde sie ihn wieder besuchen wollen, wäre ich Stand heute jedenfalls viel ruhiger und gelassener. Toll fände ich es nicht, aber ich könnte sagen, sie zeigt mir Vertrauen, davon zu erzählen. Soll sie fahren und eine gute Zeit haben. Auf die Gefühle, die dann bei mir kämen, müsste und könnte ich mich einstellen, hoffentlich ruhiger und weniger verzehrend als beim letzten Mal. Dieses Mal sehe ich darin meine Chance, mit meiner Angst umzugehen, sie nicht zu bekämpfen und woanders hinzutragen, sondern zu sehen, auch im schlimmsten Fall werde ich nicht verzehrt, weil ich mich rette und die Kraft dazu habe, mich nicht ausliefere, nicht leide, nicht erdulde, nicht aushalte, sondern für mich sorge, tue, was mir gut tut, und nicht zuerst schaue, was ihr gut tut, so, wie ich es bei meiner Mutter lernte.

In meiner Kindheit lernte ich diese gelassene Sicht nie kennen. Meine Mutter hätte meine Ängste nur noch mehr verstärkt und zu ihren Ängsten gemacht. Das wusste ich, deshalb berichtete ich nie von Krisen, weil das alles noch verschlimmert hätte. Meine Mutter ist und war viel zu unsicher und unreif, um damit hätte umgehen zu können, mir ein Trost und eine Stütze zu sein. Nur als Kind wusste ich das nicht, vielleicht instinktiv, aber ich war ihr mit ihren Ängsten ausgeliefert. Die Verunsicherung niestete sich bei mir ein, ließ mich nie ganz wieder los.

Warum ich von Frau B. nicht erzähle? Weil ich aus Angst, meine Frau zu verlieren, den Kontakt abgebrochen habe.  Wo all die Gefühle und Träume und Sehnsüchte hin sind? Keine Ahnung. Versteckt, irgendwo in den Tiefen meines Herzens.

Ich bin froh, dass das alles so weit ist, wie es ist. Mein Körper und meine Seele reagieren mit Erschöpfung, ich bin müde und ohne Schwung, ausgelaugt, suche Erholung, ohne mich erholen zu können. Ich suche meine Frau, seit langem, ich wünsche mir, dass wir miteinander schlafen, innig, ohne das Gefühl, eine Pflicht erfüllt zu bekommen. Suche ich meine Frau oder eine Frau, eine Frau, mit der ich meine Sehnsüchte leben kann, Nähe und Abstand, Sex und Zärtlichkeit, Reden, Sprechen, Angenommen sein, Zuneigung, aber auch Distanziertheit und Auseinandersetzung, Angekommen sein.

Die Ereignisse zeigen mir, wo ich emotional eigentlich stehe, mir fehlt die Unabhängigkeit und mir fehlt die Freiheit zu sagen, ich gehe, aus Angst vor dem Schritt in die Freiheit. Es wird sich zeigen.

 

 

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Geschützt: Was so geschah

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Freiheit

Die Tage nach dem verdammten Wochenende mit diesem fiesen Rückfall in alte Zeiten, bei dem ich mich wie ein Baby weinend an Frau Notos klammerte, haben mir gut getan. Ich spüre die Rückkehr meiner inneren Ausgeglichenheit, erschöpft zwar, nicht mehr so voller Tatendrang, spüre doch immerhin, nicht mehr so anfällig für diese Bedürftigkeit zu sein, diesem schmerzhaften Gefühl einer inneren, offenen Verletzung, die scheinbar nur durch wohlwollende Worte von Frau Notos gesalbt und geheilt werden können.

Nicht umsonst schrieb ich, ich würde mir fast wünschen, sie ginge zu diesem Mann und verlebt eine gute Zeit. Bestimmt täte es ihr gut. Mir täte es ebenfalls gut, weil ich die Erfahrung mache, es bringt mich nicht um. Uns beide brächte es weiter. (Na ja, so richtig gut täte es mir nicht in dem Moment, weiterbringen würde es uns.)

An Wochenenden kann es schon mal sein, wie ich von Angstpaniken heimgesucht werde, sobald Frau Notos nicht da ist. Schon vor längerer Zeit war das so, fällt mir ein. Ich war außerstande, mich wohl zu fühlen, ruhig zu sein.

Zu Hause ertappe ich mich zunehmend oft, mich in ihrer Anwesenheit zwar ruhig zu fühlen, im Sinne von nicht beunruhigt, aber auch nicht wirklich wohl, weil ich mich nicht anlehnen kann. Zwischen uns klafft eine Lücke, obwohl wir miteinander schlafen. Auch da ist eine Lücke, mir scheint, wir schauen einander nicht auf Augenhöhe an. Sie steht dabei höher, als ich. Eigentlich keine ungewohnte, neue Feststellung, es war schon immer so.

Der Zustand ist nicht neu, sondern die Bewertung, nicht auf Augenhöhe zu sein. Je mehr Ruhe einkehrt, desto mehr komme ich zu dem Schluss, Frau Notos tut mir nicht gut. Ich muss mich irre anstrengen, ihr ist dann diese Anstrengung zu viel, sie weicht mir aus, ich „stoße“ nach, sie weicht zurück. In dem Maße, wie ich „in“ sie dringen möchte, um sie zu spüren, weicht sie zurück.

Nun, wo ich hier sitze und schreibe, attestiere ich mir eine gewisse Befreiung und Leichtigkeit. Immerhin, ja, dies darf nicht zu gering betont werden, darf ich eine große Errungenschaft präsentieren: MICH. Ich muss es mal so sehen, ich habe mich nicht klein gemacht vor meiner Frau, sondern habe mich in meinen Wünschen und Gefühlen haarklein dargestellt und kämpfte um mich. Auch um sie. Ich war nicht feige, sondern – ich nehme das für mich bewusst in Anspruch – mannhaft, auch trotz dieser Schwäche, die ich nicht als Schwäche sehen darf, sondern gern mal als Stärke. Ich war eben so, in dieser fiesen Nacht, als ich zu ihr ging und reden wollte.

Es wird höchste Zeit, die Dinge mal so zu sehen, ich habe mich dargestellt, nicht versteckt, klar gesagt, was ich fühle, was ich genau will, weiss ich nicht (habe ich auch gesagt und dazu gestanden) und, dass ich an Frau B. denke. Natürlich hätte ich sagen können, ach, vergiss es, das war nur ein kleines, unbedeutendes Abenteuer, völlig ohne Belang, ich liebe nur dich. Nein, so war das nicht. Nur eben diese heftigen emotionalen Schmerzen beim Gedanken an Frau Notos Wege. Vielleicht half es mir, durch den Schmerz zu gehen. Soll ja helfen, so las ich zumindest. Sollte sie ein Wochenende zu ihm fahren, dann gehe ich nochmal durch diesen Schmerz. Die Gefahr und die Chance habe ich. Frau Notos hatte sie nicht, weil ich sie schützen wollte. Ich bekomme es brühwarm mit. Ob sie sich traut?

Und im Grunde bin ich weiter, als zuvor, als noch alles im Geheimen lag. Die Dinge liegen auf dem Tisch, die Bedrückung daraus verschwand, mein Herz kann leichter schlagen, ich bin doch viel freier, freier, als jemals zuvor. Egal, was ich tue, ich mache es, ich kann es, ich darf es.

Die Minuten nach dem Aufwachen

Morgens

Image by dongga BS via Flickr

Morgens, so kurz nach dem Aufwachen ist die schönste Zeit des Tages. Schlaftrunken und schwer und unwillig, den neuen Tag in Empfang zu nehmen, beginnt das Leben unausweichlich von mir Besitz zu ergreifen und mich aus den sicheren Gefilden zu vertreiben, in denen ich mich Augenblicke zuvor sicher aufgehoben fühlte. Die Vernunft gewinnt zunehmend, das leichte Wohlfühlen weicht der Überzeugung,  nun bald wieder in das Hamsterrad steigen zu müssen. Bevor es jedoch so weit ist, fühle ich mich von der Fußsohle bis in die Haarspitzen, die Haut der Beine berührt entspannt die Bettdecke, alle Sinne über die Haut kribbeln bis in die Haarspitzen. Ein besonderes Empfinden, nur in den Minuten nach dem Aufwachen.

Gelaufen

via Flickr“]

Fitnesssport und Laufen gehört zu meinen bevorzugten Stimmungsaufhellern. Finde ich Zeit und gehe laufen, so wie in den letzten Tagen mehrmals, fühle ich mich als anderer Mensch, dann noch ein wenig Krafttraining und ich gehe viel aufrechter durch die Gegend, nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Sicherlich fällt es mir bei diesem Wetter leichter, als im Winter, die Tendenz ist klar. Sport ist schon gut. Ich zähle mich nicht zu den ausgezehrten und durchtrainierten Spitzensportlern, dennoch spüre ich es, wenn ich mehrere Tage nichts gemacht habe.

Ein längerer Lauf bringt mich auch an den Rand der Verzweifelung, wenn ich mich frage, warum bleibst du nicht einfach stehen und setzt dich an den Waldrand. Nein, ich muss weiter, weil ich es mir nicht zugestehen, am Ende gekniffen und nicht durchgehalten zu haben. Der schönste Erfolg ist, durchzuhalten und im Ziel darauf stolz zu sein.

Schön, wo ich bin

Hafen am Abend

Gestern unterhielt ich mit einer Freundin über den Urlaub. Ich beschrieb ihr, wie schön ich es dort fand. Wir beleuchteten den Unterschied zum Alltag, wie man eben so über Urlaub und außergewöhnlich schöne Orte redet, die nicht der ständige Aufenthalt sind.

Wir saßen an einem kleinen Fluß und mir schoss es wie aus der Pistole in den Kopf, eigentlich doch egal, wo ich bin und sagte: „da wo ich bin, ist es schön“

Sie war erstaunt und froh zugleich, auch wenn sie sagte, so ganz authentisch klang das noch nicht, aber schon ganz gut.

Wie gehts euch, könnt ihr auch sagen, dort, wo ihr seid, ist es schön, oder ist diese Feststellung von Urlaub oder Außerordentlichem abhängig?