Schlagwort-Archive: wut

Wut

Lange Zeit war ich nicht in der Lage, mich zu spüren, wenn ich hier im Büro etwas empfand. Heute fiel mir ein Fundstück vor die Füße, das ich nicht beseite schieben kann: in bestimmten Konstellationen mit bestimmten Vorgesetzten empfinde ich Wut, teilweise grenzenlose Wut, die mit Kritik einhergeht. Nicht die Kritik an sich ist es, die mich wütend macht, sondern die Art und Weise, der Ton.

Ja, ich bin gerade stinkewütend. Schlucke sie nicht herunter, sondern nehme sie wahr. Ich schreie sie auch nicht heraus, knalle sie der Person nicht vor die Füße, sondern nehme sie einfach war. Wenn das der Weg ist, damit umzugehen, dann ist es gut. Ich muss keine Auseindersetzung anfangen, mich aufregen, rumschreien. Es genügt, mich da wahrzunehmen, die Gefühle zuzulassen. Vielleicht eine Frage stellen: „Verstehe diese Frage jetzt nicht.“ „Nein, sehe ich anders.“

Andersherum bin ich auch Vorgesetzter. Ein Mitarbeiter wollte rausrennen bei einer Nachfrage, die als Kritik gemeint war und die ich so titulierte. Ich rief ihn wieder rein und sagte, sein Verhalten sei nicht in Ordnung gewesen, es habe mich geärgert und er könne nicht einfach rauslaufen, sondern müsse sich die Worte anhören. Er würde schließlich ebenfalls immer um Verständnis werben.

Gefühle sind schwer auszuhalten. Die eigenen, aber auch die Gefühle derer, die ich auslöse.

Welche Gefühle gibt es überhaupt?

gefuehle

Dazu gibt es Untergefühle, die sich für jeden anders anfühlen. Ärger, Angst und Wut scheint mir im übrigen sehr dicht beiander zu liegen. Überhaupt Wut, das Gefühl ist bei mir latent tief im Bauch und versteckt. Im liebsten möchte ich das Gefühl gar nicht zeigen und andere damit konfrontieren, weil ich gelernt habe, Wut zu verstecken. Wie oft bin ich wegen Wut bestraft worden? Kinder zeigen oft Wut, meine Kinder lebten sie, wenn sie einen Grund hatten. Ich wurde bestraft, wenn ich sie zeigte. Irgendwoher kam die Wut, und dann nochmal die Wut obendrauf wegen der Strafe. Da hat sich eine ganze Menge angesammelt, an versteckten Gefühlen.

Wenn überhaupt, kamen sie versteckt raus, so passiv irgendwie oder ich richtete sie gegen mich, indem ich mich mit mir „schimpfte“, mich schalt, mehr, als andere. Vielleicht ist das die schlimmste Strafe überhaupt.

Advertisements

Einkehrende Ruhe

Meine Außenkontakte reduzieren sich auf rein berufliche Beziehungen. Die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate, ja, des letzten Jahres zeigen ihre Wirkung.

Mein Bedarf, zu reden, über die Dinge zu sprechen, sie auszudrücken ist komplett erloschen. Derzeit möchte ich einfach nur funktionieren, meine Wunden lecken, mich fühlen, in mich hineinfühlen, ohne ein Außen. Meine innere Stimme redet nicht, ich höre nichts, oder will es nicht hören. Keine Ahnung. Lese ich Berichte hier in den Blogs oder an anderer Stelle, dann warten die Autoren ab, um sich zu hören. Ich warte ebenfalls ab.

Allein meine Heilpraktikerin weiß um mich, sie ist außen genug, um mich zu öffnen.

Meine Beobachtung aus dem letzten Jahr bis heute ist, je mehr ich mich öffne, desto mehr werden Bedürfnisse bei Menschen geweckt, die ich später nicht befriedigen oder decken kann. Die Enttäuschung ist dann groß. Daher rührt möglicherweise mein Rückzug.

Meine Frau verrichtet Dienst nach Vorschrift, was Zuwendung oder besser Zugewandtheit angeht. Eigentlich nichts neues, nur mein Reaktion darauf. Vor einem Jahr reagierte ich, zog gewisse Konsequenzen, nun steht vor meiner Umgehensweise damit die Schuld aus der Beziehung. Sie spricht mir ab, Schuld haben zu sollen, aber sie ist da.

Unter der Woche funktioniert mein Leben mit sehr geregeltem Ablauf gut, am Wochenende hingegen macht es mir Probleme, weil ich die Zugewandtheit einer Partnerin vermisse. Ich denke, wir verhalten uns, wie in Schützengräben. Wir schießen zwar nicht, aber es ist auch kein Frieden eingekehrt. Die Stimmung ist beizeiten drückend. Konnte ich in der Vergangenheit dem über ein Außen entfliehen, funktioniert gerade das Mittel nicht mehr.

Überhaupt und vollkommen ungenügend funktioniert das Thema Reden. Frau Notos öffnet sich nicht, sie völlig verschlossen. Mir macht das Sorge, mehr noch, mich macht das wütend. Sie scheint im Abwarten zu verharren.

Von Panik zu Wut

Meine Nacht war verdammt kurz, das Aufwachen heute Morgen wie ein harter Aufschlag. Müdigkeit und Anstrengung mischten sich und bewirkten ein noch intensiveres Gefühl, als gestern. Nicht nur Bauchgrummeln, sondern so:  Meine Beine sind weich, zittern, Bauchziehen, erhöhter Herzschlag, permanentes Grübeln, quälende Gedanken und Bilder, unablässig oder schwallartig. Panikgefühl. Ohnmacht. Wie Lebensgefahr. Liebesschmerz. Drang, etwas tun müssen, aber nicht können und wissen, was. Kann mich nicht abfinden mit dem Gedanken, die Beziehung könne zu Ende sein. Will es nicht wahrhaben. Ausgeliefertsein, Verzweiflung. Erpresst werden. Täte einem dies ein fremder Mensch an, würde ich über eine Anzeige wegen Körperverletzung nachdenken.

Ich war den ganzen nicht in der Lage, mich wieder einzukriegen. An einen derart hilflosen Zustand kann ich mich nicht erinnern, so mies drauf war ich noch nie, selbst in der letzten Woche nicht. Und da dachte ich, das sei der Tiefpunkt. Die Grenze zum Aufgeben (was auch immer das sein könnte) war irgendwie nah. Eine richtige Grenzerfahrung tat sich auf.

Ich erledigte meine Aufgaben, schließlich sind die Kinder auch noch da. Einkaufen, Putzen, Aufräumen. Das Kochen übernahmen die Kinder. Dann rief Frau Notos nachmittags an. Sie beruhigte mich, ich wurde ruhiger. Mein Zustand stabilisierte sich wieder, ein Bekannter besuchte mich, erzählte mir etwas ebenfalls Problematisches von sich, ich schwieg zu meiner Situation. Nach seinem Abschied ging es mir besser, ich mähte den Rasen, konnte klare Gedanken fassen und spürte, wie sich meine Einstellung änderte und ich endlich Wut und Ärger hochkommen sah. Endlich war ich weg von Selbstvorwürfen und Leiden. Ich fühle mich wieder im Leben.

Warum tut sie das? Ist das Rache, Verzweiflung oder Berechnung? Mich in Sicherheit wiegen, beruhigen, aber dennoch ein doppeltes Spiel spielen, trotz meiner Zweifel nicht ehrlich sein, das ist schlimmer, als Betrug im Verborgenen. Dies ist Vorsatz aus niederträchtigen Gründen. Berechnung und das Ausnutzen einer Schuld.

Trennen, ein sehr naheliegender Gedanke. Nur weg und ausziehen löst die Probleme nicht, weil ich immer noch so verstrickt bin mit ihr, und ihr so viel nachsehe und verzeihe. Eine Trennung würde mich noch mehr leiden lassen. In vielen Belangen, nicht nur materiell, sondern auch emotional. Ich bin noch nicht so weit. Eine kurzfristige Lösung wäre, ein Zimmer zu nehmen. Meine Frau ist emotional einfach nicht in der Lage, mich nachzuvollziehen, ihr fehlt die Empathie, nutzt meine Liebe oder was auch immer das ist, aus. Kein Wunder, dass sie sich trotz der Beziehung zu Frau B. bei mir sicher und geborgen fühlt, sich nicht trennen will.

Ich bin leidensfähig, halte die Situation aber dennoch nicht aus. Trotzdem tue ich nichts, weil ich noch immer ans Happy End glaube.

Diesen schrecklichen Tag, der jedoch sehr lehrreich war, habe ich überstanden. Nun kommt die Nacht. Ich werde Tanzen gehen. Allein. Das muss ich mir heute noch geben und gönnen. In der Stadt ist eine Ü30-Party in so einem Laden, in dem mir die Musik und die Leute gefallen.

Danach sehne ich mich nach Schlaf ohne Geister.

Sprachlose Tränen

Die letzten Tage und Wochen waren so überwältigend, mir fehlen die Worte. Die einstürmenden Ereignisse überrannten mich wie eine Riesenwelle. Zunehmendn konnte ich nicht mehr damit umgehen, was da kam. Außerdem will ich nicht so viel schreiben, weil mir die Worte fehlen. Ich bin erschrocken über die Macht der Gefühle, die mich so weit auf das Meer hinausgetragen haben. Ich wollte immer segeln, kann aber nicht schwimmen. Aufgefallen ist mir das Manko viel zu weit draußen.

In meinem ganzen Leben habe ich  noch so viel geweint, wie in den letzten Tagen. Irgendwo an einer Stelle dieses Blogs bezweifelte ich meine Fähigkeit, zu weinen, in der Lage zu sein, dies rauszulassen, die Wut, die Trauer, die Verzweiflung, die Angst. Der Schmerz wird immer großer, je weiter sich die Schleusen öffnen, es trug mich immer weiter. Bis ich eingeschlafen bin. Diese Erfahrung ist für mich neu. Wie fühle ich mich damit? Erschöpft, die Augen brennen, aber sonst? Leichter, erholter, entspannter? Erleichtert vielleicht, dass ich noch ganz empfindungslos und doch nicht so viel aushalten kann, wie gedacht.

Die Anspannung der letzten Wochen und Monate suchte sich seinen Weg. Alles kam auf Mal. Erst dachte ich, ich würde es mir einbilden. Aber dann kam es über mich, ich konnte nicht aufhören, wollte auch nicht. Vor dem Einschlafen schreckte ich in Panik hoch und die Verzweiflung und Angst trieb mir die ersten Tränen in die Augen. Gut, dass es raus ist.

Drei Wochen war ich nicht hier, nicht in meinem Blog, noch auf irgendeinem anderen Blog. Schreiben ging nicht, schon gar nicht hier. Wie sprachlos kam ich mir vor, wollte auch nichts von mir preisgeben.Warum? Um nicht unter Druck zu geraten? Alles was ich geschrieben, wäre von mir geprägt gewesen, hätte nur einen Schluss zugelassen, auch für die Leser, die dies in ihren Kommentaren gespiegelt hätten. Das wollte ich nicht lesen. Ich halte fest, aus purer, bodenloser Angst, aus einer archaischen Angst, die einer Todesangst gleicht (denke ich, wie soll ich das wissen). Ich will mich nicht zusätzlich stoßen und unter Druck setzen.

Flausen im Kopf 2

Frau Notos bittet um Klarstellung der Situation: Wir befanden uns mehr oder weniger im Aufbruch. Der Besuch eines nahegelegenen Möbelhauses stand an, eine Küche ansehen. Dabei kam es mir in den Sinn. Für mich macht das keinen Unterschied, aber für Frauen nicht. Das Möbelhaus kann in der Zwischenzeit abgebaut werden, ich und mein Begehren bin jedoch immer da. Oder was? Was sich hier so kindisch anmutet hat für mich ein elementares Konfliktpotential. Weil ich mir die Frage stelle, ob ich mit meinen Wünschen so falsch bin, eine Belastung bin. Nach der Reaktion fühle ich mich einfach falsch. Das ist es.

Erwartungen, Wut, Anstand und Abstand

Sie zerrt an mir. Sie sagt, es sei kein Zerren. Ich empfinde es als Zerren und Zupfen. Mindestens irgendwie als unangenehm. Ich rufe sie an, schreibe, dass ich Abstand benötige, in Ruhe, laut dann, aggressiver. Sie wirft mir vor, aggressiv zu sein, auf sie Dinge zu projezieren.

Ich lege ihr am Herzen, ich sei etwas Besonderes. Schön, schmeichelhaft eigentlich, aber auch manipulativ. Lege ich ihr am Herzen, würde sie meine Bitte respektieren, anstatt mich mit Traktaten zuzupflastern.

So viel Zuneigung darf man doch nicht zurückweisen. Eigentlich. Und uneigentlich? Mir gehen die Zitate und Belehrungen auf den Keks. Dieses scheiss Bemuttern und der ganze Mist. Ohne nähere Begründung. Trotz dieser Nähe, die wir hatten, dieser Freundschaft.

Darf und will ich das aufs Spiel setzen? Was hätte ich „früher“ drum gegeben. Heute offenbare ich es. Nein, keine Offenbarung, ich schütze mich, früher wäre es nicht so weit gekommen, weil ich es nie so weit hätte kommen lassen, Nähe und Tiefe in der Form, dafür war ich lange nicht so weit. Bin ich nun soweit, weil ich auch die Grenzen spüre?

Mir fallen nicht so viele Worte ein, wie sie hervorbringt, um zu kontern. Und das will echt was heissen. Schon beim Schreiben dieser Worte wird mir heiss vor Wut. Sie wird mir lästig, diese Lästigkeit erscheint mir irgendwie spannend, nicht wegen ihr, sondern wegen des Gefühls. Faszinierend. Aber wütend macht es mich trotzdem. Warum macht sie mich so WÜTEND????!!!!!!!

Ich muss meinen Anstand wahren. Muss ich echt? Ich muss meinen Abstand wahren. Darum gehts erstmal. Ich muss mir genügen, nicht anderen, lange genug ging es andersrum.

Macht gab ich ihr über mich, die hole ich mir nun zurück.